(Die Letzten werden die Ersten sein: Lesen Sie in einigen Beispielen, wie die Zeitläufe aus Umstürzlern und Widerständlern Regierungschefs gemacht haben.

Mit Systemumstürzen organisiert sich auch die politische Landschaft neu. Nicht selten werden dann Umstürzler zu neuen Regierungschefs. Eine Gelegenheit, die angemahnten Reformen durchzusetzen, andererseits aber auch die Herausforderung, sich in der alltäglichen politischen Praxis zu beweisen.

Von Vaclav Havel über Nelson Mandela bis hin zu "The Lady" Aung San Suu Kyi - sehen Sie hier Dissidenten, die es zu Machthabern geschafft haben.

Vaclav Havel

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht", so die Überzeugung des tschechischen Schriftstellers und Politikers Vaclav Havel.

Nach dem Zusammenbrechen des Kommunismus durch die "samtene Revolution" wurde er 1989 erster Staatschef der Tschechoslowakei und später - nach Trennung von der Slowakei - der Tschechischen Republik (bis 2003). Havel war einer der führenden Kritiker des Regimes, Mitbegründer der Charta 77, war mit Aufführungs- und Publikationsverbot belegt worden und hatte rund fünf Jahre im Gefängnis zugebracht. Er war Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. Havel verstarb 2011 im Alter von 75 Jahren.

Lech Walesa

"Wir haben getan, was wir getan haben, damit Polen Polen bleibt." - Lech Walesa wurde vom Elektriker auf der Danziger Lenin-Werft zum Initiator des politischen Wandels in Polen.

Schon 1970 organisierte er den blutig niedergeschlagenen Streik auf der Werft mit, wurde inhaftiert, bekam zeitweilig die Entlassung. Zwischen 1980 und 1990 war er Vorsitzender der Gewerkschaft Solidarnosc. 1983 wurde Walesa - der damals unter Hausarrest stand - der Friedensnobelpreis verliehen. Ende der 1980er Jahre dann agierte er als Wortführer der Nicht-Regierungsseite am Runden Tisch und stärkte seine Schlüsselrolle in der polnischen Politik. Von 1990 bis 1995 war Walesa schließlich Präsident seines Landes.

Charles de Gaulle

"Zwischen Staaten gibt es keine Freundschaft, nur Allianzen", so die Überzeugung des französischen Generals und Staatsmannes Charles de Gaulle.

Spross einer katholisch-konservativen Familie mit viel sozialem Gewissen, stellte er sich während des Zweiten Weltkriegs 1940 gegen das Vichy-Regime um Marschall Pétain, Marionette der deutschen Besatzer. De Gaulle appellierte aus London an die Franzosen, sich auf die Seite der Alliierten zu schlagen. Er wurde vom Kriegsrat in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Zwischen 1944 und 1946 war er Kopf der provisorischen Regierung in Frankreich, trat dann aber wegen Kritik an der Verfassung zurück. 1958 im Zusammenhang mit dem Algerienkrieg mit der Regierungsbildung und Verfassungsrevision beauftragt, war de Gaulle von 1959 bis 1969 ein prägender französischer Präsident.

Fidel Castro

"Eine Revolution ist kein Rosenbett. Eine Revolution ist ein Kampf zwischen der Zukunft und der Vergangenheit." Der "Maximo Lider" Fidel Castro ist promovierter Jurist und betrieb zunächst eine kleine Kanzlei in Havanna, bevor die politischen Interessen übermächtig wurden.

Sein Kampf gegen den kubanischen Machthaber Batista mündete 1953 zunächst in einer 15-jährigen Zuchthausstrafe. Nach zwei Jahren kam die Generalamnestie. Mit seiner "Bewegung des 26. Juli", 1955 gegründet, gelang es schließlich, Batista zu vertreiben. Castro war von 1959 bis 2008 - unzähligen Sturzversuchen und Attentaten zum Trotz - Staatschef Kubas und "überlebte" in dieser Zeit zehn US-Präsidenten. Seither hat Fidel Castro krankheitsbedingt mehr und mehr Macht an seinen jüngeren Bruder Raúl abgetreten.

Nelson Mandela

"Auch mit einer Umarmung kann man einen politischen Gegner bewegungsunfähig machen." Nelson Mandela, der Anti-Apartheid-Held und Vorkämpfer für die Rechte der Schwarzen vom Volk der Xhosa, war lange ein Anhänger des gewaltlosen Widerstandes. Auch er hat Jura studiert und als Rechtsanwalt gearbeitet, war in dieser Zeit aber bereits Mitglied des ANC und hat sich aktiv für die schwarze Mehrheit Südafrikas eingesetzt - bis er 1962 wegen illegaler Auslandsreisen als ANC-Kämpfer verhaftet wurde und für 27 Jahre im Gefängnis verschwand.

