Am Wochenende haben Tausende G7-Gegner einen ganzen Ort auf den Kopf gestellt. Hundertschaften an Polizisten waren angerückt, um Protestzüge durch Garmisch-Partenkirchen zu sichern, Sitzblockaden zu lösen. Trotz einzelner Gewalttätigkeiten und Rangeleien mit mehreren Verletzten zieht der Sprecher des Bündnisses "Stop G7 Elmau" ein positives Fazit.

"Die Demonstrationen am Samstag und Sonntag waren erfolgreich", sagt Aktivist Benjamin Ruß im Gespräch mit unserem Portal. Als Erfolg wertete der Sprecher vor allem die weitgehend friedlichen Demonstrationen und die Sitzblockaden.

Immer wieder hatten Gipfelgegner am Sonntag die Bundesstraße 2 in Richtung Mittenwald blockiert. Im Ort beteiligten sich etwa 50 Aktivisten an einer Blockade. Sie wurden alle von der Polizei in Gewahrsam genommen und zur Sammelstelle im Abrams-Komplex gebracht.

Nach Angaben der Bundespolizei versuchten 60 Aktivisten zudem, Bahngleise zu besetzen. Dies habe verhindert werden können. Die G7-Gegner organisierten auch Bergwanderungen. Rund 300 von ihnen erreichten nach mehreren Stunden den Sperrzaun um den Tagungsort.

Demonstrationen verzeichnen Erfolge

Mit seinen Aktionen am Wochenende konnte das Bündnis Ruß zufolge auf etwas Wesentliches aufmerksam zu machen: die exorbitanten Kosten des G7-Gipfels. "Kein Mensch versteht die Ausgaben" in Höhe von 360 Millionen Euro, sagt Ruß. Das habe die Aktion jetzt allen deutlich gemacht. Ruß ist überzeugt: Einen ähnlich überteuerten Gipfel wie den auf Elmau werde es so nicht noch einmal geben. "Wir haben der Idee der G7 den Todesstoß versetzt", so sein Resümee.

Und das Bündnis hat nach Worten des Sprechers noch einen weiteren Erfolg zu verbuchen: "Wir haben es geschafft, den Anwohnern die Angst zu nehmen", so der Organisator. Die Demonstranten seien im Ort sehr willkommen. Besonders nach dem Unwetter am Samstag habe man eine große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung gespürt. "Sie haben uns Decken und Essen gebracht."

Das friedliche Miteinander konnten viele Anwohner bestätigen. "Die Demonstranten sind schon in Ordnung. Sie treten ja im Grunde für eine gute Sache ein", erklärte ein älterer Herr am Sonntagmorgen in der Nähe des Protestcamps. Wofür die Demonstranten da allerdings eintreten, sei ihm nicht so ganz klar. Doch Demokratie müsse man unterstützen. Und die Jungs und Mädels im Camp seien doch alle ganz okay.

"Demonstranten im Vorfeld kriminalisiert"

Wofür oder wogegen da genau demonstriert wird, schien auch einigen Aktivisten nicht so ganz klar. Einige zuckten bei dieser Frage mit den Schultern. Oft hieß es auch "kein Kommentar". Auskunftsfreudigere versuchten sich dann doch an einem Statement. "Naja, wir sind eben gegen TTIP. Wir sind dagegen, dass sieben Große darüber bestimmen, dass sich nur die Großen in die Tasche wirtschaften. Und die Kleinen werden klein gemacht und kleiner", sagte ein junger Mann.

Und zwei alte Haudegen in Sachen Protest – man hat schon gegen Castor-Transporte demonstriert – erklärten, dass es im Grunde um die Demokratie geht. Die sei in Gefahr. Denn der sogenannte Sicherheitsapparat habe schon im Vorfeld versucht, alle G7-Gegner als kriminell zu stigmatisieren. Dies kritisiert auch Benjamin Ruß. Eine solch "massive Polizeipräsenz" sei inakzeptabel. "Die Situation war wirklich unzumutbar. Wir wurden schon im Vorfeld kriminalisiert."

Man habe nicht so demonstrieren können, wie man es eigentlich gerne getan hätte. Ständig seien Polizisten im Weg gestanden. Wie genau nun seine Vorstellung aussahen, dazu gab er vage Antwort. Die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen hätte das Bündnis im Vorfeld torpediert. So sei es etwa unmöglich gewesen, für entsprechende Infrastrukturen im Camp zu sorgen.

Katastrophale Bedingungen im Camp

"Die hygienischen Bedingungen sind eine Katastrophe", sagte ein Camper unserer Reporterin vor Ort. "Die Toiletten sind voll mit Fäkalien. Alles stinkt. Das beißt in der Nase. Da mag eigentlich niemand mehr hingehen." Er gestand, dass er dafür nun die Loisach, den Gebirgsfluss vor dem Camp, aufsuche. "Ja, das ist schon katastrophal", gestand Ruß im Gespräch. Die Veranstalter hätten leider nicht die nötige Zeit bekommen, entschuldigte er. Dafür sei auch die Misswirtschaft des bayerischen Innenministeriums verantwortlich.

Lange müssen die G7-Gegner jedenfalls nicht mehr im Camp ausharren. Am Montag ist letzter Gipfeltag. Zum Abschluss des G7-Treffens hat "Stop G7 Elmau" am Montag noch eine Demonstration und Abschlusskundgebung geplant. Diese wird wohl eher klein ausfallen. Bereits am Sonntag dezimierte sich nach Polizeiangaben die Zahl von 3.600 auf gut 300 Demonstranten. Das Camp haben bereits viele verlassen, bestätigt auch Ruß. Ein paar wenige hundert Aktivisten seien noch da; am Samstag waren es noch 1.000.