Der britische Premierminister Boris Johnson und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker treffen sich erstmals, um über den Brexit zu sprechen. Da schauen die Wirtschaftsvertreter ganz genau hin.

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Vor Brexit-Gesprächen des britischen Premierministers Boris Johnson mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker fordert die europäische Wirtschaft dringend eine Einigung. Die Unternehmer appellieren an die Politiker, "alles Vernünftige zu versuchen".

Der Unternehmerverband BusinessEurope verlangte am Montag, einen britischen EU-Austritt ohne Vertrag definitiv auszuschließen, weil er für Bürger und Wirtschaft auf beiden Seiten ein "Desaster" wäre.

"Wir müssen einen glatten Übergang von der heutigen zur künftigen Beziehung zwischen der EU und Großbritannien sicherstellen, mit einem klaren Rahmenvertrag, der Bürgern und Unternehmen Zuversicht gibt", sagte Verbandschef Markus Beyrer.

Johnson und Juncker treffen sich zu Krisengespräch

Johnson und Juncker sind für Montagmittag in Luxemburg zu einem Arbeitsessen verabredet - das erste direkte Treffen der beiden, seit Johnson im Juli Premierminister wurde. Johnson trifft auch den luxemburgischen Ministerpräsidenten Xavier Bettel und gibt eine Pressekonferenz.

Der britische Regierungschef hatte am Wochenende Zuversicht verbreitet, doch EU-Diplomaten erwarteten für Montag keinen Durchbruch.

Aus Regierungskreisen hieß es am Sonntag, die britische Regierung strebe weiter ein Abkommen an. Johnson will demnach in dem Gespräch aber bekräftigen, dass er eine weitere Verlängerung der Brexit-Frist ablehnen werde, sollte sie angeboten werden.

Johnson droht mit ungeregeltem Brexit

Der Premier will das fertige EU-Austrittsabkommen ändern, was die Europäische Union bislang ablehnt. Sollte keine Einigung gelingen, droht Johnson mit einem ungeregelten Brexit Ende Oktober - und das, obwohl das britische Parlament keinen "No-Deal" will und für den Notfall verlangt, eine weitere Verlängerung der Austrittsfrist zu beantragen.

BusinessEurope-Chef Beyrer forderte beide Seiten auf, "alles Vernünftige zu versuchen und einen konstruktiven Dialog zu führen, um einen No-Deal abzuwenden".

Die Unsicherheit bei einer weiteren Verschiebung des Brexits sei zwar nicht ideal, sollte aber dennoch in Erwägung gezogen werden, erklärte der Verband.

Vorteil für Bürger und Wirtschaft bei einem geregelten Austritt wäre die im Vertrag vorgesehene Übergangsfrist bis Ende 2020, in der sich zunächst praktisch nichts ändert. In der Zeit wollen beide Seiten ihre künftigen Beziehungen aushandeln.

Britische Wachstumsprognose nach unten korrigiert

Unter anderem aufgrund des anhaltenden Brexit-Pokers hat die britische Handelskammer ihre Prognosen für das britische Wirtschaftswachstum heruntergeschraubt.

Während der Verband erwartet, dass die britische Wirtschaft in diesem Jahr um 1,2 Prozent wächst, prognostiziert sie für das kommende Jahr nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent. Das wäre die geringste Wachstumsrate seit der Rezession in den Jahren 2008/2009

Knackpunkt EU-Außengrenze zwischen Irland und Nordirland

Obwohl die ehemalige Premierministerin Theresa May den Deal schon voriges Jahr mit der EU schloss, ist er vom britischen Parlament noch immer nicht ratifiziert. Er fiel dreimal durch, unter anderem wegen des sogenannten Backstops für Irland.

Dabei geht es um die Frage, wie trotz Brexits eine feste EU-Außengrenze zwischen Irland und dem britischen Nordirland vermieden werden kann. Denn eine erneute Teilung der erst vor gut 20 Jahren befriedeten Insel könnte Unruhen auslösen.

Die EU verlangt, dass ganz Großbritannien notfalls in der EU-Zollunion bleiben soll, bis eine bessere Lösung gefunden wird. Johnson will diese Klausel streichen, weil Großbritannien sonst keine eigene Handelspolitik machen könnte. Er will alternative Lösungen. Wie sie aussehen sollen, ist unbekannt.

Supreme Court beschäftigt sich mit Johnsons Maßnahme

Viel Zeit bleibt Johnson nicht in Luxemburg, denn schon am Dienstag beschäftigt sich das oberste britische Gericht mit einem heiklen Brexit-Aspekt: Der Supreme Court beginnt dann mit der Anhörung zu der Frage, ob die von Johnson auferlegte fünfwöchige Zwangspause des Parlaments überhaupt rechtmäßig ist.

Ein schottisches Gericht hatte zuvor die Schließung bis zum 14. Oktober für unrechtmäßig erklärt und Johnson vorgeworfen, die Abgeordneten kaltstellen zu wollen. (msc/dpa)

Verwendete Quellen:

  • spiegel.de: Unternehmerverband warnt vor "Desaster" bei No-Deal-Austritt
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