Berlin/Kabul (dpa) - In Afghanistan ist erneut ein deutscher Soldat bei einem Anschlag getötet worden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aus der Bundeswehr wurden neun weitere Soldaten im Bundeswehr-Außenposten "OP North" in der Provinz Baghlan am Freitag verletzt.

Nach ersten Berichten eröffnete ein Afghane, der ebenfalls Uniform trug, das Feuer. Das Motiv des Mannes war zunächst unklar. Erst einen Tag zuvor hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) das Lager besucht.

Damit kamen seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001 insgesamt 46 deutsche Soldaten ums Leben. 28 davon starben im Gefecht oder bei Anschlägen. Derzeit sind am Hindukusch mehr als 5.000 deutsche Soldaten stationiert. Die Bundeswehr ist im Rahmen des internationalen Einsatzes für den Norden des Landes zuständig. Ende dieses Jahres soll mit dem Abzug der ersten deutschen Soldaten begonnen werden.

Der genaue Hergang des Zwischenfalls gegen 11.00 Uhr Ortszeit war zunächst unklar. Nach ersten Berichten war der Schütze mit Handwaffen bewaffnet und trug die Uniform der afghanischen Armee. Unklar war, ob er ins Lager eindringen konnte oder von außerhalb auf die deutschen Soldaten schoss. Da das Lager im Moment ausgebaut wird, befinden sich dort zahlreiche afghanische Lagerarbeiter und Soldaten.

Die internationale Afghanistan-Truppe ISAF bestätigte in Kabul nur, dass es im Distrikt Baghlan einen Toten gegeben habe. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert und den Schützen schwer verletzt. Das Verteidigungsministerium wollte sich zu den näheren Umständen erst der Information der Angehörigen der Soldaten äußern. Dies ist bei solchen Vorfällen üblich.

Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der wegen der "Plagiatsaffäre" massiv unter Druck steht, sagte nur: "Ich trage die Verantwortung für die Soldaten im Einsatz, wie ein Ereignis am heutigen Tag einmal mehr auf bittere Weise zeigt." Guttenberg hatte erst in der Nacht zum Donnerstag im "OP North" übernachtet.

Der Stützpunkt mit derzeit 500 Soldaten gehört zu den gefährlichsten der Bundeswehr. Vergangenes Jahr starben im dortigen Einsatzgebiet fünf deutsche Soldaten. Im Dezember wurde ein Soldat durch einen Schuss aus der Waffe eines Kameraden getötet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb noch. In den vergangenen Wochen hatte sich die Sicherheitslage in der Region allerdings deutlich verbessert.