Egon Bahr ist tot. Die SPD-Legende starb im Alter von 93 Jahren. Das bestätigte am Donnerstag ein Parteisprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte der "Stern" online unter Berufung auf SPD-Kreise berichtet, dass Bahr an Herzversagen gestorben ist.

Egon Bahr gilt als Baumeister der deutschen Ostpolitik. Die Karriere des 1922 im thüringischen Treffurt geborenen SPD-Politikers war eng mit dem ersten SPD-Bundeskanzler Willy Brandt verknüpft. Mit Moskau und Warschau verhandelte Bahr über Verträge zu einem Gewaltverzicht und zur Normalisierung der Beziehungen. Außerdem suchte er die Annäherung an die DDR, um die deutsch-deutschen Verhältnisse zu verbessern.

Er wirkte unter anderem als Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Im Jahr 1972 wurde er Bundesminister für besondere Aufgaben. Nach dem Rücktritt Brandts im Jahr 1974 wurde Bahr unter Nachfolger Helmut Schmidt (SPD) Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Sigmar Gabriel trauert um Egon Bahr

In einer ersten Reaktion in der "Bild" nannte SPD-Chef Sigmar Gabriel den verstorbenen Bahr einen "großen Vordenker der Sozialdemokratie, der mit einzigartiger politischer Tatkraft Konzepte in die Tat umsetzte". Gabriel weiter: "Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir in der letzten Nacht vom Tode Egon Bahrs erfahren. Die gesamte deutsche Sozialdemokratie und viele Menschen darüber hinaus in Deutschland und Europa trauern um diesen mutigen, aufrichtigen und großen Sozialdemokraten, den Architekten der deutschen Einheit, Friedenspolitiker und Europäer."

Sohn des großen SPD-Politikers spricht im Interview über seinen Vater.

Bis zuletzt sei Bahr stets ein loyaler und unermüdlicher Ratgeber der SPD gewesen. "Wir werden seine analytische Brillanz, seine Rationalität und Leidenschaft, aber auch sein Temperament und seinen liebenswürdigen Humor sehr vermissen", betonte Gabriel. "Ich werde Egon auch als Freund und Ratgeber sehr vermissen."

Bahr war erst Ende Juli noch in Moskau und hatte sich dort zusammen mit dem Ex-Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow für ein Ende der Entfremdung zwischen Deutschland und Russland in der Ukraine-Krise ausgesprochen. (cai/dpa)