Erst 1990 wurde Mandela von Staatspräsident Frederik Willem de Klerk aus der Haft entlassen. Als 1994 der ANC die ersten demokratischen Wahlen des Landes gewann, wurde Mandela der erste schwarze Präsident der Republik Südafrika.

Menachem Begin

"Kriege kann man vermeiden, den Frieden nicht." Wie de Klerk und Mandela ist auch Menachem Begin Träger des Friedensnobelpreises.

Der spätere Ministerpräsident und Außenminister Israels musste vor den Nazis aus Polen flüchten. Beide Eltern kamen im Holocaust um, während er über die Sowjetunion - wo er zunächst als britischer Agent zu acht Jahren Arbeitslager in Sibirien verurteilt und später begnadigt worden war - nach Palästina kam. Hier schloss sich Begin der militanten zionistischen Irgun-Untergrundbewegung an. Wegen der brutalen Massaker gegen palästinensische Araber und britische Besatzer wurde er von politischen Gegnern auch als terroristisch und ultra-rechts kritisiert.

Nach der Proklamation Israels 1948 löste sich Irgun auf, Begin gründete die Cherut-Partei, die später im Likud-Block führend war. 1977 wurde er Ministerpräsident.

Aung San Suu Kyi

"Nicht Macht korrumpiert die Menschen, sondern Furcht." Die birmesische Politikerin Aung San Suu Kyi wurde immer wieder für ihr Eintreten für gewaltfreie Demokratie in ihrer Heimat ausgezeichnet.

Aufgewachsen in Indien (ihre Mutter arbeitete als Botschafterin), lebte sie lange in England und den USA, bevor sie 1988 zurück nach Birma (Myanmar) kam, wo sie den Sturz der Militärdiktatur, blutige Aufstände und die Errichtung der nächsten Diktatur miterlebte. Seither macht sich die Friedensnobelpreisträgerin für ein demokratisches Miteinander stark und ließ sich auch durch jahrelange Hausarreste, die erst 2010 endeten, nicht den Mund verbieten.

Bei den Nachwahlen zum birmesischen Unterhaus konnte ihre Partei einen Wahlkreis gewinnen, am 2. Mai legte sie ihren Eid als Parlamentsabgeordnete ab. Luc Besson widmete der mutigen Aung San Suu Kyi seinen Film "The Lady".

Joachim Gauck

"Ich kann Sie nur bitten, die ersten Fehler gütig zu verzeihen und von mir nicht zu erwarten, dass ich ein Supermann und ein fehlerloser Mensch bin. Aber - wie wir alle wissen - kann man ganz gute Dinge auch machen, wenn man nicht von Engeln umgeben ist, sondern von Menschen." Worte Joachim Gaucks nach seiner Nominierung. Seit dem 18. März 2012 ist der parteilose Pastor und (Kirchen-) Politiker elfter Bundespräsident der BRD.

Wie er selbst immer wieder betonte, wurde er zur strikten Ablehnung staatlicher Obrigkeit der DDR in einem "gut begründeten Antikommunismus" erzogen (der Vater war jahrelang Zwangsarbeiter in Sibirien). Gauck studierte Theologie und arbeitete als Pfarrer, seit 1974 stand er unter Stasi-Beobachtung. Inwieweit er Dissident und Bürgerrechtler der ersten Stunde war, ist umstritten. Gauck organisierte die Kirchentage 1983, 1988 und engagierte sich im Neuen Forum. Von 1990 bis 2000 war er Beauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Ayatollah Khomeini

"Die islamische Regierung ist die Regierung des göttlichen Rechts, und ihre Gesetze können weder gewechselt, noch geändert, noch angefochten werden." Ayatollah Khomeini (rechts im Bild) hatte schon in seinen früheren Schriften die Abschaffung der Monarchie angestrebt. Er gilt als Gründer der Islamischen Republik Iran.

Nachdem er 1963 im Land öffentlich zur Revolution und gegen die Reformen des Schahs aufgerufen hatte, wurde er mehrmals festgenommen und schließlich abgeschoben (Türkei, Irak, Frankreich). Von dort aus leitete Khomeini die islamische Revolution und den Sturz von Reza Pahlavi ein - nach dessen Flucht kehrte er nach 14 Jahren in den Iran zurück.

Khomeini - politischer wie spiritueller Kopf der Islamisten - wurde nach Ausrufung der "Islamischen Republik" in der neuen Verfassung zum Revolutionsführer, obersten Rechtsgelehrten und Stellvertreter des zwölften Imam auf Lebenszeit ernannt. Er starb am 3. Juni 1989. (mac)