Chaos in Nicaragua: Tote und Verletzte bei Unruhen im ganzen Land

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Verletzte und Tote, verwüstete Innenstädte, geplünderte Supermärkte: Das ist die Bilanz der tagelangen Unruhen wegen der Sozialreform von Präsident Ortega. Die Proteste stürzen ganz Nicaragua ins Chaos.

Nicaragua versinkt im Chaos: Im ganzen Land kam es zu anhaltenden Protesten gegen Präsident Daniel Ortega und dessen umstrittene Sozialreform. Seit vergangenem Mittwoch sind bei gewaltsamen Unruhen mindestens zehn Menschen getötet worden.
Nichtregierungsorganisationen gehen von bis zu 24 Toten aus. Kleine Gruppen greifen vielerorts Radiostationen, Regierungsinstitutionen, Wohnhäuser und öffentliche Plätze an. Zudem werden zahlreiche Geschäfte geplündert.
Ein Demonstrant hält ein Schild mit der Aufschrift "Nicaragua libre" ("Freies Nicaragua") in die Höhe. Das Institut für soziale Sicherheit (INSS) beschloss am 16. April eine Kürzung der Renten um fünf Prozent sowie eine Erhöhung der Versicherungsbeiträge.
Unternehmen sollten 22,5 Prozent statt bisher 19 Prozent abführen, die Beiträge der Arbeitnehmer von 6,25 auf 7 Prozent steigen. Vor allem Studenten wehren sich auf der Straße gegen diese Pläne. Dabei kommen auch selbstgebaute Mörser (Bild) zum Einsatz.
Ortegas Maßnahmen entsprechen weitgehend den Empfehlungen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Sie stoßen nicht nur bei Studenten auf Kritik: Eine breite Allianz aus Unternehmern, Arbeitern, Studenten und Rentnern hat sich formiert.
Gegen die Protestierenden wurden Polizeiverbände zusammengezogen. Hier zielen Polizisten auf Demonstranten.
Studenten verbrennen Reifen während einer Auseinandersetzung mit der Bereitschaftspolizei. Ein Journalist starb durch eine Kugel, während er über die Unruhen in der Stadt Bluefields berichtete.
Mit Motorradhelm und Steinschleuder kämpft dieser junge Mann gegen die Sicherheitskräfte.
Auch aufseiten der Polizei sind Opfer zu beklagen. Hier helfen Polizisten einem Kollegen, der bei den Unruhen verwundet wurde.
Im Kampf gegen die Polizei haben Studenten die Eingänge einer Universität mit Stühlen verbarrikadiert.
Präsident Daniel Ortega war einst der Hoffnungsträger der Linken. Nun werfen ihm Kritiker Korruption vor.
Die Wut vermischt sich mit der Not: Zahlreiche Supermärkte wurden von Anwohnern geplündert.
Als die Polizeibeamten eintreffen, ist es zu spät. Dieser Supermarkt bietet ein Bild der Verwüstung.
Auch deshalb hat Präsident Ortega Gespräche mit diesen "kriminellen Banden" abgelehnt, wie er die Demonstranten nennt. Lediglich mit Unternehmern zeigt er sich zu Gesprächen bereit.
Auch in der Bevölkerung sind nicht alle begeistert von den Demonstrationen. Tausende protestieren gegen die Regierungsgegner. Die Besitzer des Supermarktes "Mercado Mayoreo" (Bild) haben sich bewaffnet, um ihr Geschäft vor Plünderern zu schützen.
Am Sonntag hat die Regierung ihre Reformpläne tatsächlich aufgegeben. Ein Mann im Rollstuhl sieht sich die Verkündung von Präsident Ortega an, der die Resolution zur Reform der sozialen Sicherheit aufhebt.
Ob Nicaragua damit zur Ruhe kommt, ist fraglich. Längst geht es nicht mehr allein um Reformen. Viele fordern Ortegas Rücktritt. Dennoch feiern einige Demonstranten vorerst ihren Erfolg - wie diese Frau mit der Flagge Nicaraguas in den Händen.
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