Er lieferte den Soundtrack der Zerstörung, des Unvorstellbaren, des Elends in Syrien: Pianist Aeham Ahmad. Er spielte in den Ruinen von Damaskus, der Stadt, die vom Terror des Islamischen Staates (IS) besonders hart getroffen wurde. Nun ist er vor 20.000 Menschen in München aufgetreten.

Sein Bild, das Bild des Pianisten Aeham Ahmad, der inmitten des zerbombten Damaskus' an seinem Klavier sitzt und singt, ging um die Welt. Es ist ein Bild, das dem Leid in Syrien ein Gesicht gibt. Es ist der Soundtrack des Horrors. Ahmad war lange Zeit ein Kämpfer der Hoffnung, doch das ist inzwischen vorbei. Der IS bedrohte ihn und seine Familie. Musik gilt bei den Islamisten als haram, unrein. Wenn sie ihn nochmal beim Spielen erwischen würden, würden sie ihn umbringen, drohten sie.

IS zündete sein Klavier an

Jarmuk, das Stadtviertel von Damaskus, in dem er geboren wurde, ist seit Anfang April 2015 unter der Kontrolle des IS. Einer der Terroristen zündete sein Klavier an. Lange Zeit hatte Aeham Ahmad geglaubt, dass es besser werden könnte in seiner Heimat. Er hatte sich festgeklammert an dem einen Gedanken: Es muss doch irgendwann bergauf gehen. Doch diese Hoffnung gibt es nicht mehr. Denn mit dem syrischen Bürgerkrieg kam der IS und jetzt ist alles noch schlimmer als zuvor.

Aeham spielt in Syrien

Der Pianist liefert den Soundtrack zu Elend zu Zerstörung. © YouTube

Deshalb ist Ahmad vor wenigen Monaten geflohen. Er hat seine Heimat und vor allem seine Familie zurückgelassen. Vorerst. Denn er will seine Frau und seine zwei Söhne, Kinan und Ahmad, natürlich nachholen. Aber das ist schwierig - solange seine Familie in Syrien festsitzt, ist es sogar fast ein Ding der Unmöglichkeit. Sie müsste erst den gefährlichen Weg in die Türkei auf sich nehmen.

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Inzwischen lebt Ahmad in München. Der Stadt, die in dieser Krise eine herzliche Willkommenskultur geprägt hat. Am Sonntagabend stand er mit deutschen Musikgrößen wie den Sportfreunden Stiller, Herbert Grönemeyer und Fettes Brot vor 24.000 Menschen auf der Bühne. Die Veranstalter rund um die Sportfreunde haben sich sehr bemüht, ihn für das Konzert, das ein Dankeschön für alle Flüchtlingshelfer sein soll, zu gewinnen. Denn Ahmad ist die Stimme des syrischen Volkes. Er weiß, was die geflohenen Menschen durchgemacht haben. Er ist einer von ihnen. Und damit ist er an diesem Abend vielleicht sogar so etwas wie der emotionale Protagonist des Konzerts.

"Ich habe Herzen gesehen"

Das spürt auch das Publikum an diesem Abend. Die 24.000, die auf dem Münchner Königsplatz stehen, feiern den studierten Pianisten. Sie klatschen im Takt mit ihm, sind ergriffen von seinem Vortrag. Er reißt die Zuschauer mit.

Nach seinem Auftritt, bei dem auch Ex-"Wir sind Helden"-Frontfrau Judith Holofernes mitwirkt, ist er euphorisiert. Ahmad ist ein unglaublich herzlicher Mensch, der sich über jeden freut, den er kennenlernt. Er lächelt gerne. Es sei ein großartiges Gefühl, hier zu sein, sagt er. "Ein großes Publikum, ein großartiges Land. Ich hätte niemals diese Liebe für die Flüchtlinge hier erwartet." Er habe an diesem Abend keine Menschen gesehen, "ich habe Herzen gesehen".

Doch bei aller Freude, seine Gedanken kreisen stets um seine Familie, die noch immer unter der Belagerung des IS in Jamuk lebt. "Ich fühle mich hier erst angekommen, wenn meine Frau und meine Kinder hier sind", sagt er. Das Lächeln ist aus seinem Gesicht verschwunden. "Ich habe Angst, dass sie dort sterben". Nun hofft er, dass er sich hier in München schnell einleben wird und es dann schafft, sein Frau sowie die Söhne Kinan und Ahmad herzuholen.