Die Wähler in Bayern haben entschieden: Die CSU holt die absolute Mehrheit im Freistaat zurück - zumindest was die Zahl der Sitze im Landtag in München angeht. Wir haben die ersten Zahlen der aktuellen Hochrechnungen von ARD und ZDF.

Prozent der WählerstimmenGewinne/VerlusteSitze im Landtag
CSU48,7+5,3102
SPD20,5+1,943
Freie Wähler8,5-1,718
Grüne8,4-1,017
FDP3,2-4,8-
Andere10,7+0,3-
Quelle: ZDF/Forschungsgruppe Wahlen, Stand: 22.00 Uhr

In unserem Liveblog lesen Sie die ersten Reaktionen und Analysen aus dem bayerischen Landtag.

20:15 Uhr: Aiwanger war es im Übrigen auch, der aus unserer Sicht die treffendste Einschätzung der Wahl in Bayern geliefert hat: "Das Ergebnis spiegelt den Trend wider: Den Leuten geht es gut, der Kühlschrank ist voll – der Wähler wählt dieselben Parteien."

In Bayern ist der Kühlschrank damit wohl seit nunmehr 56 Jahren voll. Und mit diesem Fazit verabschieden wir uns vorläufig aus dem Wahl-Abend in Bayern.

20:02 Uhr: Und wo ist eigentlich jetzt der FDP-Spitzenkandidat? Der wurde zur Elefantenrunde gar nicht mehr eingeladen. Auch irgendwie gemein. Da war er fünf Jahre Wirtschaftsminister und nur weil seine Partei nun nur noch bei 3 Prozent liegt, wird Zeil nicht mehr eingeladen.

Mit am Tisch steht dafür Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler. Der bedauert die Liberalen auch - weil sie vor fünf Jahren mit der CSU koaliert hätten, seien sie jetzt nicht mehr im Landtag, sagt er. Er habe schon damals gewusst, dass es als Juniorpartner an der Seite der CSU schwer werden würde. Hätte er das den Liberalen nicht früher sagen können?

19:55 Uhr: Kurz vor dem Ende der Elefantenrunde wird es dann noch harmonischer. Seehofer findet es schade, dass Ude nun nicht in den Landtag gehe - obwohl er doch Spitzenkandidat gewesen sei. "Das hätte Ihnen noch ein paar Prozent mehr Stimmen gebracht", findet er. Moment, gibt er da tatsächlich der SPD Tipps für den Wahlkampf? Ach ne, der ist ja jetzt vorbei.

19:47 Uhr: Das mit dem "volksnah" lassen übrigens weder Margarete Bause noch Christian Ude so stehen. Erst darf die Grünen-Chefin sagen, dass es ihr blendend gehe, weil die Grünen ja Bayern schon längt verändert hätten. Also Seehofer hätte man verändert. Also Seehofer hätte seine Meinung geändert - und vertrete nun eigentlich "grüne Positionen". Zum Beispiel beim naturverträglichen Ausbau der Donau-Staustufen.

Da stimmt Christian Ude dann gleich ein. Ihm gehe es auch phantastisch. Und auch er findet, dass Seehofer seiner Partei, also der SPD, die Positionen geklaut habe. Zum Beispiel bei der Abschaffung der Studiengebühren.

Und Seehofer. Dem ist das egal. Er hat ja auch die absolute Mehrheit geholt. "Der Wahlkampf ist jetzt vorbei", sagt er trocken. Ach ist das alles harmonisch.

19:40 Uhr: Seehofer ist da schon viel besser zu verstehen, schließlich ist er ja "volksnah". Zumindest sagt er das über sich selbst. Demnach ist für das starke Wahlergebnis der CSU das "Hinhören auf die Belange der Bevölkerung" verantwortlich. Und dann beschwert sich der bayerische Ministerpräsident noch ein bisschen über die Medien. Dass er auf die Bevölkerung hören würde, werde ihm als "Beliebigkeit" ausgelegt. Ja, die Medien sind schon gemein.

