Wüst, vulgär, brachial - längst tobt im Weißen Haus ein schmutziger Machtkampf. Donald Trump und seine Familie wollen offenbar zwei wenig loyale Mitarbeiter loswerden. Wer die Akteure sind. Und worum es genau geht. Ein Überblick.

Im Weißen Haus ist ein spektakulärer Machtkampf ausgebrochen. Seit der neue Kommunikationschef von US-Präsident Donald Trump, Anthony Scaramucci, mitmischt, wird es vulgär und schmutzig - wüste Beleidigungen und nicht-jugendfreie Beschimpfungen inklusive.

Wer gegen wen schießt? Und welche Rolle Trump dabei spielt? Eine Erklärung.

Welche Lager gibt es im Weißen Haus?

Scaramucci schießt öffentlich gegen Reince Priebus, den Stabschef des Weißen Hauses. Alles begann mit Tweets, mündete in Beschuldigungen in einem Live-Interview bei CNN bis hin zu Schilderungen des Journalisten Ryan Lizza.

Scaramucci soll dem Reporter des "New Yorkers" in einem Telefonat gesagt haben, dass Priebus ein "fucking paranoider Schizophrener, ein Paranoiac" sei.

"Er wird sehr bald gebeten werden, zurückzutreten", sagte Scaramucci demnach. Den Zwist mit Priebus verglich er bei CNN mit dem Konflikt der Bibel-Figuren Kain und Abel.

Der eine schlug den anderen bekanntlich tot. Weniger martialisch, aber ebenso machtpolitisch ist das Ende der Freundschaft zwischen dem US-Präsidenten und Justizminister Jeff Sessions.

Markant: Dieser ist seinem Boss gegenüber nach wie vor loyal.

Scaramucci gegen Priebus: Wer die Akteure sind

Scaramucci ist der Nachfolger von Sean Spicer als Sprecher des Präsidenten. Der 53-Jährige ist Banker, kommt von der Wall Street, ist harte Bandagen gewohnt.

Er verfügte bislang aber nicht über politische Erfahrung. Dass er diplomatisch sei, sagen Beobachter ihm nicht nach.

Priebus wiederum gilt trotz seiner Position nicht als konsequenter Unterstützer Trumps. Der 45-Jährige wird von Präsidenten-Tochter Ivanka und deren Ehemann und Trump-Berater Jared Kushner verdächtigt, Interna auszuplaudern.

Er sei ein sogenannter Leaker, heißt es, ohne, dass es dafür Beweise gibt.

Jeff Sessions dagegen galt lange Zeit als Vertrauter Trumps. Er war einer der ersten Republikaner, der dessen Kandidatur offen unterstützte, als dies noch als eine Art Affront wirkte.

Trump dankte es mit dem Ministerjob. Jetzt schießt der Regierungschef gegen den 70-jährigen Ex-Senator.

Am Dienstag kritisierte der 71-Jährige seinem Justizminister via Twitter. Dort bezeichnete er Sessions Haltung gegenüber den "Verbrechen von Hillary Clinton" in der sogenannten Email-Affäre als "sehr schwach".

Wenig später erklärte er dem "Wall Street Journal", die Unterstützung des damaligen Senators von Alabama im Wahlkampf sei "keine große loyale Sache gewesen. Ich bin sehr enttäuscht von Jeff Sessions".

Sorgenvoller Trump: Worum es geht

Zwischen Scaramucci und Priebus geht es im knallharten politischen Business wohl um vergleichbar banale Eitelkeiten.

Die Nachrichtenseite "Politico" hatte Informationen über die persönlichen Finanzen Scaramuccis veröffentlicht.

Nicht ungewöhnlich: Jeder Mitarbeiter der US-Regierung ist dazu verpflichtet. Kurios: Der Trump-Sprecher beschuldigte Priebus via Twitter, er habe die Informationen weitergegeben.

Scaramucci löschte den Tweet wieder. Er bezichtigt Priebus dennoch, die undichte Stelle im Weißen Haus zu sein.

Der Stabschef wiederum hatte monatelang verhindert, dass der Wall-Street-Banker einen Job im Umfeld des Präsidenten bekommt. Das nimmt Scaramucci ihm wohl übel.

In Ivanka Trump und deren Mann hat Scaramucci einflussreiche Fürsprecher. Es wird gemutmaßt, sie hätten ihn installiert, um für Ruhe zu sorgen.

Zudem sollen sie Priebus für die schlechten Umfragewerte des Präsidenten verantwortlich machen.

Ex-Militär John Kelly wird bereits als neuer Stabschef gehandelt. "Der Fisch stinkt vom Kopf", sagte Scaramucci CNN: "Ich kann Ihnen aber sagen, dass zwei Fische nicht stinken: Ich und der Präsident".

Trump soll Sessions indes vorwerfen, dass dieser sich aus den Ermittlungen rund um die "Russland-Affäre" zurückgezogen hat.

Dabei geht es um die Vorwürfe, Trump sei bei seiner Wahl durch russische Kontakte unterstützt worden. Das Staatsoberhaupt sieht den Rückzug Sessions als Vertrauensbruch, heißt es.

Sessions Stellvertreter Rod Rosenstein ernannte ferner in Robert Mueller einen unabhängigen Sonderermittler, den Trump angeblich wieder loswerden will. Sollte Trump Sessions entlassen und einen neuen Justizminister ernennen, hätte er sich laut "Süddeutscher Zeitung" auch Mueller entledigt.

Was sind die Folgen?

Die Außendarstellung des Weißen Hauses ist katastrophal - in aller Welt. US-amerikanische Medien sprechen von einem niveaulosen Umgang, wie es diesen noch nie gab.

Eine Entlassung Muellers würde laut "SZ" indes "ein politisches Erdbeben auslösen, das die USA noch stärker erschüttern würde als die Entlassung von FBI-Chef James Comey".

Es läge der Verdacht der Justiz-Beeinflussung nahe. Dann könnte Trump selbst den Rückhalt der Republikaner verlieren - und der Machtkampf würde sich weiter verschärfen.