Seit Donnerstag ist es fix: Christian Kern wird der Nachfolger von Werner Faymann. Sowohl als SPÖ-Chef als auch als Bundeskanzler der zweiten Republik. Dem ehemaligen ÖBB-Chef und Verbund-Vorstand fällt die schwere Aufgabe zu, Land und Partei zu sanieren.

Gerhard Zeiler, Hans-Peter Doskozil, Brigitte Ederer – sie alle wurden schon als mögliche Nachfolger von Werner Faymann ins Spiel gebracht. Seit Donnerstag steht es fest: Neuer Bundeskanzler und ebenso neuer SPÖ-Chef wird Christian Kern.

Der ehemalige Verbund-Vorstand und bisherige ÖBB-Generaldirektor galt allerdings schon längere Zeit als inoffizieller Nachfolgekandidat. Am Donnerstag trafen er und Interims-SPÖ-Chef Michael Häupl in Wien zusammen. Die formale Verkündung folgt am Freitag.

Starke Rückendeckung für den Brückenbauer

Zugute kam dem Fan der britischen Band Muse und studierten Kommunikationswissenschaftler wohl die starke Rückendeckung innerhalb der SPÖ. Zuletzt sprach sich auch der Parteivorstand im Burgenland für Kern aus.

Zudem wird dem vierfachen Familienvater Ehrgeiz und – derzeit besonders wichtig – hohe Kompetenz im Krisenmanagement nachgesagt. Kern dürfte damit zum für die Sozialdemokraten so wichtigen Brückenbauer zwischen dem linken Parteiflügel und den realwirtschaftlichen Ansprüchen des Landes werden.

Kann ein Manager in der Politik reüssieren?

Doch ist ein Top-Manager auch ein guter Kanzler? Schafft Kern den Sprung vom Vorstandsbüro ins Kanzleramt? Hier sei zunächst gesagt: Weder der Verbund und schon gar nicht die ÖBB sind politisch unabhängige Unternehmen.

Zudem hat der Wiener in der SPÖ gelernt, als er – nach einem kurzen Intermezzo als Wirtschaftsjournalist – im Jahr 1991 als Pressesprecher von Peter Kostelka andockte, damals Beamtenstaatssekretär. 1994 ging er in den SPÖ-Klub. Der Wechsel in die Wirtschaft folgte 1997, zum Verbund, wo er sich innerhalb von zehn Jahren zum Vorstand hocharbeitete. 2010 wurde er schließlich von Doris Bures zu den ÖBB geholt.

Bures war damals Verkehrsministerin, allerdings eine starke Kritikerin von Kern, dem sie zu wenig politische Erfahrung attestierte. Dennoch zeigte es die engen Verbindungen des als besonnen geltenden Managers in hohe Regierungsämter.

ÖBB: Turnaround in drei Jahren

Den Wechsel vom sicheren Verbund-Job zu den Bundesbahnen als rein politisches Strategiegeplänkel abzutun, täte Kern allerdings Unrecht. In seinen fast sechs Jahren bei der Bahn schaffte er es, den angeschlagenen Konzern in die schwarzen Zahlen zu führen. Auch der Imagewandel gelang ihm, zumindest, was die Marke betrifft.

Zimperlich ging Kern dabei nicht vor. Defizitäre Sparten, wie die Güterverkehrssparte RCA, wurden geschrumpft, Manager mussten gehen. Die Bilanz: 2011, also ein Jahr nach seinem Antritt, waren noch 330 Millionen Euro Verlust zu beklagen. Zwei Jahre später, 2013, war es ein satter Gewinn von 66 Millionen Euro.

Kern: Topmanager mit sozialer Ader

Kern ist aber niemand, der nur auf Zahlen bedacht ist. Zwar sei er nicht besonders kritikfähig, heißt es aus seinem Umfeld, doch dafür sehr sozial. Das stellte er in der Flüchtlingsfrage unter Beweis, durch eine einfache und unbürokratische Abwicklung der Transporte sowie die sehr menschliche Vorgehensweise bei der Ankunft der Tausenden Flüchtlinge.

Er sagte damals: "Die Probleme machen uns nicht die Flüchtlinge, sondern die Maßnahmen zu ihrer Abwehr." Schon Mitte 2015 wurden ihm höhere Kompetenzen als dem Ex-Bundeskanzler Faymann zugestanden.

Wirtschaftsboss an der SPÖ-Spitze

Ohne die Leistung schmälern zu wollen, ist es dennoch ein Unterschied einen Konzern zu sanieren oder eine so zerrüttete Partei wie die SPÖ wieder auf Kurs zu bringen.

Die einstige Großmacht für Arbeiter ist nicht mehr und die Lager der Sozialdemokraten sind in links und rechts gespalten. Immerhin sind auch hier Kerns Kompetenzen in Sachen Krisenmanagement gefragt. Zudem darf man es vorerst als positives Zeichen werten, dass sich die SPÖ entschlossen hat, einen Wirtschaftsboss an die Spitze zu holen.

Mit etwas Geschick und Glück könnte das die Roten in Zukunft für die breite Bevölkerung wieder etwas greifbarer machen. Möglicherweise ist sogar ein Imagewandel möglich. Wer lange Zugfahrten in überfüllten Wagons als Reisegenuss darstellen kann, könnte der Richtige sein, um die SPÖ umzukrempeln.