Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im sächsischen Heidenau eine Flüchtlingsunterkunft besucht und im Anschluss rechtsextreme Taten gegenüber Asylbewerbern aufs Schärfste verurteilt. Rechtsextremisten und Rassisten hatten vor wenigen Tagen in der Kleinstadt bei Dresden Asylbewerber bedroht und Polizisten angegriffen.

Seit Tagen wurde Angela Merkel vorgeworfen, zu den anhaltenden Anfeindungen gegenüber Flüchtlingen geschwiegen zu haben. Jetzt hat sich die Bundeskanzlerin geäußert, nachdem sie zuvor die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau, die immer wieder Ziel rechtsextremer Gewalt war, besucht hatte. Merkel betonte, dass jeder Flüchtling das Recht auf ein faires Asylverfahren sowie auf eine "menschliche und würdige Behandlung" habe. "Wir müssen alle unsere Kraftanstrengung darauf lenken, deutlich zu machen: Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die die Würde anderer Menschen infrage stellen."

Bundespräsident Joachim Gauck hat eine Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Wilmersdorf besucht und sich auch zu den Krawallen in Heidenau geäußert. Am Mittag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel in der sächsischen Kleinstadt erwartet.

Merkel machte deutlich, dass die zurückliegenden Vorfälle "beschämend und abstoßend" gewesen seien. Begleitet von "Pfui"-Rufen und Pfiffen versicherte sie: "Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die nicht bereit sind, zu helfen, wo rechtlich und menschlich Hilfe geboten ist." Gemeinsam werde man "alle Anstrengungen unternehmen, deutlich zu machen: Deutschland hilft, wo Hilfe geboten ist".

Nach deutschen Gesetzen habe jeder Mensch, der politisch verfolgt sei oder vor Bürgerkrieg fliehen musste, ein Recht auf faire Behandlung, ein Asylverfahren oder Anerkennung als Bürgerkriegsflüchtling. Menschliche und würdige Behandlung jedes Einzelnen sei Teil deutschen Selbstverständnisses.

Merkel dankte unter anderem dem Bürgermeister von Heidenau, Jürgen Opitz (CDU) für seinen deutlichen Worte gegen die rechten Krawalle: "Danke denen vor Ort, die auch den Hass zu ertragen haben. (...) Das ist nicht einfach." Um die hohen Flüchtlingszahlen zu bewältigen, seien gemeinsamer Wille und große Kraftanstrengung in Bund, Ländern und Gemeinden nötig. Sie appellierte an die Arbeitgeber der ehrenamtlichen Helfer, "dass wir es schaffen müssen, das Ehrenamtliche auch ihre Arbeit leisten können". Sie sagte: "Wir können uns freuen, dass viele Menschen mit anpacken."

Zuvor hatten Rechte Demonstranten die Ankunft Merkels mit Buhrufen und lauten Pfiffen begleitet. "Volksverräter, Volksverräter", skandierten Schaulustige vor einem Supermarkt, der gegenüber der Flüchtlingsunterkunft in dem ehemaligen Baumarkt liegt. Demonstranten vor der Unterkunft riefen: "Dem deutschen Volke" und "Wir sind das Pack". SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte die rechtsradikalen Demonstranten und Rassisten in dem Ort als "Pack" bezeichnet.

Während des Besuchs der Kanzlerin fuhren mehrere Autos hupend an der Unterkunft vorbei. In sozialen Netzwerken hatten rechte Gruppen zu einer solchen Aktion aufgerufen. (tfr/dpa)