In London demonstrieren Zehntausende gegen den Brexit. Und erstmals meldet sich Königin Elizabeth II. zu Wort: Man müsse ruhig und gefasst bleiben.

Die Queen bleibt traditionell politisch neutral - das ist auch in bewegten Zeiten so. Allerdings lässt sich so einiges zwischen den Zeilen lesen, wenn sich Königin Elizabeth II. öffentlich äußert.

Nun hat sich das britische Staatsoberhaupt erstmals nach dem Brexit-Votum zu Wort gemeldet. Bei ihrem Besuch im schottischen Edinburgh betonte die Queen am Samstag die Notwendigkeit, "ruhig und gefasst zu bleiben". Dies könne in der zunehmend komplexen und anspruchsvollen Welt hart sein.

Das Land möchte nach dem Brexit raus aus dem Vereinigten Königreich.

Das Wort Brexit erwähnte die 90-jährige Monarchin freilich nicht. Sie betonte aber, dass gerade in Zeiten schneller Entwicklungen es "genügend Raum für ruhiges Denken und Überlegen" brauche. Dies könne zu tieferen Einsichten über die Herausforderungen und Chancen der Gegenwart führen, sagte die Queen bei der feierlichen Eröffnung des neugewählten schottischen Parlaments.

Damit spielte Königin Elizabeth II. wohl auch auf den Machtkampf bei den Konservativen an. Dort rangeln mehrere hochrangige Tories um die Nachfolge von Parteichef und Premier David Cameron, der seinen Rücktritt bis Oktober angekündigt hatte.

40.000 Teilnehmer protestieren gegen Brexit

Obwohl EU-Politiker immer wieder betont habe, dass der Brexit nicht mehr abgewendet werden könne, gingen am Samstag Zehntausende in London auf die Straße, um gegen den EU-Austritt zu protestieren. Beim March for Europe spazierten sie vom Hyde-Park zum Parlamentsgebäude.

Die zumeist jungen Leute trugen bei ihrem Marsch durch die Innenstadt Europaflaggen mit sich, riefen "Ich liebe die EU". Die BBC sprach von schätzungsweise 40.000 Teilnehmern. Das britische Parlament solle das Votum des EU-Referendums aufheben, forderten die Veranstalter. Die Zukunft Großbritanniens liege in der EU. Ein Demonstrant sagte, in Gelb und Blau gekleidet: "Wir können noch etwas tun, solange Artikel 50 noch nicht aktiviert ist."

Tausende Briten treibt es aus Frust über EU-Referendum auf die Straße.

Artikel 50 des Vertrags von Lissabon regelt, wie Mitgliedsländer die EU verlassen können. Demnach muss die Regierung des austrittswilligen Landes zunächst die EU offiziell über ihre Absicht informieren und so Artikel 50 aktivieren. Das hat die britische Regierung aber bisher nicht getan. Premier Cameron hatte nach dem Referendum gesagt, er wolle es seinem Nachfolger überlassen, den Austrittsantrag zu stellen.

Mehrere britische Spitzenpolitiker, darunter Gesundheitsminister Jeremy Hunt, hatten deshalb gefordert, dass Brüssel bereits vor dem offiziellen Austrittsantrag mit Großbritannien verhandeln solle. Doch auf ihrem EU-Gipfel am Dienstag legten sich die anderen 27 Staats- und Regierungschefs fest: Es wird erst verhandelt, wenn Großbritannien seinen Antrag eingereicht hat.© SPIEGEL ONLINE