Als Spitzenkandidatin hat Lencke Steiner bei der Bremen-Wahl für ein fulminantes Comeback der FDP gesorgt. Mit fast 7 Prozent zogen die Liberalen in die Bremer Bürgerschaft ein. Nach ihrem Wahlerfolg mischt die Jungunternehmerin nun auch auf Bundesebene mit. Im Interview erklärt Steiner, warum der FDP-Wahlerfolg keine Eintagsfliege ist und ein "Signal an das Kanzleramt".

Ein Interview
von Fabienne Rzitki

FDP auf Erfolgskurs: Die Wahlerfolge der Liberalen in Hamburg und Bremen scheinen wegweisend. Nach dem am Mittwoch veröffentlichten Wahltrend von "Stern" und RTL gewinnt die Partei auch auf Bundesebene weiter hinzu. Mittlerweile kommt sie auf sieben Prozent. Diesen Wert hatte die FDP im Wahltrend zuletzt vor fünf Jahren im Juni 2010 erreicht.

Warum die Liberalen wieder in der Gunst der Wähler steigen, weiß Lencke Steiner. Die Jungunternehmerin verhalf der FDP zum Comeback in die Bremer Bürgerschaft.

Frau Steiner, die Bremen-Wahl war ein voller Erfolg für die FDP. Woran glauben sie, lag das?

Lencke Steiner: Wir haben uns sehr stark inhaltlich positioniert und mit den Themen Bildung, Wirtschaft und Armutsbekämpfung gepunktet. Die Bremerinnen und Bremer wünschen sich frischen Wind in der politischen Landschaft und vor allem authentische Aussagen. Wir haben genau den Zahn der Zeit getroffen und die Wähler überzeugt.

Wieso sind Sie erst am Wahlabend FDP-Mitglied geworden? Wäre es eventuell einfacher gewesen, sich bei einem Misserfolg wieder von der Politik zu verabschieden ...?

Ich stand und stehe die ganze Zeit 100 Prozent hinter den Freien Demokraten und habe auch nie einen Hehl daraus gemacht. Mir war es aber wichtig, diejenigen abzuholen, die politikerverdrossen oder enttäuscht waren, daher war mir die Parteilosigkeit im Wahlkampf wichtig. So konnte ich authentisch für die Themen stehen, auf die wir uns fokussiert haben.

Sie sagten, dass der Erfolg in Bremen ein "Signal an das Kanzleramt" sei. Können Sie das etwas erläutern?

Christian Lindner hat es immer wieder gesagt. Wir haben mit den Wahlen in Hamburg und Bremen gezeigt, dass man es nicht mit der Sozialdemokratisierung in der Großen Koalition übertreiben darf. Die Wähler wünschen sich eine liberale Stimme.

In Bremen waren gerade mal 200.000 Menschen wählen. Wieso soll es dennoch ein Signal für den Bund sein?

Dass die Wahlbeteiligung so gering ist, hat nichts mit der Aussage zu tun. Ich denke wir sollten uns gemeinsam überparteilich für eine stärkere Beteiligung einsetzen. Wir müssen deutlich machen, dass Wahlen wirklich Veränderungen bringen können.

Inwiefern hat die geringe Wahlbeteiligung der FDP in die Karten gespielt?

Die Wahlanalyse zeigt, dass wir bei allen relevanten Gruppen zugelegt haben, daher glaube ich, dass es durch die geringe Beteiligung keine signifikante Veränderung gegeben hat.

Sie haben eine eindrucksvolle Karriere in kurzer Zeit gemeistert. Für viele sind Sie damit ein Vorbild. Wie schaffen Sie es, neben Ihrem Job nun auch noch Politik zu machen? Wie begegnen Sie dem Vorwurf, Politik als Teilzeitjob zu sehen?

Zunächst finde ich es skurril, dass sich Politik und reales Leben offenbar für viele ausschließen. Ich würde mir wünschen, wir hätten mehr Politiker, die aus dem Berufsleben kommen, dann wäre zum Beispiel die Dokumentationspflicht beim Mindestlohn sicherlich praktikabler ausgefallen. Aber ich mache mir nichts vor, man kann das nicht allein schaffen. Ich habe ein wahnsinnig gutes Team um mich herum, das mir den Rücken freihält und mich unterstützt. Ohne diese Menschen wäre das alles so nicht möglich.

Was ist nun Ihre wichtigste Aufgabe in Bremen?

Wir haben ein neues Startup-Projekt und das heißt Fraktion Freie Demokraten in der Bremer Bürgerschaft.

Wie hat Christian Lindner auf Ihren Erfolg reagiert? Wie sieht es für Sie auf Bundesebene aus?

Ich wurde gerade in den Bundesvorstand gewählt, und habe so die Chance, auch bundespolitisch meine Stimme für Bremen zu erheben. Aber die Hauptaufgabe ist natürlich die Arbeit hier vor Ort in Bremen und Bremerhaven!

Politikberater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle hält die Erfolge in Hamburg und Bremen für Eintagsfliegen. Wie sehen Sie das?

Bremen, ein Land, wo wir nicht im Parlament vertreten waren und jetzt ein so gutes Ergebnis erzielt haben, als Eintagsfliege zu bezeichnen, finde ich nicht korrekt. Die Menschen, die uns unterstützen, wären bestimmt nicht begeistert über eine derart flapsige Bemerkung. Wir sehen vielmehr, dass es eine liberale Stimme jenseits der Großen Koalition geben muss – und diese Stimme ist jetzt nach der Wahl in Bremen noch ein wenig lauter auch im Bund wieder zu hören!

Er wirft der FDP auch vor, es ginge weniger um Inhalt denn um Performance. Was sagen Sie dazu?

Es gibt seit Jahren komplexe Wahlanalysen, die zeigen, aus welchen Gründen die Menschen wählen. Diese Analysen belegen - entgegen den Wortäußerungen einzelner Berater oder Journalisten: Die Wähler haben uns zu 60 Prozent wegen unserer Inhalte gewählt, und uns die größte Kompetenz bei der Wirtschaft zugewiesen. Ich glaube, das spricht für sich.

Inwiefern braucht die FDP mehr junge Spitzenkandidatinnen wie Sie oder Katja Suding, die in Hamburg Spitzenkandidatin war?

Es kommt nicht auf das Alter, Geschlecht oder Herkunft an, vielmehr achten die Freien Demokraten auf Vielfältigkeit, Chancengerechtigkeit und Authentizität. Frischer Wind tut jeder Partei allemal gut.

Zwei Jahre lief es auch ohne die FDP im Bundestag. Jetzt mal ehrlich: Warum brauchen wir die FDP im Bund?

Es braucht wieder eine Partei, die auf die Eigenverantwortung, Entfaltung und Chancengerechtigkeit setzt. Eine Partei, die die Talente jedes einzelnen fördern will und den einzelnen stark macht, deshalb brauchen wir die Freien Demokraten.