Der Traditionsbetrieb "Poschner's Hühner- und Entenbraterei" darf dieses Jahr zum Oktoberfest sein Zelt nicht aufstellen. Deswegen bietet der Wirt Berni Luff es nun als Flüchtlingsunterkunft an. Die Stadt München reagiert mit Skepsis.

Im letzten Jahr war die Idee, ein Wiesnzelt für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, schon einmal aufgekommen. Die Stadt zog in Erwägung, das Schützenfestzelt als Flüchtlingsheim zu nutzen. Dazu kam es nicht. Nun ist eine solche Lösung erneut im Gespräch.

Wiesnwirt Berni Luff darf sein Zelt "Poschner's Hühner- und Entenbraterei" dieses Jahr auf dem Oktoberfest nicht aufstellen. Bei der Vergabe der Zeltplätze auf der Theresienwiese kam Luff nicht gegen den Bruder von Marstall-Wirt Siegfried Able an. Able hatte erst im Jahr zuvor den Platz von Sepp Krätz' Hippodrom eingenommen, das wegen eines Steuerskandals keine Zulassung mehr erhielt. Luff flog damit nach 80 Jahren von der Wiesn und hat deswegen bereits eine Klage gegen die Stadt eingereicht.

Fehlende Lehrer, potenzielle islamistische Schläfer und ein Streit zwischen Bund und Ländern: Die Liste der Herausforderungen wird länger, seit immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Doch was ist echtes Problem – und was nur politische Rhetorik? Wir machen den Realitätscheck.

Wiesnzelt als Flüchtlingsheim?

Da er sein Zelt also dieses Jahr nicht benötigt, bietet er es der Stadt als Flüchtlingsunterkunft an. Wie die "tz" berichtet, schreibt Luff an den Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und seinen Stellvertreter Josef Schmid (CSU):

"Unsere Enttäuschung, die wir aufgrund des Umgangs mit uns in Bezug auf die Nichtzulassung zum Oktoberfest erfahren haben, ist natürlich groß." Doch "die Stadt München und ihre vielen freiwilligen Helfer zeigen in den letzten Wochen ein unglaubliches Engagement bei der Begrüßung und Bewältigung der nicht enden wollenden Flüchtlingsströme". "Wir [sehen] die Notlage, in der sich die Stadt bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms befindet. Wir bieten Ihnen deshalb an, unser Zelt vorübergehend für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen."

Das Poschner-Zelt ist 35 Meter lang und zwölf Meter breit. Aktuell lagert das Zelt in einer Halle bei Aichach. Eine Woche würde es dauern, um das Zelt aufzubauen.

Das sagt die Stadt zum Angebot

Die Antwort von der Stadt ist jedoch ernüchternd. Sie will Flüchtlinge nicht in Oktoberfestzelten unterbringen. Das Sozialreferat der Stadt bestätigt unserer Redaktion, dass die Stadt Festbauten bevorzuge. Vor allem aus Gründen der Sicherheit und der Wärmeisolierung werde auf Festbauten zurückgegriffen und komplett auf Zelte verzichtet.

Dennoch: Wenn der Flüchtlingsandrang sich weiterhin so entwickelt, könnten ehemalige Wiesnzelte immer attraktiver werden. Nicht nur das Poschner-Zelt hat - anders als die für Flüchtlinge genutzten Not-Zelte - zumindest einen befestigten Boden und feste Wände.