Täglich kommen Hunderte Flüchtlinge an der bayerisch-österreichischen Grenze an und warten darauf, nach Deutschland einreisen zu dürfen. Bayern sieht sich von Österreich im Stich gelassen: Ministerpräsident Horst Seehofer machte seinem Unmut lautstark Luft. Und auch die deutsche Presse lässt kaum ein gutes Haar am Nachbarn.

Süddeutsche.de: "Es ist eine Schande für das Nachbarland, dass es den Notleidenden dabei nicht einmal elementare Hilfe leistet. Andererseits spricht daraus auch der neue Geist Österreichs, in dem immer stärker Ausländerfeinde und Populisten den Ton angeben. Die bayerische Staatsregierung fühlt sich zu Recht nicht nur von Österreich, sondern auch von den anderen Bundesländern im Stich gelassen."

Streit um Flüchtlinge mit Merkel: CSU-Chef will Minister abziehen.

FAZ.net: "Die Flüchtlingskrise hat nun auch das Verhältnis zwischen München und Wien vergiftet. Die Regierungen werfen sich wechselseitig und in aller Öffentlichkeit Vorwürfe an den Kopf, wie es auch schon Slowenen und Kroaten taten. Verschärft wird dieser Streit dadurch, dass er auch Teil der Auseinandersetzung von CSU und CDU ist, von Seehofer und Merkel."

Bild.de: "So tricksen die Österreicher in der Flüchtlingskrise! Mohamad F. (27) stammt aus Damaskus, ist über die Balkanroute aus Syrien geflohen. Er zahlte mehrere Tausend Dollar an kriminelle Schleuser. Weil er nach Österreich wollte! Doch die österreichische Grenzpolizei weigerte sich, seinen Asylantrag anzunehmen, schickte ihn einfach weiter. Nach Deutschland ... Unterlagen der Bundespolizei, die BILD vorliegen, belegen: Der Fall Mohamad F. ist kein Einzelfall und auch kein Versehen! Die Wahrheit: Österreich schiebt gezielt Tausende Flüchtlinge ab – über die deutsche Grenze."

Spiegel.de: "Stolz ist man in der CSU auf die seit Jahrzehnten gepflegte Freundschaft zu Österreich. Sehr stolz. Normalerweise. Derzeit aber klingt es im Freistaat ganz so, als gehöre das Acht-Millionen-Einwohner-Land auf eine Liste der Schurkenstaaten. [...] Klar ist: Je länger die Krise andauert, desto mehr gerät Deutschlands südlicher Nachbar ins Zentrum der Seehofer-Kritik. Dabei hatte Merkel Mitte September an der Seite ihres Amtskollegen Faymann in Berlin die deutsch-österreichische Solidarität beschworen."

Situation an deutsch-österreichischer Grenze spitzt sich zu.

Merkur.de: "Das bayerisch-österreichische Verhältnis in der Krise: Die über Jahrzehnte enge Partnerschaft wurde schon in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Probe gestellt. Da war der Streit um die Skandalbank Hypo Group Alpe Adria, deren Kauf Bayern einen Milliardenverlust brachte. Da war der Zwist um die Ausländer-Maut der CSU. Und im Grenzgebiet bayerische Bürgerproteste gegen Lärm vom Salzburger Flughafen. Dennoch raufte man sich immer irgendwie wieder zusammen. In der Flüchtlingskrise prallen beide Seiten nun besonders heftig aufeinander."

Einzig das Handelsblatt stellt sich gegen den Strom:

Handelsblatt.com: "Der bayerische Löwe brüllt vergeblich - Die aktuelle Polemik gegen Österreich durch die CSU ist nicht einmal sachlich begründet. Denn die im Vergleich zu Deutschland zehnmal kleinere Alpenrepublik nimmt so viele Flüchtlinge auf, wie kaum ein anderes EU-Land. Die Weiterreise nach Deutschland basiert nicht auf dem angeblich rücksichtslosem Verhalten Österreichs, sondern schlichtweg am unglaublichen Willen der Migranten, es unbedingt bis nach Deutschland schaffen zu wollen."

(zusammengestellt von ska/ank)