CSU-Chef Horst Seehofer erwägt offenbar seine Minister Alexander Dobrindt, Gerd Müller und Christian Schmidt aus dem Kabinett abzuberufen. Das berichtet die "Bild" unter Berufung auf "enge Vertraute" Seehofers.

In CSU-Parteikreisen gelte dieser Schritt als höchste Eskalationsstufe und letzte Möglichkeit sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingspolitik nicht einlenken. Seehofer kritisierte bereits mehrmals ihre Politik der offenen Grenzen.

Allein am Montag hatten 10.000 Flüchtlinge die österreichische Grenze überschritten, am Dienstag waren es nach den Zahlen des bayerischen Innenministeriums 7400. Merkel stemmt sich seit Wochen gegen die Forderung der CSU, eine Obergrenze für die Zahl der Flüchtlinge festzulegen, die Deutschland aufnimmt.

Ein CSU-Vorstandsmitglied sagte der "Bild": "Wir können es nicht zulassen, dass die CDU uns weiter in den Abgrund zieht."

Am Dienstag hatte Seehofer mit Notwehrmaßnahmen gedroht, sollte Merkel im Konflikt um die Eindämmung der Zuwanderung nicht einlenken. Bisher war allerdings offen, wie die CSU konkret reagieren könnte. Am kommenden Montag soll ein entsprechender Beschluss zum Abzug der drei Kabinettsminister auf der Sitzung des CSU-Parteivorstands geprüft werden.

"Wir können uns das nicht wochenlang leisten"

Auch am Mittwoch hielt Seehofer den Druck auf Merkel in der Flüchtlingskrise aufrecht, um innerhalb weniger Wochen eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen zu erreichen. Er forderte am Mittwoch erneut ein Einlenken Merkels:

"Da geht es darum, ob der Staat versagt oder funktioniert", sagte Seehofer in München. "Einfach durch große Zahlen" - gemeint sind die Flüchtlinge - "den Rechtsstaat zu überlaufen, sozusagen zu überrumpeln, das wird auf Dauer nicht gehen", warnte der CSU-Chef. "Auf Dauer heißt: Wir können uns das nicht wochenlang noch leisten." (she/dpa)