Die heile Welt in Bayern scheint wieder hergestellt: Die CSU holt die absolute Mehrheit der Mandate im Landtag und Horst Seehofer kann endlich allein regieren. Wir sprachen mit Django Asül, deutschlandweit bekannter Kabarettist und bekennender Niederbayer, über Horst Seehofer, den Wahlausgang in Bayern und seine Folgen.

Herr Asül, was hat Sie am Wahlausgang am meisten überrascht?

Interview: CSU-Sieg in Bayern könnte im Bund nach hinten losgehen.

Django Asül: Dass einige Politiker tatsächlich überrascht waren über das Resultat.

Welche Faktoren waren für Sie für den Wahlausgang in Bayern ausschlaggebend?

Die Bürger haben begriffen: Seehofer redet lieber mit ihnen statt mit der FDP, wenn es um politische Projekte geht. Und deshalb hat er auch vieles aufgegriffen, was originär von anderen Parteien angedacht war. Die Botschaft von Seehofer wurde vernommen: "Wenn Euch was nicht passt, dann sagt es uns, damit wir es ändern können. Das ist doch noch lange kein Grund, SPD zu wählen." Zudem machte die SPD mit dem preiswürdigen Slogan "Wort halten" natürlich auch dem letzten unentschlossenen Wähler klar: Welches Wort will die SPD halten, wenn sie noch nie mitreden durfte? Und nicht zu verachten ist die Verwandtenaffäre. Spätestens da wurde deutlich: Die CSU gibt das Geld lieber Familienmitgliedern. Die SPD will es lieber nach Griechenland schicken. Zu guter Letzt kam noch der Mittelfinger von Steinbrück. Ohne den hätte die SPD nach eigenem Bekunden mindestens gefühlte 20 Prozent besser abgeschnitten.

Welches sind nach Ihrer Meinung typisch bayerische Faktoren, die auf die Bundestagswahl in einer Woche keine Auswirkung haben?

Prozentual gesehen wählen bei der Bundestagswahl viel mehr Nichtbayern als bei der bayerischen Landtagswahl. Der mentale Humus, der den nächsten Bundestag bestimmt, ist also großteils diametral zum bayerischen Lebensgefühl. Über Seehofer sagte man schon immer "a Hund is er scho". Merkel hingegen wurde noch nicht mal mit einem Dackel verglichen und Steinbrück maximal mit einem kläffenden Zwergpinscher.

Die Wähler in Bayern haben entschieden: Die CSU holt die absolute Mehrheit im Freistaat zurück - zumindest was die Zahl der Sitze im Landtag in München angeht.

Haben Sie Angst vor der Perspektive, dass die CSU den weiß-blauen Freistaat mit absoluter Mehrheit regiert? Wem und wie kann Opposition noch gelingen?

Angst wegen politischer Konstellationen muss doch in diesem schönen Land glücklicherweise niemand haben! Und da ich seit Geburt in Bayern lebe und von bayerischen Aborigines sozialisiert wurde, beunruhigt es mich nicht, wenn sich der Bayer nach fünf Jahren wieder für Demokratie statt Koalition entscheidet. Vielleicht wird Politik generell überschätzt. Nach der grün-roten Wende in Baden-Württemberg brach auch mancherorts Panik aus. Aber wenn man sich die Schwaben mal objektiv anschaut, muss man konstatieren: Sie kommen auch ohne Regierung gut zurecht. Weil Porsche, Daimler und Bosch plus der tolle Mittelstand mehr zu melden haben als irgendeine Partei. Wenn Seehofer schon jedem Bürger anbietet, seine Meinung zu sagen, signalisiert er: Die CSU bleibt auch ohne Opposition handlungsfähig.

Wie geht es nun in Bayern weiter? Was kann der Bayer nun tun?

In Bayern geht es prima weiter. Und der Bayer tut schon immer das, was er für nötig hält. Unabhängig davon und ansonsten macht er das, was ihm Freude bereitet. Da lässt sich der Bayer nicht aus dem Rhythmus bringen.

Wen wird Horst Seehofer als seinen Nachfolger aufbauen? Markus Söder oder Ilse Aigner?

Die letzte Landtagswahl hat gezeigt: Wenn ein Franke Ministerpräsident wird, ist der Altbayer irritiert, dass ein fremdsprachiger Mitbürger das Ruder übernimmt. Und schon geht die Wahl schief, weil Oberbayern doch sehr großes Gewicht hat. So gesehen mag Ilse Aigner einen ethnischen Vorteil haben. Für Söder wiederum sprechen die nackten Zahlen: So richtig Blödsinn hat er noch nicht angestellt als Finanzminister. Man könnte es auch so zusammenfassen: Wer als erster den Mittelfinger zeigt, ist raus aus dem Rennen. Aus Sicht von Seehofer könnte es eine elegante Variante sein, Söder auf seinem wichtigen Posten zu belassen und Aigner als Sympathieträgerin der Fraktion vorschlagen.

Was macht Angela Merkel jetzt? Wie weit wird sie Horst Seehofer bei seinen Mautplänen entgegenkommen?

Merkel hat es jetzt natürlich sehr schwer, weil Seehofer seinen Hebel gut verlängert hat. Es hängt viel von der FDP ab. Rösler hofft, dass jetzt viele aus Mitleid die FDP wählen, weil sie zwar von der FDP gelangweilt bis genervt sind, aber Rot-Rot-Grün verhindern wollen. Das betont er ja alle zwei Minuten. Was auch wiederum nervt und langweilt. Die FDP kann Merkel in eine heikle Situation bringen. Die bayerische FDP hingegen muss nur noch begreifen: Es gibt keine Situation mehr. Ansonsten ist durchaus vorstellbar, dass die PKW-Maut für alle kommt, aber die Inländer sie mit der EEG-Umlage verrechnen können. Denn alles andere wäre wohl zu unkompliziert.

Django Asül ist ein deutscher Kabarettist mit türkischen Wurzeln. Er wuchs in der niederbayerischen Marktgemeinde Hengersberg auf und ist seit 2004 "Botschafter von Niederbayern". 2007 wurde ihm eine der höchsten Ehre zuteil, die ein Bayer erreichen kann: Als Nachfolger von Bruno Jonas hielt er die Fastenpredigt bei der von der Paulaner-Brauerei veranstalteten Starkbierprobe auf dem Münchner Nockherberg.