Bräuchte ich für den Trip nach London ein Visum? Müsste ich beim Online-Shopping für Waren aus Großbritannien mehr bezahlen? Worauf Bürger achten müssen, falls es zu einem ungeregelten Brexit kommt, erläutert die EU in neuem Infomaterial. Sogar eine Telefon-Hotline wurde eingerichtet.

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Die EU treibt die Vorbereitungen für einen chaotischen Brexit voran. Die EU-Kommission veröffentlichte am Montag Informationsmaterial für ihre Bürger. Die sechs Schreiben finden Sie hier.

Für Bürger mit speziellen Fragen steht zudem eine kostenlose Telefon-Hotline (0080067891011) bereit. Es werde derzeit immer wahrscheinlicher, dass es zu einem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ohne Austrittsabkommen komme, kommentierte eine hohe EU-Beamtin die Vorbereitungen.

In einem der Informationsblätter ist beispielsweise beschrieben, was im Fall der Fälle bei Reisen ins Vereinigte Königreich beachtet werden muss.

So wird etwa darauf hingewiesen, dass die Europäische Krankenversicherungskarte nicht mehr gelten würde und dass wieder Zusatzkosten für die Handynutzung anfallen könnten.

Ab 2021 Reisepass nötig

Zudem müssten EU-Bürger bei der Rückreise mit Zollkontrollen rechnen. Ein Visum soll allerdings nach derzeitigem Stand nur für Aufenthalte notwendig werden, die länger als drei Monate dauern.

Jedoch: Mit dem Personalausweis wäre die Einreise nur noch bis Ende 2020 möglich. Danach bräuchten EU-Bürger, die nach Großbritannien einreisen möchten, einen Reisepass.

Ein weiteres Blatt befasst sich mit dem Verbraucherschutz. Zusätzliche Kosten könnten demnach auf Konsumenten zukommen, die im Internet Waren bestellen, die aus Großbritannien in die EU eingeführt werden.

Arzneimittelengpässe nicht auszuschließen

Auch sei "selbst bei der besten Vorbereitung nicht gänzlich auszuschließen", dass es zu vorübergehenden Engpässen bei der Versorgung mit bestimmten Arzneimitteln kommt. Auf die Qualität der eingeführten Artikel hätte der Brexit jedoch keinen Einfluss.

Um im Falle der Fälle überprüfen zu können, ob aus Großbritannien eingeführte Tiere oder Agrarprodukte den gesundheits- und pflanzenschutzrechtlichen Anforderungen der EU entsprechen, werden nach EU-Angaben derzeit 20 neue Grenzkontrollpunkte eingerichtet. Sie liegen in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Irland, Spanien und Dänemark.

Für den erhöhten Kontrollaufwand planen Staaten mit deutlich mehr Personal. So würden allein in Frankreich 700 Neueinstellungen für den Zoll und andere Überprüfungen vorbereitet, hieß es am Montag in Brüssel. In den Niederlanden seien es mehr als 900 und in Belgien 300 bis 400.

Grund für die intensiven Vorbereitungen der EU auf einen Brexit ohne Übergangszeit ist die verfahrene Situation im britischen Parlament. Das Unterhaus hatte das von Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelte Austrittsabkommen zuletzt zweimal abgelehnt - ohne allerdings Alternativen aufzuzeigen.

Die EU hat Großbritannien deswegen zuletzt eine Verschiebung des Brexits bis zum 22. Mai angeboten, wenn das Unterhaus dem Austrittsvertrag doch noch zustimmen sollte. Andernfalls gilt die Verlängerung nur bis zum 12. April. (dpa/mcf)

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