Nach dem Beschluss des AfD-Parteikonvents zu einem neuen Umgang mit dem fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis wirft Ex-Parteichefin Frauke Petry der AfD-Spitze vor, sich vom vorbestraften Pegida-Chef Lutz Bachmann instrumentalisieren zu lassen.

Bachmann wedele "inzwischen mit der AfD und ihren beiden Vorsitzenden wie der sprichwörtliche Schwanz mit dem Hund", sagte Petry der "Bild"-Zeitung (Montag) mit Blick auf das Verhalten der AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland und Jörg Meuthen.

AfD hebt Kooperationsverbot mit Pegida auf

Gauland und Meuthen hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, das Kooperationsverbot mit dem Bündnis aufzuheben, falls sich Bachmann aus der Pegida-Führung zurückziehen sollte.

Dafür gibt es bislang keine Anzeichen - dennoch beschloss der Parteikonvent am Wochenende, dass AfD-Mitglieder in Zukunft bei Pegida-Kundgebungen auftreten dürfen.

Die AfD sei "für freiheit-bürgerlich gesinnte Wähler nicht erträglich", sagte Petry.

Unter Petry hatte der Bundesvorstand 2016 einen Abgrenzungsbeschluss gefasst und eine Zusammenarbeit mit Pegida abgelehnt.

Petry verließ unmittelbar nach der Bundestagswahl Fraktion und Partei, sie sitzt inzwischen als fraktionslose Abgeordnete im Parlament.

Der sachsen-anhaltische AfD-Vorsitzende André Poggenburg feierte das Votum zur Aufhebung des Kooperationsverbotes mit Pegida als "Meilenstein".

Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Der Beschluss stellt fest, dass es rechtens ist, als Vertreter der Partei aufzutreten, dass dies also nicht mehr sanktioniert wird."

Poggenburg hatte 2015 zusammen mit dem Thüringer Landeschef Björn Höcke den rechtsnationalen "Flügel" der AfD gegründet.

Er gehört zu den Unterzeichnern des Antrags an den Konvent, das 2016 vom Bundesvorstand der Partei verabschiedete Kooperationsverbot mit dem fremdenfeindlichen Bündnis aufzuheben.

Der Parteivorsitzende Alexander Gauland sagte am Sonntag vor der Presse in Berlin zu der Entscheidung des Parteikonvents: "Ich finde diesen Beschluss richtig."

Er werde aber in jedem Fall nicht gemeinsam mit Lutz Bachmann - dem vorbestraften Pegida-Chef - auftreten.

Joschka Fischer: Leider viele Nazis in AfD

Der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen antwortete auf die Frage, ob nach diesem Beschluss überhaupt noch eine Grenze zwischen der AfD und Pegida zu erkennen sei: "Ja, die erkenne ich noch." Darüberhinaus vertraue er "auf die Vernunft der Parteimitglieder".

Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz kommentierte die Entscheidung des Konvents auf Twitter: "Die Extremisierung der AfD schreitet weiter schnell voran."

Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) forderte am Wochenende eine harte politische Auseinandersetzung mit der AfD.

"Nicht jeder, der die AfD wählt, ist ein Nazi. Aber leider ist es so, dass es in dieser Partei viele Nazis gibt. Oder wie wollen wir Herrn Höcke oder Jens Maier oder manch andere dort bezeichnen?", sagte Fischer der "Welt am Sonntag". Er warnte vor neuem Nationalismus.  © dpa