Emmanuel Macron beendet den Schmusekurs mit Donald Trump

Sie haben sich geküsst. Sie hielten Händchen. Sie pflanzten Bäume. Donald Trump und Emmanuel Macron betonten in den letzten Tagen vor allem Gemeinsamkeiten. Doch mit seiner Rede vor dem US-Kongress beendete Macron den Schmusekurs. Eine Zusammenfassung der besten Zitate.

Der französische Präsident Emmanuel Macron wird zum Abschluss seiner USA-Reise freundlich im US-Kongress begrüßt. Bislang ist sein Staatsbesuch eine Charme-Offensive. Doch in seiner Rede wird klar, dass er nicht nur für Küsschen und das Pflanzen von Bäumen angereist ist.
Zu Beginn betont Macron die gemeinsame Geschichte: '"Frankreich hat mit Herz und Hand an der Geschichte dieser großen Nation teilgenommen, von den ersten Anfängen an", verweist er auf die Rolle Frankreichs im Unabhängigkeitskrieg.
In Bezug auf die zahlreichen Kuss-Bilder mit Donald Trump witzelt Macron, schon Benjamin Franklin habe den Philosphen Voltaire beim Besuch in Frankreich umarmt und geküsst. "Erinnert Sie das an etwas?" Ein auch für Trump ehrender Vergleich, der Macron Lacher einbringt.
Und er betont gemeinsame Werte, indem er Abraham Lincoln zitiert: Demokratie sei eine "nie fertiggestellte Aufgabe". Dann mahnt Macron: "Die Werte, auf denen wir 70 Jahre Frieden aufgebaut haben, sind nun gefährdet.“
Diese Warnung verknüpft er – wie die ganze Rede in flüssigem Englisch – mit dem Appell an die USA, die Führung beim Aufbau eines "neuen, starken Multilateralismus“ zu übernehmen, um "unsere nationalen Kulturen und Identitäten zu beschützen."
Macron setzt auf Kooperation statt Konfrontation, um auch nationale Interessen zu schützen. Die USA haben den Multilateralismus aufgebaut, so Macron. Nun müssten sie auch mithelfen, "ihn zu erhalten und neu zu erfinden."
Zu Beginn erhält Macron noch parteiübergreifenden Applaus. Doch er wird deutlicher. Isolationismus schaffe ein Vakuum, so Macron, das "illiberale Mächte" füllen würden. "Die Tür zur Welt zuzumachen, wird die Weiterentwicklung der Welt nicht aufhalten."
Macron fordert dazu auf, gegen den „Virus der Fake News“ zu kämpfen. "Die Korruption von Information ist ein Versuch, unseren demokratischen Geist zu korrumpieren." "Ohne die Wahrheit", so warnt Macron, "kann es keine echte Demokratie geben."
Seine Rede ist ein Plädoyer für den Liberalismus, "freien und fairen Handel", eine Warnung vor der Flucht aus wirtschaftlichen und sozialen Problemen in Protektionismus und Isolationismus. "Wir haben diese Regeln geschrieben, wir sollten sie befolgen", beschwört er die Abgeordneten.
Vor allem beim Thema Klimaschutz klatschen nur noch die Demokraten im Kongress. Macron fordert eine Rückkehr der USA zum Klimaschutzabkommen. "Wir haben keinen Planeten B", appelliert Macron, und in Anlehnung an Trumps Slogan "Make America great again" sagt er: "Make our planet great again!"
Thema Iran: Macron fordert, die Souveränität aller Staaten zu achten, auch die des Irans. Er erinnert daran, dass das Atom-Abkommen auf einer US-Initiative basiert und von den Amerikanern unterschrieben wurde.
Er deutet an, dass bei einem Ausscheiden der USA aus dem Atom-Abkommen deren Glaubwürdigkeit auf dem Spiel stehe und appelliert: "Wir sollten das Abkommen nicht aufkündigen, solange nichts Besseres auf dem Tisch liegt."
Macrons Rede ist gespickt mit Seitenhieben auf Trumps Politik. Der bezeichnete die Rede vor dem Kongress im Vorfeld als große Ehre - für Macron. Ob er dem Franzosen beim nächsten Besuch wieder so eine Bühne bieten wird? Die Zeit des Händchenhaltens scheint vorbei zu sein.
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