19:30 Uhr: Nun also die Elefantenrunde im BR. Erste Frage an Ude: "Ein schwarzer Abend für Sie?" Der SPD-Spitzenkandidat antwortet - wie sollte es auch anders sein - mit einem klaren "Nein". Anschließend verkauft er die knapp 20 Prozent als starkes Ergebnis, schließlich hätten "die Umfragen noch weniger vorhergesagt."

Auch die Bundespartei hatte das bayerische Wahlergebnis zuvor ähnlich bewertet - und hofft in einer Woche ebenfalls besser abzuschneiden als bei den Umfragen. Wenn die Wahlbeteiligung hoch genug sei, werde die SPD die "Zügelführung übernehmen", sagte Peer Steinbrück. Wer soll das jetzt verstehen?

19:13 Uhr: Ist die Bayern-Wahl nun ein Zeichen für den Bund oder nicht? Zumindest zwei Lager sagen deutlich "Nein". Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler gibt zu, dass das Wahlergebnis eine schwere Niederlage gewesen sei. Aber nicht für die FDP als Ganzes, sondern "für die FDP in Bayern. Wir wissen: In Bayern ticken die Uhren anders."

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sieht das ähnlich: "In Bayern hat Landtagswahl und keine Bundestagswahl stattgefunden. Die wichtigen Themen standen in Bayern nicht zur Wahl."

19:00 Uhr: Kaum ist die absolute Mehrheit eingefahren, gibt Seehofer auch schon den starken Bayern. Im Gespräch mit dem BR erteilt er einerseits der FDP Ratschläge wie man auf Bundesebene die Fünf-Prozent-Hürde schaffen kann ("Man muss die richtigen Themen besetzen"). Andererseits teilt er erneut gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel aus: "Wir werden die Pkw-Maut durchsetzen."

Ob sich angesichts des neu gewonnen Selbstvertrauens der CSU jeder in der CDU über das starke Wahl-Ergebnis der Schwesterpartei freut?

18:51 Uhr: Niederlage für alle außer die CSU? Von wegen. Auch SPD-Spitzenkandidat Christian Ude tritt lächelnd vor seine Anhänger. Man habe zwar das erklärte Ziel, die CSU zu stürzen, nicht erreicht, sagt Ude. Aber man habe Stimmen dazugewonnen. Deswegen könne die SPD zufrieden sein, so Ude.

Hört man Ude sprechen, wirkt es fast so als hätten die Sozialdemokraten gar nicht wirklich damit gerechnet, die CSU zu stürzen. Nach 56 Jahren in der Opposition kann man es Ihnen aber auch nicht verdenken.

18:41 Uhr: Und hier ist er nun, der Gewinner des Abends, Horst Seehofer. Mit einem breiten Lächeln erklärt er, dass das Jahr 2008 "Geschichte ist". Zur Erinnerung: Damals kam die CSU auf 43,4 Prozent. Fast kleinlaut ging Seehofer damals eine Koalition mit der FDP ein. Das hat den Liberalen offenkundig mehr geschadet als der CSU, Zeil und seine Anhänger haben rund 5 Prozent verloren und ziehen wohl nicht mehr in den Landtag ein.

Wenn die Bayern-Wahl tatsächlich eine Richtungsentscheidung für die Bundestagswahl in einer Woche ist, sollten Philipp Rösler und Co. gewarnt sein.

18:33 Uhr: "Niederlage" - das Wort des Abends für alle Oppositionsparteien. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Margarete Bause, gibt offen zu, mehr erwartet zu haben. "Deutlich zweistellig" sollte es werden. Nun kämpfen sie mit der 10-Prozent-Marke.

18:30 Uhr: Gratulationen von allen Seiten: Seehofer ist gerade einer der meist genannten Personen. Da spricht beispielsweise der bisherige bayerische Wirtschaftsminister Zeil über den Erfolg der CSU. Aber Moment, ist der nicht von der FDP? Ja klar, aber was soll man über drei Prozent schon sagen.

