Im Süden Afghanistans ist ein angeblich deutscher Talibankämpfer dem afghanischen Geheimdienst NDS übergeben worden. Ob der Mann wirklich aus Deutschland stammt, ist allerdings fraglich.

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Ein in Südafghanistan festgenommener angeblicher deutscher Talibankämpfer ist dem afghanischen Geheimdienst NDS übergeben worden. Das sagte ein Sprecher der afghanischen Spezialkräfte, Abdul Kajum Nuristani, am Donnerstag.

Spezialkräfte hatten den Mann in der Nacht zum Mittwoch im Gereschk-Bezirk der Proviz Helmand bei einem Einsatz gegen die Taliban entdeckt.

Nach Nuristanis Worten soll der Mann deutsche Papiere bei sich gehabt haben. Was für Papiere das waren und auf welchen Namen sie ausgestellt waren, konnte er nicht sagen. Der "muslimische Name" des Mannes sei Abdul Ahad. Er sei zum Islam konvertiert.

"Er war ein Jahr bei den Taliban und es gibt viele Dokumente, die beweisen, dass er mit ihnen gearbeitet hat", sagte Nuristani.

Auch afghanische Medien berichteten weiter von einem deutschen Gefangenen. Von deutschen Behörden gab es zunächst keine Reaktionen.

Video lässt Zweifel aufkommen

Ein etwa einmütiges Video, das in der Nacht auf sozialen Medien aufgetaucht war und den Gefangenen zeigen soll, lässt fraglich erscheinen, ob Deutsch die Muttersprache des Mannes ist. Das Video war offenbar nach der Festnahme mit einer Handykamera gefilmt worden.

Als in dem Video nicht zu sehende Männer den Mann auf Englisch und Paschtu fragen, ob er Deutscher sei, sagt der mit starkem Akzent: "Ich kann Deutsch sprechen".

Der Satz klingt ungeübt. Im Hintergrund jubeln afghanische Soldaten, einer ruft auf Paschtu "Er ist Deutscher, Bruder".

Auf Fotos sitzt der Mann zwischen zwei afghanischen Spezialkräften in voller Montur. Er hat ein mageres, helles, langes Gesicht, einen rötlichen Bart und dunkle Augen und trägt einen schwarzen Turban. Er wirkt bleich und erschöpft und legt wiederholt den Kopf in eine Hand.  © dpa