Als "sehr feige" hat Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn den Rückzug des britischen Politikers Nigel Farage von der Spitze der EU-feindlichen Partei Ukip bezeichnet.

"Auf einmal ziehen sich Politiker wie Boris Johnson und Nigel Farage wieder in ihr Schneckenhaus zurück", sagte Asselborn dem "Tagesspiegel" (Dienstag) mit Blick auf das Abtauchen der führenden Befürworter eines Ausstiegs Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit). "Ich hoffe, dies dürfte eine Lehre sein, dass man politischen Opportunisten wie der AfD in Deutschland oder Geert Wilders in den Niederlanden nicht auf den Leim gehen darf", warnte Asselborn.

Scharfe Kritik an Farage und Johnson

UKIP-Chef und Brexit-Befürworter wirft überraschend das Handtuch.

Auch aus anderen Ländern mehren sich die kritischen Stimmen zum Rückzug der Brexit-Befürworter. So sage SPD-Fraktionsvize Schäfer: "Erst lügen und hetzen, dann das Chaos anrichten und jetzt weglaufen! Farage und Johnson zeigen, um was es ihnen geht: Nicht das Votum des Landes, sondern puren Egoismus! Beide sollten jetzt konsequenterweise ihre Parlamentssitze in Westminster und Straßburg aufgeben."

ÖVP-Politiker und EU-Parlamentarier Othmar Karas fand ebenfalls scharfe Worte zum Rücktritt des Ukip-Chefs Farage und zum Nicht-Antritt von Boris Johnson: "Die Zündler schleichen sich davon. Das Nicht-Antreten Boris Johnsons und der Rücktritt Nigel Farages zeigen die Verantwortungslosigkeit und Planlosigkeit der Brexit-Befürworter."

Johnson geht in die Offensive: "Regierung ist schuld"

Indes geht Brexit-Wortführer und Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson in die Offensive: Er hat der britischen Regierung vorgeworfen, die positiven Seiten eines EU-Austritts nicht dargestellt zu haben. "Es war falsch von der Regierung, die Öffentlichkeit vor eine Wahl über die EU zu stellen, ohne bereit zu sein zu erklären - falls die Menschen für einen Austritt stimmen - wie dies im Interesse Großbritanniens und Europas funktionieren könnte", schrieb Johnson in der Zeitung "The Telegraph". Die Regierung müsse nun eine klare Ansage dazu machen. Man könne damit nicht auf einen neuen Premierminister warten.

Nach dem Votum für einen Austritt Großbritanniens aus der EU hatte Premierminister David Cameron seinen Rücktritt bis Oktober angekündigt. Johnson hatte völlig überraschend auf eine Kandidatur verzichtet. Bei den Konservativen wird nun Innenministerin Theresa May von den Medien als Favoritin für die Nachfolge gehandelt, auch Justizminister Michael Gove soll Chancen auf den Posten haben.

Das Referendum hat auch die Labour-Partei in eine Krise gestürzt. Trotz Misstrauensvotum und Kritik aus der eigenen Partei hält der Vorsitzende Jeremy Corbyn aber weiter an seinem Amt fest.© dpa