SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die anderen EU-Staaten davor gewarnt, die Brexit-Verhandlungen mit London hinauszögern. "Das Signal der Staats- und Regierungschefs muss lauten: Klarheit statt Taktiererei, entschlossenes Handeln statt Zaudern", sagte der Vizekanzler am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Sigmar Gabriel sorgt sich, dass die Fliehkräfte in Europa zunehmen würden, wenn zu viel Zeit vergehe. Das würde Rechtspopulisten in die Hände spielen: "Das Brexit-Referendum hat Großbritannien gespalten. Damit der Brexit nicht auch Europa spaltet, müssen die Staats- und Regierungschefs jetzt schnell für Klarheit sorgen."

Die britische Regierung müsse schnell das Austrittsverfahren einleiten. "Die Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU-27 werden nicht über Nacht abgeschlossen werden. Aber sie dürfen nicht hinausgezögert werden", unterstrich der SPD-Vorsitzende.

In der SPD waren die Aussagen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vom Wochenende zum Zeitplan der weiteren Brexit-Schritte auf Unverständnis gestoßen. Merkel hatte gesagt: "Ich würde mich jetzt auch nicht wegen einer kurzen Zeit verkämpfen."

Für erhebliche Irritationen in der SPD sorgte auch eine Äußerung von Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU), der überhaupt keinen Zeitdruck sieht. Altmaier hatte erklärt: "Die Politik in London sollte die Möglichkeit haben, noch einmal die Folgen eines Austritts zu überdenken." Das sei eine "Wahnsinnsaussage" gewesen, hieß es in SPD-Kreisen.

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