Der mutmaßliche Selbstmord von Dschaber al-Bakr hat heftige Reaktionen hervorgerufen. Der unter Terrorverdacht stehende Syrer hat in seiner Zelle in der JVA Leipzig Selbstmord begangen, obwohl akute Suizid-Gefahr bestanden haben soll. Nicht nur al-Bakrs Pflichtverteidiger, auch Politiker reagieren auf die Todesmeldung mit Empörung und Fassungslosigkeit.

Das Justizministerium in Dresden hatte Al-Bakrs Tod noch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bestätigt und erklärte, Al-Bakr habe sich am Abend das Leben genommen. Der Dresdner Rechtsanwalt Alexander Hübner, der Dschaber al-Bakr als Pflichtverteidiger zugewiesen worden war, sprach von einem "Justizskandal". Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Die Reaktionen:

  • Alexander Hübner, Pflichtverteidiger von Dschaber al-Bakr sagte gegenüber "Focus Online", er sei "wahnsinnig schockiert und absolut fassungslos, dass so etwas passieren kann." Hübner sprach von einem Justizskandal, da die Suizidgefahr bekannt gewesen sei. "Er hatte bereits Lampen zerschlagen und an Steckdosen manipuliert." Hübner erklärte gegenüber MDR Sachsen, er sei davon ausgegangen, "dass mein Mandant – jedenfalls zur Zeit – als einer der bestbewachten Gefangenen in Deutschland gelten konnte". Hübner verwies auf Al-Bakrs Hungerstreik und das Verweigern von Flüssigkeiten: "Das ist ja schon was, dass sich jemand wohl offensichtlich selbst schädigen will."
  • Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) auf Twitter: "Wie konnte das geschehen?"
  • Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte im ZDF-Morgenmagazin, der Fall verlange "nun wirklich nach schneller und umfassender Aufklärung". Schließlich hätte Dschaber al-Bakr eine entscheidende Rolle bei der Ermittlung zu den Hintergründen und möglichen Hintermännern des geplanten Terroranschlages spielen sollen.
  • SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs auf Twitter: "Was ist denn schon wieder in Sachsen los? Irre."
  • Katja Meier, Rechtspolitikerin der Grünen, fordert im sächsischen Landtag den Rücktritt des sächsischen Justizministers Sebastian Gemkow (CDU). Gemkow trage die Verantwortung für "dieses Versagen" und müsse folglich auch "die Konsequenzen dafür tragen". Es sei "ein unglaublicher Vorgang, dass es ein suizidgefährdeter Tatverdächtiger in einer sächsischen Haftanstalt schafft, sich umzubringen", so Meier weiter.
  • CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sprach von einer "Tragödie". Da Al-Bakr ja wohl bereit gewesen sei auszusagen, verliere man "eine wichtige Informationsquelle". Es gebe viele offene Fragen, "um die Sicherheit in unserem Land zu gewährleisten".
  • Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) auf Twitter: "Was ist da los?!"
  • Konstantin von Notz, Fraktions-Vize der Grünen, erkannte im Deutschlandfunk "ein Fiasko für die sächsische Justiz".
  • Tobias Lindner (Bündnis 90/Die Grünen): "Wie kann jemand, der angeblich unter ständiger Beobachtung stehen soll, erhängt aufgefunden werden?"

Ansprechpartner der Telefon-Seelsorge bei Suizid-Gefahr

Telefon-Hotline (kostenfrei und rund um die Uhr besetzt):
Tel.: 0800 - 111 0 111 (evangelisch)
Tel.: 0800 - 111 0 222 (katholisch)
Tel.: 0800 - 111 0 333 (speziell für Minderjährige)
Weitere Informationen unter www.telefonseelsorge.de.
Deutsche Gesellschaft für Suizid-Prävention:
Tel.: 0921 - 28 33 01

(miwo)