Der Bundestag hat am Freitag das OK für den Syrien-Einsatz gegeben. In wenigen Tagen sollen Aufklärungs-"Tornados", eine Fregatte, ein Tankflugzeug und bis zu 1.200 Soldaten in den Kampf gegen den IS aufbrechen. Damit hat in Berlin auch die Diskussion um einen möglichen Einsatz von Bodentruppen begonnen.

Saudi-Arabien gilt als Terrorschmiede und bezahlt dafür jetzt den Preis.

"Einen Einsatz deutscher Soldaten am Boden in Syrien kann ich mir vorstellen", sagt der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag Jürgen Hardt, gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Hardt fügt an: "im Rahmen eines Friedensabkommens und im Rahmen einer diesen Frieden unterstützenden Uno-Resolution."

Der ehemalige Vier-Sterne-General a.D. Harald Kujat hält sogar den Einsatz von alliierten Soldaten nach dem Vorbild des Balkankriegs für denkbar.

Sollte die Strategie des Westens im Nahen Osten nicht erfolgreich sein, "steht der Westen vor der Frage, ob er selbst Bodentruppen einsetzen will", sagte Kujat dem "Spiegel".

"Wir würden dann 50.000 bis 60.000 Soldaten unter der Führung der USA oder der Nato ins Land schicken müssen."

Auch der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, hält perspektivisch einen Einsatz deutscher Bodentruppen in für möglich. "Ich schließe dahingehend nichts aus", sagte Wüstner im Bayerischen Rundfunk.

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn glaubt ebenfalls nicht an einen schnellen militärischen Erfolg. "Alle Experten sagen, dass man den Kampf gegen den IS nicht aus der Luft alleine gewinnen kann", sagt Asselborn.

Von der Leyen schließt Beteiligung aus

Allerdings schloss Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nach der Abstimmung im Bundestag eine deutsche Beteiligung mit Bodentruppen aus.

Die Bundeswehr werde sich auch in Zukunft nicht mit Bodentruppen am Anti-Terror-Kampf in Syrien beteiligen.

Im Irak habe sich gezeigt, dass Luftangriffe in Kombination mit dem Einsatz lokaler Bodentruppen eine erfolgversprechende Methode sei.

"Wir brauchen Menschen, die sich in der Region auskennen und die ein vitales Interesse haben, ihre Heimat zurückzuerobern", sagte die CDU-Politikerin dem Nachrichtensender n-tv.

Syrien-Einsatz der Bundeswehr

Die Bundeswehr soll die Kampfjets der Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak mit Aufklärungsflügen unterstützen, selbst aber keine Bomben abwerfen.

Entsendet werden voraussichtlich vier "Tornados" aus Jagel (Schleswig-Holstein) und zwei aus Büchel (Rheinland-Pfalz), sie sollen ab kommender Woche auf einem Stützpunkt im türkischen Incirlik stationiert werden.

Die deutsche Fregatte "Augsburg" wird zum Schutz eines französischen Flugzeugträgers eingesetzt. Ein Tankflugzeug wird die Treibstoffversorgung in der Luft für längere Angriffsoperationen ermöglichen.

Die Mission ist eine Reaktion auf die Terroranschläge Mitte November in Paris, zu denen sich der IS bekannt hatte. Frankreichs Regierung hatte nach den Attacken um militärische Hilfe der Deutschen im Kampf gegen den IS gebeten.

Präsident François Hollande begrüßte den Bundestagsbeschluss als "neuen Beweis der Solidarität zwischen Frankreich und Deutschland".

Meisten Ja-Stimmen aus der GroKo

Bei 597 abgegebenen Stimmen votierten 445 Abgeordnete für den Einsatz, 145 stimmten dagegen, 7 enthielten sich.

Die Ja-Stimmen kamen fast ausschließlich aus dem Koalitionslager, allerdings votierten auch einzelne Abgeordnete von Union und 31 der SPD mit Nein oder enthielten sich.

Die Linksfraktion stimmte geschlossen mit Nein, die Grünen lehnten bei drei Ja-Stimmen und drei Enthaltungen mit großer Mehrheit ab. (far/dpa)