Nach seinem Rücktritt war es still geworden um den ehemaligen Bundespräsidenten. Seit der Vorstellung seines Buches "Ganz oben, ganz unten" ist Christian Wulff wieder äußerst präsent. Am Abend war der Ex-Politiker bei "Maybrit Illner". Zwar räumte Wulff Fehler ein, dennoch sieht er sich weiter als Opfer der Medien.

"Der Rücktritt war unausweichlich." Das ist einer der ersten Sätze, die Christian Wulff in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" äußert. Man sieht ihm dabei an, dass der ehemalige Bundespräsident auch zwei Jahre nach der Affäre um seine Person noch immer verletzt ist - und sich als Opfer der Medien fühlt. Das wird auch deutlich, wenn Wulff sagt: "Ab einem bestimmten Moment hatte ich einfach keine Chance mehr". Der Vorgänger von Joachim Gauck ist weiter davon überzeugt, er habe das Amt gut ausgefüllt und wäre noch heute ein guter Bundespräsident.

Von den beiden anderen Gästen bei Illner, Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung und Grünen-Politikerin Antje Vollmer, bekommt Wulff immer wieder Unterstützung. Vollmer glaubt, die Demontage Wulffs, sei eine Machtprobe von "Spiegel, Bild und FAZ" mit den politischen Strukturen gewesen. Auch SZ-Redakteur Prantl räumt ein, Wulff habe es sehr schwer gehabt. Auch er sieht eine Kampagne der Medien, "eine Art Treibjagd, die das Ziel hatte den Präsidenten Wulff zu erledigen und abzulösen". Aussagen wie diese taten Wulff sichtlich gut, der sich damit in seinen Thesen bestätigt sehen durfte.

"Bild"-Chef kontert via Twitter

Maybrit Illner hatte eigentlich nur drei Gäste geladen, doch neben Wulff, Vollmer und Prantl schaltete sich auch immer wieder ein vierter, inoffizieller Gast via Twitter in die Diskussion ein. "Bild"-Chef Kai Diekmann, dessen Medium Wulff mit am meisten in Bedrängnis gebracht hatte, wäre wohl auch gerne in der Runde dabei gewesen. Das geht aus seinem ersten Tweet zur Sendung deutlich hervor.

Vor der "Affäre Wulff" hatten der ehemalige Bundespräsident und Bild-Chef Diekmann ein Verhältnis, das SZ-Leitartikler Prantl als zu eng und zu naiv bezeichnet: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt drin um und Sie sind drin umgekommen. Es war ein Fehler, sich privat so einzulassen."

Diekmann jedenfalls wehrt sich gegen einige Vorwürfe, die vor allem Vollmer und Wulff bei "Maybrit Illner" gegen die "Bild" vorbringen, via Twitter. Als Vollmer behauptet, die "Bild" habe die Rotlicht-Gerüchte um die damalige Präsidentengattin Bettina Wulff verbreitet, kontert Diekmann "in Bild hat NIE ein Wort zu irgendwelchen Gerüchten zur Gattin des Bundespräsidenten gestanden!"

Auch Wulffs Vermutung, die "Bild" habe in der Berichterstattung über ihn umgeschwenkt, nachdem er dem Blatt kein Interview geben wollte, kann Diekmann so nicht stehen lassen und twittert Wulffs erstes Online-Interview auf "bild.de" nach dessen Wahl.

Wulff leckt weiter seine Wunden

Auch zwei Jahre nach der Affäre gelingt es Wulff noch nicht, sich souverän mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen. Auch wenn die Kritik an den Medien durchaus in weiten Teilen gerechtfertigt ist, so tut sich der Altbundespräsident noch immer schwer damit, seine eigenen Fehler einzugestehen. So räumt Wulff zwar beispielsweise ein, es wäre womöglich besser gewesen, die Öffentlichkeit schon früher über die Punkte der Affäre in Kenntnis zu setzen. Andererseits: "Vieles davon ging aber niemanden etwas an", sagt Wulff und klingt dann wieder so, wie ein verwundetes Tier, das noch immer seine Wunden leckt. (ska)