Der Fall ist selbst für erfahrene Ermittler völlig ungewöhnlich. Ein Bundeswehrsoldat soll sich als syrischer Flüchtling ausgegeben und einen Anschlag geplant haben. Offenbar war Fremdenhass das Motiv.

Die Polizei hat einen Bundeswehrsoldaten wegen Terrorverdachts festgenommen.

Der Soldat soll sich als syrischer Flüchtling ausgegeben und fremdenfeindliche Motive gehabt haben. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main mit.

Die Bundeswehr bestätigte die Festnahme. Der 28 Jahre alte Oberleutnant soll eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben.

Außerdem wurde ein Mitbeschuldigter festgenommen. Das bestätigte Nadja Niesen, Oberstaatsanwältin und Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main, unserer Redaktion.

Während die Terrorgefahr in den vergangenen Jahren zugenommen hat, scheint unsere Angst davor abzunehmen. Eine auf den ersten Blick paradoxe Reaktion, könnte man meinen: Kann man sich an Terror gewöhnen?


Waffe am Flughafen Wien deponiert

Die Beamten wurden auf den verdächtigen Bundeswehrsoldaten aufmerksam, weil dieser im Januar 2017 auf dem Wiener Flughafen in einer Toilette eine geladene Waffe deponiert hat.

Als er diese am 3. Februar aus dem Versteck in einem Putzschacht wieder holen wollte, wurde er von den österreichischen Behörden vorübergehend festgenommen.

Für die Waffe besaß der Soldat keine Erlaubnis. Die Pistole hatte er nach dpa-Informationen nicht von der Bundeswehr.

Verdächtiger gab sich als syrischer Flüchtling aus

Bei der erkennungsdienstlichen Erfassung fand die Polizei heraus, dass der Mann Ende Dezember 2015 bei der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen unter falschem Namen als syrischer Flüchtling ausgab. Anfang Januar 2016 stellte er bei der Erstaufnahmeeinrichtung im bayerischen Zirndorf einen Asylantrag.

Die Behörden schöpften dem Anschein nach bei der Registrierung keinen Verdacht. Anschließend soll er eine Unterkunft in einem Flüchtlingsheim erhalten und seit Januar 2016 auch deshalb Geld unter falschen Namen bezogen haben.

Wieso der Mann einen Asylantrag als Flüchtling gestellt hat, konnten Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) noch nicht ermitteln.

Anschlag wohl mit fremdenfeindlichem Hintergrund geplant

Die bisherigen Ermittlungen hätten gezeigt, dass der Mann einen Anschlag geplant hat, offenbar mit einem fremdenfeindlichen Hintergrund.

Das gehe aus Sprachnachrichten hervor, die der Beschuldigte an einen 24 Jahre alten Studenten geschickt hat, sagte Niesen unserer Redaktion.

Der Student ist der zweite Festgenommene. Auch bei ihm fanden die Ermittler Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund. Beide Männer stammen aus Offenbach.

In der Wohnung des Studenten entdeckten die Ermittler unter anderem Gegenstände, die unter das Waffengesetz, das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Sprengstoffgesetz fallen.

Das Ziel des möglichen Anschlags ist unbekannt. Beide Verdächtige werden im Lauf des Tages dem Haftrichter vorgeführt, sagte Niesen unserer Redaktion.

Beamte untersuchen 16 Objekte in mehreren Länder

90 Polizeibeamte des Bundeskriminalamtes, der hessischen und bayerischen Landespolizeibehörden sowie österreichische und französische Sicherheitsbehörden hatten im Zusammenhang mit den Ermittlungen am Mittwoch 16 Objekte in Deutschland, Österreich und Frankreich durchsucht.

Der 28 Jahre alte Soldat wurde bei einem Lehrgang im unterfränkischen Hammelburg vom BKA festgenommen. Er war im französischen Illkirch stationiert.

(cai/szu/dpa)