Es gibt einen deutschen Auslandsgeheimdienst und den Verfassungsschutz für das Inland. Und es gibt den Militärischen Abschirmdienst. Der MAD operierte lange Zeit im Verborgenen. Wir zeigen, was die Aufgaben des dritten deutschen Nachrichtendienstes einst waren und heute sind.

Er ist so geheim, dass die Party zum sechzigjährigen Bestehen an einem geheimen Ort stattfindet - und unter Ausschluss von Medienvertretern. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) ist der kleinste und der unauffälligste der drei deutschen Geheimdienste. Mit seinen 1.100 Mitarbeitern ist er nur halb so groß wie der Bundesverfassungsschutz.

Der Bundesnachrichtendienst für die Auslandsaufklärung ist sogar sechsmal so groß. Hauptsitz des MAD ist Köln, dort arbeiten auch die meisten Mitarbeiter in einer Kaserne, genauer: in der Konrad-Adenauer-Kaserne im Süden der Stadt. Lange Zeit gab es dort nicht einmal ein Schild an der Pforte. Erst anlässlich eines Besuchs des damaligen Verteidigungsministers Thomas de Maizère sei im Februar 2013 ein Hinweis auf den MAD angebracht worden, schreibt die "Welt".

Eisernes Schweigen des Verteidigungsministeriums

Über die Arbeit dieses Geheimdienstes haben sich offizielle Stellen der Bundesrepublik lange Zeit ausgeschwiegen. Bis 2012 verfügte der MAD über keine eigene Öffentlichkeitsarbeit. Der Kontakt mit Medienvertretern wurde direkt vom Verteidigungsministerium gesteuert - und das schwieg nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur meistens eisern.

Mit der Gründung der ersten MAD-Pressestelle im Jahr 2012 sollte sich das ändern. Inzwischen gibt der MAD-Präsident, undenkbar in früheren Jahren, sogar Interviews. "Es gibt keinen Grund, über die Arbeit des MAD zu schweigen", sagt Behördenchef Christof Gramm der dpa.

Zucker in den Tanks von Bundeswehrkonvois

Aber wo ist der MAD, von dem man nach wie vor wenig in den Medien hört, im Geflecht der Geheimdienste angesiedelt? Er wurde ursprünglich unmittelbar nach der Gründung der Bundeswehr 1956 als "Unterabteilung IV J - Sicherheit" eingerichtet.

Der beginnende Kalte Krieg brachte neue Bedrohungen für die Westdeutschen Streitkräfte mit sich. Es drohten aus Sicht der damaligen Politiker-Generation Sabotageakte, Spionage-Angriffe aus dem Osten und eine Unterwanderung der Truppe mit Verfassungsfeinden. Es war die Zeit, in der der zweite Weltkrieg erst 16 Jahre zurücklag - und eine militärische Auseinandersetzung mit den Kommunisten im Osten als wahrscheinlich galt.

Der MAD sollte die Bundeswehr gegen innere und äußere Bedrohungen schützen, die auch durch die allgemeine Wehrpflicht drohten. Denn der verpflichtende Militär-Dienst für alle jungen, westdeutschen Männer führte dazu, dass auch Menschen zwangsweise in die Kasernen eingezogen wurden, die der noch jungen Verfassung feindlich gegenüberstanden - und als Gefahr für die Truppe galten. Zucker in den Tanks von Bundeswehrkonvois, Verrat von Plänen über die Verteidigungsbereitschaft an Ost-Berlin. Genau solche Aktionen sollte der MAD-Dienst durch Identifizierung und Festnahme der "Verfassungsfeinde" verhindern. Der MAD wurde als eine Art Schutzengel der Bundeswehr gegründet.

Suspendierung wegen angeblicher Homosexualität

Wie erfolgreich der MAD in seiner Arbeit tatsächlich war, ist nicht zu sagen. Von möglichen positiven Ergebnissen drang in den Nachkriegsjahrzehnten wenig nach draußen, dafür machte der MAD in den 80er-Jahren mit einem regelrechten Skandal auf sich aufmerksam. In der sogenannten Kießling-Affäre verdächtigten Ermittler der Behörde den Vier-Sterne-General Günter Kießling der heimlichen Homosexualität. Dadurch sei der General erpressbar, lautete die Argumentation, welcher der damalige Verteidigungsminister Manfred Wörner blind folgte.

Er entließ den General sofort - ohne ihn vorher angehört zu haben. Fatalerweise erwiesen sich die Verdächtigungen später als unhaltbar und Kießling durfte rehabilitiert in sein Amt zurückkehren. Der MAD stand wegen der offensichtlich falschen Informationen eines seiner Informanten lange in der Kritik - und weist bis heute jede Verantwortung für das Desaster von sich. Die Nachforschungen seien von oben befohlen worden, heißt es in der Behörde laut einem Bericht der dpa. Die Affäre sei für den Dienst "niederschmetternd" gewesen, weil sie über Jahre eine negative Berichterstattung generiert habe.

Nach 1989 entwickelt sich eine neue Bedrohung

Nach der Epochen-Wende von 1989 haben sich die Aufgaben des MAD grundlegend gewandelt. Der Kampf gegen eine Schwächung der Verteidigungsbereitschaft der Bundeswehr hatte mit der schleichenden Auflösung des Ostblocks seine Bedeutung verloren. Allerdings traten schnell neue Feinde an die Stelle der Kommunisten.

Präsident Gramm sieht laut dpa seinen Dienst heute als "modernen und komplexen Sicherheitsdienstleister für die Bundeswehr im In- und Ausland". Im Inland gehe es heute vor allem um den Schutz der Truppe vor Extremisten. Pro Jahr überprüft der Dienst 50.000 Soldaten und zivile Mitarbeiter, die zum Beispiel mit vertraulichen Unterlagen zu tun haben. Außerdem ist der MAD für den Schutz deutscher Soldaten im Ausland zuständig. Dazu gehört die Sicherheitsüberprüfung einheimischer Mitarbeiter an den Einsatzorten, aber auch das Heranschaffen von Informationen über Gegner wie die Taliban in Afghanistan.

Islamisten könnten Bundeswehr als Ausbildungscamp missbrauchen

Während es zwischenzeitlich sogar Stimmen gab, die die Abschaffung des MAD forderten, ist inzwischen eine personelle Aufstockung des Dienstes wahrscheinlich, die aus einem neuen Bedrohungsszenario resultiert. Schon vor einigen Monaten warnte MAD-Präsident Gramm öffentlich. "Wir sehen das Risiko, dass die Bundeswehr als Ausbildungscamp für gewaltbereite Islamisten missbraucht werden kann", sagte er der "Welt".

Nach Erkenntnissen des MAD sollen inzwischen 29 ehemalige Bundeswehrsoldaten nach Irak oder Syrien ausgereist sein, einige sollen sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen haben. Die Bundeswehr würde damit zur Ausbildung eben jener terroristischen Gruppierungen beitragen, von denen die Truppe hinterher in Auslandseinsätzen attackiert wird.

Um genau das zu verhindern, sollen sich nun alle Soldaten vor der Einstellung einem Sicherheitscheck unterziehen - der von den Mitarbeitern des MAD durchgeführt wird. Für den MAD würde das mehr als 20.000 zusätzliche Überprüfungen pro Jahr und 40 neue Mitarbeiter bedeuten. Für die 200 Gäste, die am Dienstag an einem geheimen Ort zur 60-Jahre-MAD-Party zusammenkommen, ist das sicherlich ein Grund zu feiern.