Der aus türkischer Haft entlassene "Welt"-Journalist Deniz Yücel ist wieder in Deutschland. Der 44-Jährige landete am Freitagabend auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Kurz nachdem er die Türkei verlassen hatte meldet er sich in einer Videobotschaft zu Wort.

"Welt"-Journalist Deniz Yücel ist wieder in Deutschland, nachdem er über ein Jahr ohne Anklage in der Türkei in Untersuchungshaft gesessen hatte.

Der 44-Jährige landete am Freitagabend an Bord einer Maschine der Chartergesellschaft Aerowest auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Das Flugzeug war wenige Stunden zuvor in Istanbul gestartet.

Staatsanwaltschaft fordert 18 Jahre Haft

Am Freitag nahm ein Istanbuler Gericht die Anklage wegen "Propaganda für eine Terrororganisation" und "Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit" an. Dafür drohen Yücel zwischen vier und 18 Jahre Haft.

Gleichzeitig verfügte das Gericht aber Yücels Entlassung aus der Haft, ohne eine Ausreisesperre zu verhängen.

Nach Ansicht des Bürgermeisters von Flörsheim wird Yücel nun bald in seine hessische Heimat kommen. "Ich denke, dass er seinen Vater im Krankenhaus besucht", sagte Michael Antenbrink (SPD) am Freitagabend der Deutschen Presse-Agentur.

In Flörsheim, wo Yücels Eltern und seine Schwester leben, gab es am Freitag eine spontane Freuden-Demonstration und einen Autokorso.

Deniz Yücel schickt Videobotschaft

Der "Welt"-Journalist Deniz Yücel freut sich nur eingeschränkt über seine Freilassung aus türkischer Haft. "Ich weiß immer noch nicht, warum ich vor einem Jahr verhaftet wurde, genauer, warum ich vor einem Jahr als Geisel genommen wurde - und ich weiß auch nicht, warum ich heute freigelassen wurde", sagte er in einer am Freitagabend veröffentlichen Videobotschaft auf Twitter.

"Natürlich freue ich mich, aber es bleibt etwas Bitteres zurück." Eine Anklage habe er immer noch nicht.

"So wie meine Verhaftung nichts mit Recht und Gesetz und Rechtsstaatlichkeit zu tun hatte, hat auch meine Freilassung nichts mit alledem zu tun", sagte der 44-Jährige sichtlich bewegt in dem Statement, das auf dem Twitter-Account "Freundeskreis #FreeDeniz" verbreitet wurde. Er danke allen, die in der ganzen Zeit an seiner Seite gestanden hätten.

Yücel erinnerte daran, dass immer noch viele Kollegen in der Türkei in Haft sitzen. Er habe seinen Zellennachbarn zurückgelassen, einen türkischen Journalisten, der nur wegen seiner journalistischen Tätigkeit in Haft sitzt - "und viele andere Journalisten, die nichts anderes getan haben, als ihren Beruf auszuüben." (dpa / jwo)


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