Donald Trump und Emmanuel Macron: Ziemliche seltsame Freunde

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Sie umarmen, busseln und herzen sich - und das in aller Öffentlichkeit. Donald Trump und Emmanuel Macron wirken wie beste Freunde, doch hinter ihrem Handeln steckt eiskaltes Kalkül.

Eine bizarre Situation ereignet sich am Dienstag bei einem Fototermin im Oval Office. Zunächst lobt Trump Macron in höchsten Tönen, betont die innige Freundschaft - und wischt dem französischen Präsidenten dann angebliche Schuppen vom Anzugkragen. Macron nimmt es mit Humor.
Ist es eine verspätete Rache für diesen Händedruck, der vor knapp einem Jahr für Aufsehen sorgt und ikonisch wird? Trump und Macron treffen auf dem NATO-Gipfel in Brüssel im Mai 2017 erstmals aufeinander. Sechs Sekunden presst Macron Trumps Hand so fest, dass die Knöchel weiß hervortreten - um sich Respekt zu verschaffen, wie er selbst später zugibt. Ausnahmsweise ist mal nicht Trump das Alphatier.
Oder ist es eine Revanche für den Nato-Gipfel im Mai 2017? Damals geht Macron auf alle Gipfel-Teilnehmer zu, ignoriert zunächst Trumps ausgestreckte Hand und umarmt stattdessen Kanzlerin Merkel. Die Szene geht um die Welt.
Beim G20-Gipfel in Hamburg 2017 sucht Macron dann aber immer wieder die Nähe zu Trump, redet kein schlechtes Wort über ihn oder seine Politik - anders als Angela Merkel, die von einer "sehr unzufriedenstellenden" Diskussion spricht, als Trump Ende Mai beim G7-Gipfel in Taormina ein Bekenntnis zum Pariser Klimaschutzvertrag verweigert.
Macron hingegen hofiert Trump wie kein zweiter europäischer Spitzenpolitiker, lädt den US-Präsidenten sogar zu den Nationalfeierlichkeiten im Juli ein - Gala-Dinner mit den Ehefrauen auf dem Eiffelturm inklusive.
Am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, ist Trump Ehrengast bei der Militärparade auf den Champs-Élysées. Der US-Präsident zeigt sich extrem begeistert und plant für November eine ähnliche Veranstaltung in den USA.
Während Trump via Twitter immer wieder gegen Regierungschefs wettert - unter anderem gegen Angela Merkel -, ...
... bleibt Macron von persönlichen Angriffen verschont.
Die "Belohnung" für Macron: Zusammen mit Ehefrau Brigitte wird er in die USA eingeladen. Macron ist Trumps erster offizieller Staatsbesuch. Als Dank bringt Macron unter anderem einen Baum mit, der im Garten des Weißen Hauses eingepflanzt wird.
Nach absolvierter Gartenarbeit zeigen beide erneut demonstrativ körperliche Nähe.
Am Abend gibt's das Gala-Dinner im Weißen Haus. Auch hier wieder mit ein paar herzlichen Begrüßungen zwischen den Ehepaaren.
Macron wird während seines Staatsbesuchs noch eine weitere Ehre zuteil: Als erster französischer Präsident seit Charles de Gaulle 1960 spricht er vor beiden Kammern des US-Parlaments.
Macron und Trump stellen ihre vermeintlich gute Freundschaft während des Staatsbesuchs immer und immer wieder zur Schau. Es bleibt aber die Frage, mit welchen erkennbaren politischen Erfolgen der französische Präsident zurück nach Paris reisen wird.
Denn während Macron und Trump im Syrien-Krieg beim Militärschlag an der Seite Großbritanniens ihre Verbundenheit demonstrierten, gibt es bei anderen Themen Konfliktpotenzial.
Trump hat in der Vergangenheit mehrfach gedroht, das Atomabkommen mit dem Iran aufzukündigen. Macron und Angela Merkel, die am Freitag in Washington erwartet wird, wollen Trump davon abhalten.
Beim Thema Welthandel hat Frankreich zuletzt klare Töne angeschlagen und den USA deutlich gemacht, dass die EU-Länder nicht mit US-Strafzöllen belegt werden dürften.
Viele Beobachter sind sich jedenfalls einig: Die dicke Freundschaft, die Macron und Trump für die Öffentlichkeit zelebrieren, ...
... ist zu einem hohen Prozentsatz Kalkül. Beide versuchen auf diesem Weg, ihre politischen Interessen mit Charme-Offensiven und suggerierter Vertrautheit durchzusetzen.
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