Die Stimmung zwischen Berlin und Paris ist seit der Wahl von Emmanuel Macron bestens. Doch bringt das auch neue Bewegung ins Tandem Berlin-Paris - und nach Europa? Bei den ganz großen Themen ist noch Geduld gefragt.

Gemeinsam mit 50 Jugendlichen stehen die Bundeskanzlerin und Frankreichs Präsident im Kreis und reichen einen Ball herum. Sie wärmen sich auf, bevor es im deutsch-französischen Ministerrat um Sicherheitspolitik und Wirtschaftsfragen geht.

Bei einem Pariser Jugendprojekt steht am Donnerstagvormittag eine Sprachübung zum Kennenlernen auf dem Programm.

Angela Merkel und Emmanuel Macron machen artig mit: "Hallo, ich heiße Emmanuel", sagt Macron. "Bonjour, je m'appelle Angela", antwortet Merkel etwas zögerlich. Die Jugendlichen applaudieren, die Stimmung ist gelöst.



Angela Merkel und Emmanuel Macron in Paris vereint

Das gilt auch für die Beziehungen zwischen Berlin und Paris seit Macrons Amtsantritt vor zwei Monaten - und das soll keiner übersehen.

Nach der Westbalkan-Konferenz in Triest sind sie in der Nacht gemeinsam in einer deutschen Regierungsmaschine nach Paris geflogen.

Zu dem Jugendzentrum laufen sie die letzten Meter zusammen zu Fuß und steigen für den Rückweg ins selbe Auto.

Der französische Sender BFMTV blendet am Morgen ein Banner ein: "Merkel und Macron gehen nicht mehr auseinander".

Verhältnis von Frankreich und Deutschland wirkt sich auf EU aus

Doch zwei Monaten nach Macrons Amtsantritt wirft das Treffen mit zahlreichen Ministern aus beiden Ländern auch die Frage auf, was diese Aufbruchsstimmung konkret verändern kann.

Kann sie tatsächlich neue Bewegung ins politische Tandem Berlin-Paris bringt - und nach Europa? Immerhin hat Macron seinen Wählern nicht weniger versprochen als eine "Neugründung" der EU.

Die Bilanz des Treffens fällt gemischt aus: Viele kleine Schritte, ein paar starke Signale - doch bei den ganz großen Brocken ist noch Geduld gefragt.

Paris und Berlin wollen Kampfflugzeug entwickeln

Gerade im Verteidigungsbereich demonstrieren Berlin und Paris ihren Willen, endlich Ernst zu machen mit einer engeren Zusammenarbeit in Europa.

Dass sie gemeinsam ein neues Kampfflugzeug entwickeln wollen, ist tatsächlich ein Signal. Bislang nutzen beide Luftwaffen unterschiedliche Flugzeugtypen. Ein Zeitplan soll bis Mitte 2018 stehen.

Bei Macrons zentraler Forderung nach einer Reform der Währungsunion gibt es allerdings auch nach dem Ministerrat nur eine Ankündigung, das Thema "später" weiterentwickeln zu wollen.

"Frankreich und Deutschland erkennen schon jetzt an, dass die aktuelle Architektur der Eurozone beständige Mängel aufweise", heißt es in einem Abschlussdokument.

Fragen in Sachen Europäische Union

Zu nah ist die Bundestagswahl, als dass es hier wirklich schon Fortschritte hätte geben können - im Élyséepalast hatte man deshalb schon von vorneherein tiefgestapelt.

Und in Berlin will man auch erstmal wissen, was Paris sich eigentlich unter einem europäischen Finanzminister vorstellt und wie ein Haushalt für die Eurozone aussehen soll.

Damit bleibt weiter eine Kluft zu den hohen Erwartungen, die Macrons Wahl bei Europafreunden geweckt hatte.


Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hatte vor dem Ministertreffen einen großen Wurf bei der Reform von EU und Währungsunion gefordert.

Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, die Reformen Europas auf den Weg zu bringen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Meine Sorge ist, dass der politische Wille vor allem auf deutscher Seite fehlt, wirklich zu konkreten Resultaten zu kommen."

Merkel bemühte sich, solchen Sorgen entgegenzutreten: Diese Frage werde nicht "verbummelt". Es werde "auch in diesem Jahr dazu noch weitere Schritte geben". Deutschland sei bereit, die Zusammenarbeit "mit neuem Elan" zu aktivieren.

Macron trifft US-Präsident Donald Trump

Ein Grund, warum Frankreich und Deutschland vielleicht derzeit umso mehr Anlass haben, an einem Strang zu ziehen, befindet sich zu diesem Zeitpunkt nur wenige Hundert Meter entfernt: US-Präsident Donald Trump. Ihn empfängt Macron unmittelbar nach dem deutsch-französischen Ministerrat mit großem Pomp zu einem eintägigen Paris-Besuch, Anlass ist das Jubiläum des US-Eintritts in den Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren.

Mit Blick auf den eigensinnigen Amerikaner wiederholt Merkel ihren Satz, der zu einer Art außenpolitischen Maxime in unruhigen Zeiten geworden ist: Europa müsse seine Geschicke mehr in die eigene Hand nehmen.



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