Mehrere tausend Demonstranten haben bei einem Marsch durch London gegen das britische Brexit-Votum protestiert. Mindestens 2.000 bis 3.000 zumeist junge Leute seien auf den Straßen, schätzte eine BBC-Reporterin am Samstag. Die Veranstalter fordern, das britische Parlament solle das Votum des EU-Referendums aus der vergangenen Woche aufheben. Die Zukunft Großbritanniens liege in der Europäischen Union (EU).

Der Brexit soll schnell vorangetrieben werden - ist das zu überstürzt?

Derweil haben bereits über vier Millionen Briten eine Online-Petition für ein zweites Referendum unterschrieben. Allerdings hatte das zuständige Komitee im Unterhaus bereits Zweifel geäußert, ob alle Unterschriften gültig seien - es gebe «verdächtige Aktivitäten».

Auch betonen alle derzeit entscheidenden Politiker in London, es gebe kein Zurück. Das Votum von 17 Millionen Briten (rund 52 Prozent) für einen Austritt aus der EU müsse umgesetzt werden.

Indes steigt der Druck auf Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn zurückzutreten. Laut BBC sind mehrere Parteigranden dabei, dem 67-Jährigen einen ehrenvollen Abgang ohne Gesichtsverlust zu ermöglichen. Parteiinterne Kritiker fürchten, mit Corbyn an der Spitze künftige Wahlen zu verlieren.

Die Konservativen suchen weiter einen Nachfolger für Premierminister David Cameron, der nach seiner Niederlage beim Referendum für die nächsten Monate seinen Rückzug angekündigt hatte.

Gabriel: "Brexit ist Chance für Europa"

So diskutiert die internationale Presse Johnsons Rückzieher.

Währenddessen sieht SPD-Parteichef Sigmar Gabriel im Ja der Briten zum EU-Austritt auch eine Chance für ein besseres Europa. "Wenn darin etwas Gutes entstehen kann, dann, dass wir Europa verändern, damit es wieder mehr Zustimmung erhält."

"Wir müssen Europa besser machen", forderte der Vize-Kanzler auf einer SPD-Konferenz in Berlin. Davon hänge die Zukunft Deutschlands und seiner Arbeitsplätze ab.

"Der Brexit gefährdet Europa nicht", sagte Gabriel. Aber die Art und Weise, wie man damit umgehe, könne das sehr wohl. Großbritanniens Motto "Erst feilschen, dann versagen, jetzt klammern" dürfe die EU nicht nachgeben. "Würden wir das zulassen, wäre es eine Einladung an alle nationalen Egoisten in Europa, es genauso zu versuchen", betonte Gabriel. Die "deutschen Konservativen" hätten eine große Verantwortung dafür, dass Europa nun nicht gespalten werde.© dpa