18:15 Uhr: Und nun die ersten weiteren Umfragen des BR, die sich allesamt auf die Suche nach den Gründen für den neuerlichen Wahlerfolg der CSU machen. Da sagen über 70 Prozent, dass die CSU "Bayern gut getan hat". Spannender ist aber die zweite Frage. Rund 60 Prozent glauben, dass die CSU dem "Filz" mehr verfallen ist als andere Parteien. Also wirklich schlau werden wir aus diesen Umfragen nicht.

18:06 Uhr: Jubel bei der CSU im bayerischen Landtag, betretene Gesichter vor allem bei der FDP. Die Liberalen kommen lediglich auf 3 Prozent. Damit wären sie nicht im Landtag!

Auch bei den Freien Wählern ist die Stimmung gedämpft. Ihr Vorsitzender Hubert Aiwanger wollte 15 Prozent holen - kommt jetzt aber nur auf rund 8,5 Prozent. Für die Grünen und die SPD hat sich kaum etwas verändert. Ude holte laut erster Prognose rund 21 Prozent, die Grünen liegen bei 8,5 Prozent.

18:01 Uhr: Die erste Prognose ist raus - und die Welt ist in Bayern wieder in Ordnung. Zumindest aus CSU-Sicht. Denn Horst Seehofer kommt mit seiner Partei auf 49 Prozent. Da winkt die absolute Mehrheit! Laut BR bekommt die CSU damit 101 Mandate bei insgesamt 180 Sitzen. Eine komfortable Mehrheit also.

17:55 Uhr: In wenigen Minuten schließen nun die Wahllokale in Bayern, Punkt 18:00 Uhr wird die erste Prognose über den Ticker laufen. Wir sind gespannt - und halten sie auf dem Laufenden.

17:50 Uhr: Der erste Spitzenkandidat, der seine Stimme heute abgab, war übrigens Horst Seehofer kurz nach 10 Uhr. Er schlenderte in seiner Heimatstadt Ingolstadt frohen Mutes in das Wahllokal. FDP-Kandidat Martin Zeil folgte wenige Minuten später in Gauting bei München.

Und Ude? Der wartete bis 12 Uhr und gab dann in München seine Stimme ab.

Soweit, so langweilig. Nicht so bei Grünen-Chefin Claudia Roth, die erst am Nachmittag in Augsburg ihr Kreuzchen machte – und dabei wenigstens etwas unterhaltsam sein wollte: "Der liebe Gott hat Bayern nicht der CSU vermacht", sagte sie zur "Augsburger Allgemeinen".

Die Wahlergebnisse der letzten Jahrzehnte sprechen aber eine andere Sprache, liebe Frau Roth.

17:45 Uhr: Vor fünf Jahren hatte die FDP mit der Fünf-Prozent-Hürde keine Probleme – und zog mit 8,0 Prozent in den Landtag ein. Damals profitierten die Liberalen aber auch von dem historisch schlechten Abschneiden der CSU, die von 60,7 auf 43,3 Prozent der Stimmen abrauschte. Fast hätte es danach eine wirkliche Revolution in Bayern gegeben und statt einem CSU-Ministerpräsidenten eine Vier-Parteien-Koalition. Doch die FDP erbarmte sich der CSU und wählte Seehofer zum Ministerpräsidenten.

Die Wahlbeteiligung lag damals bei nur 57,9 Prozent, dem zweitniedrigsten Wert seit Gründung der Bundesrepublik. In diesem Jahr dürften mehr Wähler an die Urne gehen, berichteten mehrere Wahlleiter.

