Bis zu 50 Flüchtlinge sterben in einem Kühllaster, und das mitten in Österreich. In einem Lkw bei Parndorf im Burgenland, 50 Kilometer südöstlich von Wien, werden ihre Leichen entdeckt. Vom Fahrer fehlt jede Spur. Es ist ein Drama, das fassungslos macht. Das zeigen auch die Reaktionen.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) forderte in einer ersten Reaktion auf das Flüchtlingsdrama: "Es zeigt einmal mehr, dass das Schlepperwesen bekämpft werden muss." Entsetzt zeigte sich Bundespräsident Heinz Fischer. "Es ist schrecklich, dass so etwas möglich ist, solche Brutalität, solche Inhumanität, dass diese Menschen offenbar erstickt sind", teilte er in einem Pressestatement mit.

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) verurteilte das Geschehene als "verabscheuenswürdig". Er hält ein verschärftes Vorgehen gegen die Schleppermafia für "das Gebot der Stunde" - und zwar nicht nur in Österreich, sondern in der gesamten EU.

"Heute ist ein dunkler Tag"

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) kämpfte bei der Pressekonferenz zu der Tragödie mit den Tränen. "Heute ist ein dunkler Tag. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und den Familien der Opfer." Diese Tragödie mache alle betroffen. "Wir alle wissen, Schlepper sind Kriminelle, und wer jetzt noch immer meint, dass es sanftmütige Fluchthelfer sind, dem ist nicht mehr zu helfen." Österreich müsse die Schlagzahl im Kampf gegen die Schlepper noch einmal erhöhen: "Die Tragödie führt uns auch vor Augen, wie wichtig es ist, Stützpunkte an den EU-Außenstellen zu errichten, damit die Flüchtlinge sofort Schutz bekommen."

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) ist in Gedanken "bei den Opfern, den Angehörigen und Freunden". Dies sei "die bisher größte menschliche Tragödie, die durch Schlepperkriminalität in Österreich entstanden ist". Härtere Strafen gegen Schlepper müssten umgehend umgesetzt werden. "Weiters muss die Schleierfahndung intensiviert werden und wir müssen verstärkte Kontrollen an der Grenze durchführen", sagte Niessl.

"Europa kann nicht wegsehen"

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP): "Eine gemeinsame europäische Antwort auf die Flüchtlingskrise ist überfällig. Europa kann hier nicht mehr wegsehen, es geht um menschliche Schicksale." "Europäische Solidarität" dürfe keine leere Formel sein, sie müsse gelebt werden.

"Menschen sterben nicht nur im Mittelmeer"

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache reagierte entsetzt angesichts der Menschen, die "einen solch grauenhaften Tod gefunden" hätten. Dieses Ereignis zeige auf, wie dringend es nötig sei, Schlepperbanden das Handwerk zu legen. Strache forderte "rigorose, lückenlose Grenzkontrollen": "Denn wenn dieses Fahrzeug schon an der Grenze entdeckt worden wäre, könnten die Menschen, die qualvoll gestorben sind, noch leben." Auch im Inland will Strache die Kontrollen verstärken.

Die österreichische Caritas fordert eine Lösung. "Jeder Tote ist eine Mahnung für einen gemeinsamen europäischen Plan zur Hilfe für Menschen auf der Flucht", sagte Caritas-Präsident Michael Landau. "Menschen sterben nicht nur im Mittelmeer, sondern auch auf den Straßen Europas, auch in Österreich." Das sei eine weitere Katastrophe, die deutlich mache, wie dringend Europa einen gemeinsamen Plan für Menschen auf der Flucht benötige. Ein rascher Weg für Gruppen wie Kinder und Kranke sei die Erteilung humanitärer Visa, die eine sichere Einreise in die EU ermöglichten.

Deutschland will Österreich helfen

Auch in Deutschland ist die Betroffenheit groß. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte bestürzt. "Wir sind alle erschüttert von der entsetzlichen Nachricht", sagte Merkel am Rande der Westbalkan-Konferenz in Wien. "Das waren Menschen, die auf dem Weg waren, um mehr Sicherheit und Schutz zu suchen und dabei einen so tragischen Tod erleiden mussten." Die Tragödie sei eine Mahnung an Europa, die Migrationsprobleme schnell und im europäischen Geist der Solidarität anzugehen und Lösungen zu finden.

Auch der deutsche Innenminister Thomas de Maizière ist entsetzt: "Dass dort viele, viele Menschen ersticken, weil verbrecherische Schleuser an diesen Menschen und den unwürdigen Transportbedingungen Geld verdienen, macht mich wütend und fassungslos", sagte er am Donnerstag in Nürnberg. Es komme nun darauf an, den Täter sowie die Hintermänner zu fassen. Der Minister kündigte an, Österreich soweit möglich bei den Ermittlungen zu unterstützen.