Die Folgen eines harten Brexit

Die britische Premierministerin Theresa May hat vor dem Auftakt des informellen EU-Gipfels in Salzburg Entgegenkommen der EU bei den Brexit-Verhandlungen gefordert. Bis zum geplanten Ausstieg Großbritanniens ist nur noch ein halbes Jahr Zeit. Und noch immer gibt es dafür kein Abkommen. London hat zahlreiche Folgen skizziert, die ein sogenannter harter Brexit für die Bürger haben könnte. (ank/afp)

Britische Führerscheine könnten nach dem Brexit in der EU ungültig werden. Britische Touristen müssten dann einen internationalen Führerschein erwerben, bevor sie in der EU Auto fahren dürfen. In der EU lebende Briten müssten möglicherweise erneut eine Fahrprüfung machen.
Innerhalb der EU wurden Roaminggebühren abgeschafft - Telefonieren könnte also teurer werden. Ein besonderes Ärgernis droht in Nordirland: Wenn man in der Nähe der Grenze zu Irland lebt und der lokale Anbieter ein schwächeres Signal als ein EU-Auslandsanbieter sendet - und sich das Handy automatisch ins ausländische Netz einwählt.
Auch die Kosten bei der Kartenzahlung zwischen Großbritannien und der EU würden steigen. Ein EU-Verbot, Konsumenten bei der Nutzung bestimmter Zahlungsmethoden zur Kasse zu bitten, würde zudem für Großbritannien nicht mehr gelten.
Beim grenzüberschreitenden Online-Shopping drohen zusätzliche Kosten, weil nach Großbritannien geschickte Päckchen und Pakete nicht mehr von Vergünstigungen bei der Mehrwertsteuer profitieren würden.
Die britische Regierung warnt vor Verzögerungen bei der Einfuhr von Sperma. Im Vereinigten Königreich ging die Zahl der Samenspenden stark zurück, seitdem Spender durch eine Gesetzesänderung 2005 das Recht auf Anonymität verloren haben. 2017 importierte Großbritannien rund 3.000 Spermaspenden von der größten europäischen Samenbank in Dänemark.
Rechtsstreitigkeiten, etwa die Scheidung von binationalen Paaren oder grenzüberschreitende Sorgerechtsprozesse, könnten deutlich komplizierter, langwieriger und letztlich für die Beteiligten auch teurer werden. Gerichte in EU-Staaten könnten Urteile britischer Gerichte möglicherweise nicht mehr anerkennen.
Die EU-Gesetzgebung zum Tabakkonsum würde durch britisches Recht abgelöst. Für die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen müssten neue Bilder beschafft werden, weil die Rechte für die derzeit verwendeten abschreckenden Fotos bei der EU liegen.