Dabei ist die Wahl in Bayern diesmal gar nicht so einfach. Denn es wird nicht nur der Landtag gewählt, sondern auch der Bezirkstag. Dazu kommen noch fünf Volksbegehren – ein beliebtes Mittel, um die bayerische Politik sozusagen von unten zu verändern. Da gab es vor einigen Jahren beispielsweise Volksentscheide zum Nichtraucherschutz oder zuletzt zur Abschaffung der Studiengebühren.

Diesmal geht es jedoch um weniger heikle Themen, wie die Stärkung des Ehrenamtes, eine angemessene Finanzausstattung der Gemeinden oder die Verankerung der Schuldenbremse in der bayerischen Verfassung.

17:40 Uhr: Übrigens sind nicht alle davon überzeugt, dass die Bayern-Wahl tatsächlich ein Stimmungstest für die Bundestagswahl in einer Woche ist - obwohl etwa 15 Prozent der bundesdeutschen Wahlbevölkerung im flächengrößten Bundesland an die Urnen gerufen wurden.

So zum Beispiel die FDP: "Am Sonntag geht's doch vor allen Dingen um Bayern", sagte der stellvertretende FPD-Bundesvorsitzende Christian Lindner bereits am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". "Und Bayern ist auch nicht 1 zu 1 auf den Bund übertragbar im Trend."

Redet da jemand etwa eine drohende Wahlschlappe klein? Den letzten Umfragen zufolge kämpfen die Liberalen mit der Fünf-Prozent-Hürde – und führen damit ein und denselben Kampf wie die bayerische Linkspartei.

17:30 Uhr: Es sollte die "Mutter aller Schlachten" werden, doch zuletzt sah es eher nach dem ewig gleichen bayerischen Scharmützel aus. Seit 56 Jahren regiert die CSU in Bayern, entweder als Alleinherrscherin oder wie zuletzt in einer Koalition. Dann aber natürlich als Seniorpartner. Die SPD ist - wieder einmal - angetreten, um das "schwarze" Bayern "rot" zu färben. Dazu wurde alles aufgefahren, was die bayerische SPD so zu bieten hat: Niemand Geringerer als der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, der Mann, der deutschlandweit bisher eigentlich nur als Anzapfer vom Dienst auf dem Münchner Oktoberfest in Erscheinung getreten ist, ist diesmal Spitzenkandidat der Sozialdemokraten.

Auf der anderen Seite steht Horst Seehofer, der schon lange bundesweit bekannt ist. Sein letzter medienwirksamer Auftritt, in dem er den "Großkopferten aus Berlin" die Stirn bot, liegt noch gar nicht so lange zurück. Beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück war er es, der durch die Forderung nach einer Pkw-Maut dafür gesorgt hat, dass Angela Merkel endlich mal Klartext gesprochen hat ("So etwas wird es mit mir als Kanzlerin nicht geben"). Dafür war ihm dann selbst der SPD-Kandidat Steinbrück dankbar - und schickte aus dem politischen Berlin freundliche Grüße in die bayerische Staatskanzlei nach München.

Sollten die Umfrageergebnisse der vergangenen Wochen zur Landtagswahl in Bayern zutreffen, wird Steinbrück Seehofer an diesem Sonntag wohl eher keine freundlichen Grüße senden. Er wird ihm - ebenso wie der bayerische Spitzenkandidat - wohl eher gratulieren müssen. Denn in den vergangenen Wochen lag die CSU bei Wählerbefragungen konstant bei 47 bis 48 Prozent. Das könnte - je nachdem, ob die FDP in den Landtag einzieht - zur absoluten Mehrheit an Mandaten reichen.

Und die SPD? Die bezieht wohl wieder ihr Oppositionsabo, das fünf weitere Jahre gültig bleiben wird. Den letzten Umfragen zufolge kommen die Sozialdemokraten auf etwas mehr als 20 Prozent der Stimmen. Selbst mit den Grünen und den Freien Wählern - noch so eine bayerische Besonderheit - ist die Möglichkeit, die CSU an der Regierung abzulösen, nahezu ausgeschlossen.