Die Zahl der Gewalttaten gegen Flüchtlinge steigt. Innenminister Thomas de Maiziere zufolge "gab es in diesem Jahr bereits mehr als 490 Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte." In einem Interview nannte er diese Entwicklung "besorgniserregend" und "eine Schande für Deutschland".

Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte Innenminister Thomas de Maiziere: "Ich finde diesen Zuwachs an Menschen, die Gewalt anwenden, besorgniserregend." Bei zwei Drittel der Tatverdächtigen handele es sich um "Bürger aus der Region, die sich bisher nichts zu Schulden kommen ließen." Ihnen müsse begreiflich gemacht werden, "dass sie inakzeptable Straftaten begehen: Körperverletzungen, Mordversuche, Brandanschläge", sagte der Minister. "Das ist eine Schande für Deutschland. Da darf es auch keine klammheimliche Zustimmung geben."

Im Jahr 2014 kam es etwas mehr als 300 fremdenfeindlichen Gewalttaten. Laut der Amadeu Antonio Stiftung und Pro Asyl gab es im vergangenen Jahr 36 Brandanschläge und 211 sonstige Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte.

In der folgenden Grafik sehen Sie, wo in Deutschland im Jahr 2014 am meisten Ausländer und Asylbewerber lebten - und wo besonders viele fremdenfeindliche Straftaten verübt wurden.

Die Welt erlebt derzeit die größte Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Tausende Menschen sind auf der Flucht und suchen in Deutschland Asyl. Zugleich steigt hierzulande die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten. In der folgenden Grafik sehen Sie, wo in Deutschland am meisten Ausländer und Asylbewerber leben - und wo besonders viele fremdenfeindliche Gewalttaten verübt werden.

Die Gewalt gegen Asylbewerber wird dem Minister zufolge begleitet "von Hassmails, von Beleidigungen, von einer Gossensprache." Er habe bis vor kurzem nicht glauben können, dass so etwas öffentlich gesagt werde. "Es sind Zivilisationsschranken gefallen." Dafür gebe es keine Entschuldigung, sagte de Maizière. "Wir müssen darum kämpfen, dass man bestimmte Dinge einfach nicht sagt und tut. Wir dürfen Gewalt und Hass nicht tolerieren."

Hinweise ausländischer Nachrichtendienste auf Terroristen unter den nach Deutschland kommenden Flüchtlingen haben sich de Maizière (CDU) zufolge hingegen bisher nicht bewahrheitet. "Wir nehmen all diese Hinweise ernst und gehen ihnen nach", versicherte der Minister in dem Interview. Dass es in Deutschland bisher nicht zu großen Anschlägen gekommen sei, "haben wir der Tüchtigkeit der Sicherheitsbehörden zu verdanken, und es war auch Glück dabei", fügte de Maizière hinzu.

De Maizière berichtete, dass die Bundesregierung in der Flüchtlingskrise eine Schließung der deutschen Grenzen erwogen hat. "Wir haben diese Frage erörtert - und verworfen. Es gibt europarechtliche Bedenken und faktische Begrenzungen, so etwas durchzusetzen", sagte er. (cai/afp/dpa)