"Welcome to Hell" ("Willkommen in der Hölle") nennen die Autonomen ihren für Donnerstag geplanten Aufmarsch in Hamburg. Die Polizei geht davon aus, dass die teils gewaltbereiten Demonstranten ihr Motto in die Tat umsetzen werden und stellt sich auf die heikelste Demonstration rund um den G20-Gipfel ein.

Die "Höllen"-Demo ist nicht die einzige Herausforderung dieser Tage.

11.000 Menschen haben am Mittwochabend in Hamburg friedlich gegen den G20-Gipfel demonstriert.

"G20 - Welcome to hell"-Motto lässt Böses erahnen

Bei der Demonstration am heutigen Donnerstag, könnte das Bild ein gänzlich anderes sein - davon geht die Polizei fest aus. Sie befürchtet Gewalt Linkskautonomer.

"Der größte schwarze Block aller Zeiten ist angekündigt von der Roten Flora, von den Autonomen, es soll knallen hinterher", sagte Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer im ZDF-"Morgenmagazin".

"G20 - Welcome to Hell", lautet der Titel der Demonstration, zu der die Behörden bis zu 10.000 Teilnehmer erwarten, darunter 8.000 gewaltbereite Linksautonome aus dem In- und Ausland. Aus Mayers Sicht ist das Motto eine Kampfansage.

"'Welcome to Hell', das riecht ja nicht nach Sitzblockaden und verbaler Aussage, sondern nach mehr. Und deswegen sind wir schon skeptisch, ob der heutige Abend oder die heutige Nacht friedlich bleiben", sagte er.

Abstrakte Terrorgefahr erhöht den Druck

Rund 20.000 Polizisten werden rund um den Gipfel im Einsatz sein. Sie kommen aus dem ganzen Bundesgebiet.

"Wir waren noch nie so gut auf einen Einsatz vorbereitet, wie auf diesen", verspricht Ulf Wundrack, Sprecher der Hamburger Polizei.

Die Vorbereitung scheint notwendig, denn gewaltbereite Demonstranten sind nicht das einzige Problem, mit dem sich die Polizei in diesen Tagen konfrontiert sieht.

Es ist die Gemengelage, die diesen Einsatz schwierig macht. "Wir müssen mit Terroranschlägen rechnen, wir müssen mit militanten Blockaden rechnen und viel mehr", formuliert es Polizeipräsident Mayer.

Auch wenn die Polizei derzeit keine konkreten Hinweise auf einen Anschlag in Hamburg hat: "Wir haben seit Monaten durchgehend eine hohe abstrakte Gefährdungslage", sagt Pressesprecher Wundrack. Und 19 Staatsgäste machen die Lage natürlich nicht entspannter.

Entsprechend habe die Hamburger Polizei in jüngerer Vergangenheit in die Ausbildung für Terroreinsätze investiert, ebenso in die Ausrüstung.

Zum Beispiel habe sie spezielle Westen und Helme angeschafft sowie einen "Surviver", einen Panzerwagen, der gegen Beschuss und Sprengfallen gesichert ist.

Prügelnde Erdogan-Bodygards nicht dulden

Neben den Linksautonomen und der Terrorgefahr ist da noch das Sicherheitspersonal der Gäste.

Im Mai hatte ein Vorfall in Washington für Entsetzen gesorgt: Sicherheitsleute, die den türkischen Präsidenten Recip Tayyip Erdogan auf seinem Staatsbesuch in den USA begleiteten, prügelten auf Anhänger der syrisch-kurdischen Partei PYD ein.

Als Reaktion darauf hat das Auswärtige Amt der Türkei das Versprechen abgenommen, nicht jene Leibwächter nach Hamburg zu schicken.

Und Polizeisprecher Wundrack stellt klar: "Das Sicherheitspersonal ausländischer Staatsgäste hat keine polizeilichen Befugnisse, sondern hat lediglich Notwehr- beziehungsweise Nothilferechte wie jeder andere Bürger auch."

Szenen wie in Washington werde es "bei uns nicht geben". Schließlich sei die Polizeidichte zum Gipfel extrem hoch. "Im Fall der Fälle schreiten die Beamten sofort ein."

Für die Hamburger bedeuten der riesige Polizeieinsatz und die enormen Sicherheitsvorkehrungen Einschränkungen: Die sogenannten Sicherheitszonen (siehe Grafik) sind teilweise oder ganz abgeriegelt. Weil ganze Straßenzüge gesperrt sind, droht ein Verkehrschaos, Züge werden umgeleitet. An einzelnen Schulen findet der Unterricht nicht oder nur eingeschränkt statt.

Viele Hamburger sind davon genervt, einige flüchten über das Wochenende sogar aus der Stadt.

Meyer rechtfertigt die Maßnahmen. Es gehe um die Sicherheit der Gipfelteilnehmer, Bürger und friedlichen Demonstranten.

Mit Material von dpa