Bundespräsident Joachim Gauck hat eine Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Wilmersdorf besucht und sich zu den Krawallen in Heidenau geäußert.

Der Bundespräsident findet klare Worte: Joachim Gauck spricht nach einem Besuch in einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Wilmersdorf über rechtsextreme Ausschreitungen in der sächsischen Kleinstadt Heidenau. Dort hatten Rechtsextremisten und Rassisten in den vergangenen Tagen Asylbewerber bedroht und Polizisten angegriffen. "Wir werden denen sagen: 'Ihr repräsentiert uns nicht'. Und wir werden schon gar nicht dulden, dass Rechtsbrecher (...) im Ausland und im Inland für dieses Deutschland stehen, das sich heute als offenes und hilfsbereites Land darstellt", sagte Gauck nach dem Besuch im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf.

Dafür lobte der Bundespräsident die "vielen Freiwilligen, die zeigen wollen, es gibt ein helles Deutschland, das hier sich leuchtend darstellt gegenüber dem Dunkeldeutschland, das wir empfinden, wenn wir von Attacken auf Asylbewerberunterkünfte oder gar fremdenfeindlichen Aktionen gegen Menschen hören." Gauck ergänzte: "Mir ist wichtig, dass Deutschland sich aufrichtet an der Präsenz dieser Hunderttausenden von hilfsbereiten Menschen. Das ist die überdeutliche Antwort auf Hetzer und Brandstifter."

Laut Gauck sei es die Aufgabe der Politiker, die Ängste der Bevölkerung zu hören. Er fordert die Menschen aber auch auf, nicht den Ängsten zu folgen, sondern dem Land zu vertrauen. "Ich darf daran erinnern, dass Deutschland in schlimmeren Zeiten, als es bettelarm war, viel größere Herausforderungen hatte", sagte Gauck. "Aber das haben diese Leute heute natürlich vergessen."

Gauck warb zudem um Verständnis für Behörden: "Wir können ein Landes- oder Bundesamt, das plötzlich überrollt wird von einem Massenansturm, nicht nur tadeln." Man müsse Geduld haben. Und an die Flüchtlinge gerichtet sagte er: "Es darf auch keine Anspruchshaltung entstehen." Bund, Länder und Kommunen müssten aber enger zusammenarbeiten.

Deutschland sei dafür gewappnet, die vielen hunderttausend Menschen aufzunehmen, sagte Gauck. "Deutschland mit den starken Schultern, politisch und ökonomisch gesprochen, wird in der Lage sein, diese Herausforderungen auch zu meistern. (tfr/dpa)