Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt Geschlossenheit der verbleibenden 27 Mitgliedstaaten gefordert und eventuellen Sonderwünschen aus Großbritannien eine klare Absage erteilt. Die Briten könnten bei den Verhandlungen keine Rosinenpickerei betreiben, betonte sie.

In einer Sondersitzung des Bundestags zum Brexit-Votum Großbritanniens hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Geschlossenheit in der EU aufgerufen.

Seine Worte von Mitte Mai dürfte Nigel Farage nun bereuen.

"Es gilt jetzt nach vorne zu schauen und alles daran zu setzen, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und anschließend alle notwendigen Entscheidungen zu treffen", sagte Merkel am Dienstag in einer Regierungserklärung.

Keine Sonderwünsche nach dem Brexit

Großbritannien kann aus Sicht der Kanzlerin aber bei Verhandlungen über einen EU-Austritt keine Sonderbehandlung erwarten. "Wir werden sicherstellen, dass die Verhandlungen nicht nach dem Prinzip der Rosinenpickerei geführt werden", sagte Merkel. Wer aus der EU-Familie austreten wolle, könne nicht erwarten, dass alle Pflichten entfielen, die Privilegien aber bestehen blieben.

Merkel betonte zugleich, dass London nach einem Brexit ein wichtiger Partner etwa in der Nato bleiben werde. Die deutsch-britischen Beziehungen würden in aller Freundschaft weitergeführt. Dies stehe aber in keinem Widerspruch dazu, dass Deutschland und die EU Verhandlungen auf Grundlage eigener Interessen führen wollten.

Die Kanzlerin bekräftigte, dass es vor dem von London offiziell erklärten Austrittswunsch keine Vorab-Verhandlungen geben werde.

Merkel: Nicht die Fliehkräfte stärken

Merkel forderte Geschlossenheit der verbleibenden 27 Mitgliedstaaten. Jeder Vorschlag, der die EU der 27 als Ganzes aus dieser Krise führen könne, sei willkommen.

"Jeder Vorschlag, der dagegen die Fliehkräfte stärkt, die Europa schon so sehr strapazieren, hätte unabsehbare Folgen für uns alle. Er würde Europa weiter spalten", sagte Merkel in der Sondersitzung des Parlaments. Sie werde sich dafür einsetzen, das zu verhindern. "Ich sehe gute Möglichkeiten, dass uns das gelingen kann."

Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen beim EU-Gipfel in Brüssel über die Konsequenzen aus dem britischen Votum für einen Austritt aus der Europäischen Union beraten.

Der scheidende britische Premierminister David Cameron informiert an diesem Dienstag über den Ausgang des Referendums. Am Mittwoch kommen die verbleibenden 27 EU-Staaten ohne Großbritannien zusammen.© dpa