Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sorgt sich um den Zusammenhalt in der Republik und befürchtet eine wachsende Kluft zwischen Stadt und Land. "Wir müssen ehrlich über Brüche sprechen", sagte er am Donnerstag auf dem 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Er forderte "mehr Wertschätzung zwischen Menschen aus Stadt und Land".

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Vor allem Menschen, die auf dem Land leben, fühlten sich oft abgehängt und "als Hinterwäldler belächelt". "Immer wieder höre ich, dass sie sich so gar nicht wiederfinden in all den Debatten", sagte Steinmeier - "dass sie sich wünschen, ihre Bedürfnisse würden ernster genommen, als legitim anerkannt". Er forderte: "Es muss uns gelingen, die Vielfalt von Lebensentwürfen in unserem Land zu respektieren."

Das sei mehr als nur eine Frage des guten Stils, es sei "eine Frage, die den Kern der Demokratie berührt", betonte der Bundespräsident. "Wenn größere Gruppen sich dauerhaft nicht wiederfinden, dann beginnt Zustimmung zur Demokratie zu bröckeln."

Steinmeier sprach am Donnerstag im Rahmen einer Bibelarbeit sehr ausführlich über die Hochzeit zu Kana aus dem Johannes-Evangelium. In der Geschichte verwandelt Jesus Wasser zu Wein.

"Es gab schon plausiblere Bibeltexte für eine Bibelarbeit. Dieser hier ist eine echte Aufgabe", sagte Steinmeier, der streckenweise durchaus humorvolle Worte für die berühmte Bibelstelle fand.

"Das schiere Übermaß an Wein", komme ihm doch sehr seltsam vor. "Erstaunlich ist ja auch irgendwie, dass das dem Johannes so wichtig war." Umgerechnet seien das, was Jesus da produziert habe, nämlich rund 1000 Flaschen Wein. "Warum so viel? - Das fragt sich nicht nur der mit der Askese vertraute Reformierte."

Steinmeiers Antwort auf seine eigene Frage: "Der Wein steht für die Lebensfreude, die Lebenskraft. Da offenbart sich Gott und schenkt Freude eben im Übermaß."

Steinmeier hatte Kirchentagspräsident werden sollen - doch dann kam das Amt des Bundespräsidenten in die Quere, wie der amtierende Kirchentagspräsident Thomas de Maizière kurz vor dem Auftritt Steinmeiers sagte: "Dann wurde er leider ein anderer Präsident und musste bei uns zurücktreten."  © dpa

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