Kairo (dpa) - Der meistgesuchte Gaddafi-Sohn ist gefasst: Milizionäre der Übergangsregierung in Libyen verhafteten Saif al-Islam al-Gaddafi im Süden des Landes. Der 39-jährige Lieblingssohn des einstigen Machthabers Muammar al-Gaddafi wurde auch mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Er soll sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten. Der letzte noch in Libyen flüchtige Gaddafi-Sohn sei von Milizionären der Übergangsregierung auf dem Weg Richtung Niger gestellt worden. "Er wurde mit zwei Helfern in der Gegend von Al Obari im Süden Libyens verhaftet", sagte der Militärkommandeur Baschir al-Tuleib am Samstag auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Tripolis.

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes (IStGH), Luis Moreno-Ocampo, wirft der alten Staatsführung inklusive Saif al-Islam Morde an Hunderten Zivilisten, Folterungen, militärische Gewalt gegen unbewaffnete Demonstranten und gezielte Massenvergewaltigungen vor. Im Falle eines Schuldspruchs wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit könnte der Strafgerichtshof als Höchststrafe lebenslange Haft festlegen. Bei einem Verfahren in Libyen droht sogar die Todesstrafe.

Die libysche Übergangsregierung bestätigte die Festnahme des zweitältesten Gaddafi-Sohns, wie der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete. In den vergangenen Monaten hatten die Rebellen bereits mehrfach verkündet, Saif al-Islam festgenommen oder getötet zu haben.

Gaddafi war am 20. Oktober, zwei Monate nach der Eroberung der Hauptstadt Tripolis durch die Rebellen, in seiner Heimatstadt Sirte getötet worden. Die genauen Umstände der Tat sind bis heute nicht vollständig geklärt. Bis zum Schluss wurde vermutet, dass sich Saif al-Islam an der Seite seines Vaters versteckt hielt. Saifs Brüder starben entweder bei Kämpfen gegen die Rebellen oder flohen ins benachbarte Ausland.

Saif al-Islam hatte lange Zeit als das liberale Gesicht des Despotenclans gegolten - smart, eloquent, weltmännisch. Nach dem Umsturz in Libyen trat er aber als Scharfmacher ins Rampenlicht. Seine letzten großen Auftritt hatte er Ende August, als er kurz nach der Eroberung von Tripolis durch die Rebellen mitten in der Nacht vor einem internationalen Hotel auftauchte und vor Journalisten den Sieg des Gaddafi-Regimes verkündete. Mit kahl rasiertem Schädel und gestutztem Vollbart wetterte er damals gegen die Oppositionskräfte und die Luftangriffe der Nato.