Die Zahl der Übergriffe auf Asylbewerberunterkünfte in Deutschland ist einem Medienbericht zufolge weiter gestiegen. Seit Jahresbeginn erfassten die Polizeibehörden der Länder 875 solcher Straftaten.

Das belege ein aktueller Bericht des Bundeskriminalamts (BKA), der der "Bild"-Zeitung vorliegt. Bis zum 14. Dezember hatte das BKA demnach noch 850 Übergriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte gezählt.

Mit dem Stand vom 21. Dezember seien rechtsmotivierte Täter laut BKA in 783 Fällen für die Attacken auf Asylbewerberunterkünfte verantwortlich. Bei 92 Delikten könne eine politische Motivation laut BKA nicht sicher ausgeschlossen werden.

Immer mehr erhalten kein Asyl und müssen Deutschland verlassen.

In den meisten Fällen handelte es sich bei den Straftaten um Sachbeschädigungen (314 Fälle), in 178 Fällen waren es Propagandadelikte wie Hakenkreuzschmierereien und in 103 Fällen kam es zu Volksverhetzungen, wie etwa Hass-Parolen gegen Flüchtlinge.

Gewaltdelikte gegen Flüchtlinge nehmen zu

Einen starken Anstieg gab es demnach bei Gewaltdelikten gegen Flüchtlinge. Mit 148 Fällen haben sich die Gewalttaten im Vergleich zum Vorjahr (28 Fälle) verfünffacht. Dabei kam es in 77 Fällen zu Brandstiftungen (2014: 10 Fälle).

BKA-Chef Holger Münch zeigt sich besorgt und warnt vor dem Versuch der rechten Szene, die Ängste und Sorgen der bürgerlichen Mitte im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise zu instrumentalisieren.

Münch sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Angriffe auf Asylunterkünfte haben ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Gewaltdelikte sind gegenüber dem Vorjahr um das Fünffache gestiegen, Brandstiftungen sogar um das Dreizehnfache. Wir stellen zunehmend fest, dass die rechte Szene die Sorgen der Bevölkerung instrumentalisiert und damit zu einer weiteren Radikalisierung gegenüber Asylbewerbern, Ausländern und Muslimen beiträgt."

Das BKA werde dieser Entwicklung entschlossen entgegentreten, sagte Münch weiter. Der BKA-Chef sagte der "Bild"-Zeitung weiter: "Das beinhaltet nicht nur, dass jegliche Straftaten konsequent verfolgt werden müssen. Die Polizei muss auch Desinformationskampagnen der rechten Szene mit Aufklärung begegnen und Hetze und Hass in sozialen Netzwerken verfolgen und bestrafen."

Im gesamten Jahr 2014 waren laut BKA 199 Straftaten gegen Asylunterkünfte durch die Polizeibehörden der Länder gemeldet worden. 177 Fälle davon waren von rechtsmotivierten Tätern verübt worden. (tfr)