Politiker spekulieren darauf, dass im Winter viel weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Doch dem ist offenbar nicht so. Der Flüchtlingszustrom wird trotz Schnee und Kälte unvermindert anhalten – und es werden sogar noch mehr Flüchtlinge kommen als bisher, meinen Experten.

Angesichts des Flüchtlingszustroms fordert die CSU eine Obergrenze für Flüchtlinge. Doch Kanzlerin Angela Merkel erteilte CSU-Chef Horst Seehofer eine Absage. Obergrenzen werde es mit ihr nicht geben.

Während die Schwesterparteien in der Flüchtlingspolitik uneins sind, gibt es Berichte, wonach vor einem Anstieg der ungesteuerten Zuwanderung gewarnt wird.

Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, haben Geheimdienste in den letzten Wochen Berlin gemeldet, dass auch der bevorstehende Winter den Flüchtlingszustrom nicht stoppen wird. Kälte und Schnee sollen zu keinem nachhaltigen Rückgang bei der Zahl der Zuwanderer führen.

600.000 auf Balkanroute

Wie "Welt am Sonntag" weiter berichtet, rechnet auch die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit einem Zuwachs: "Die Zahlen werden eher weiter ansteigen als zurückgehen", sagte demnach Frank Laczko, Chef des globalen Datenanalysezentrums der IOM.

Die UN rechnen im Winter mit 600.000 Flüchtlingen auf der Balkanroute: Mit rund 5.000 Menschen pro Tag wird der Zustrom von Flüchtlingen von der Türkei aus über das Mittelmeer nach Europa UN-Schätzungen zufolge auch im Winter sehr stark sein.

Zwischen November und Februar würden voraussichtlich rund 600.000 Asylsuchende Griechenland, Kroatien, Serbien, Slowenien oder Mazedonien erreichen, erklärte das Flüchtlingshilfewerk der Vereinten Nationen (UNHCR) bereits Anfang November in Genf.

In Syrien verschlechtert sich die Situation nach Einschätzung der Nachrichtendienste täglich. Seit Beginn des Konflikts wurden nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mehr als eine Viertelmillion Menschen getötet.

Rund 13,5 Millionen Syrer sind nach UN-Angaben auf humanitäre Hilfe angewiesen. Etwa 6,5 Millionen haben ihre Heimatorte verlassen und suchen Schutz innerhalb Syriens. Weitere knapp 4,2 Millionen sind vor dem Krieg über die Grenze geflohen.

Die meisten von ihnen leben in Flüchtlingslagern in Syriens Nachbarländern, allein mehr als zwei Millionen in der Türkei. Von 2011 bis September 2015 stellten laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR rund 513.000 Syrer Asylanträge in Europa.

Um Transitunterkünfte, Wartehallen und Versorgungsstellen an der sogenannten Balkanroute winterfest machen zu können, bittet das UNHCR um zusätzliche 96 Millionen Dollar (88 Millionen Euro).

Das Geld werde benötigt, damit "humanitäre Tragödien und der Verlust von Menschenleben" vermeiden werden können. So müssten Zelte beheizbar gemacht und warme Kleidung und Decken an die Menschen verteilt werden. Mit den zusätzlich erbetenen Mitteln beläuft sich der Finanzbedarf des UNHCR zur Unterstützung der Flüchtlinge im Winter auf rund 173 Millionen Dollar (158 Millionen Euro).

500.000 Flüchtlinge seit September

Mehr als eine halbe Million Flüchtlinge sind seit September über Bayern nach Deutschland gekommen. Diese Zahl nannte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Samstag in seiner Rede beim CSU-Parteitag in München.

Am Freitag hatten die mehr als 1.000 Delegierten fast einstimmig einen Leitantrag verabschiedet, der eine nationale Begrenzung der Flüchtlingszahl im nächsten Jahr verlangt. Seit Jahresbeginn wurden in Deutschland nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) mehr als 900.000 Flüchtlinge registriert. (far/dpa)