Nach dem Brexit wächst in vielen europäischen Staaten der Gedanke, welche Vorteile eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union überhaupt noch hat. Dabei ist die Staatengemeinschaft mehr als nur Streit über Gurkenrichtlinien.

Derzeit verbinden viele die Europäische Union mit Wirtschaftskrisen, massiver Bürokratie und vermeintlich überflüssigen Richtlinien, wie beispielsweise der Gurkenverordnung.

Der britische "Mirror" zeigt in einer Galerie die heutigen Selbstverständlichkeiten für Bürger von EU-Staaten, die erst mit einem Eintritt in die Staatengemeinschaft ermöglicht wurden. Dieser ist auch in den Leitlinien (PDF) des deutschen Auswärtigen Amts verankert.

Die Europäische Wirtschaft sorgt für vereinfachten Handel

Durch die Mitgliedschaft im Staatenbund können Unternehmen, deren Hauptsitz in Europa liegt, nach einheitlichen Rechtsnormen arbeiten. Andernfalls müssen diese Unternehmen im jeweiligen Land eine Tochtergesellschaft gründen, was oftmals ein langwieriger und kostenintensiver Prozess war.

Gerade mittelständische Unternehmen können so den Sprung ins europäische Ausland wagen und weitere Märkte erschließen. Durch die Einführung des Euro, konnten zusätzliche Hürden abgebaut werden, etwa durch wegfallende Umrechnungskurse oder die gezielte Abwertung einer Landeswährung.

Die Europäische Union stärkt Arbeitnehmerrechte

Durch einen europaweiten Freihandel bekommen Europäer die Möglichkeit der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Neben der Niederlassungsfreiheit ist es so möglich, in einem anderen EU-Staat eine Arbeit unter denselben Bedingungen wie heimische Arbeitnehmer aufnehmen zu können.

  • Bezahlter Mindesturlaub: Durch die EU kamen zusätzliche Neuerungen im Arbeitsrecht, wie etwa die Bestimmung, dass Arbeitnehmern eine gerechte Anzahl an bezahlten Urlaubstagen zusteht. Auch Arbeitnehmer, die im Urlaub erkranken, können sich krankschreiben lassen und ihren Resturlaub nachholen.
  • Mutterschutz: Auch der Mutterschutz ist heute eine Selbstverständlichkeit für EU-Bürger. Müttern stehen grundsätzlich 14 Wochen Mutterschutz zu, spätestens ab zwei Wochen vor der Geburt.
  • Elternzeit: Frischgebackenen Eltern steht Zeit zu, die sie ihrem Nachwuchs widmen können. In der Elternzeit darf der Arbeitnehmer ihnen nicht kündigen und Eltern erhalten Geld vom Staat, das die Gehaltseinbußen kompensieren soll.
  • Begrenzung der Arbeitszeit: Die Höchstarbeitszeit in der Staatengemeinschaft ist begrenzt auf durchschnittlich 48 Stunden pro Woche und maximal 13 Stunden am Tag.
  • Gleichstellung aller Menschen: Kein Arbeitnehmer in der Europäischen Union darf aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Glauben oder Herkunft abgelehnt werden.
  • Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz: Allein in Großbritannien sank 1996 die Sterblichkeitsrate in gefährlichen Berufen um 50 Prozent durch Einführung von Arbeitsschutzrichtlinien. Durch zahlreiche Verordnungen wurden Berufe, die mit chemischen Stoffen oder gefährlichen Maschinen zu tun haben, sicherer gemacht.

Verbraucherschutz durch die Europäische Union

Das Rückgaberecht bringt Verbrauchern in der EU die Möglichkeit, fehlerhafte Waren umzutauschen oder zurückzugeben. Im Online-Handel erleichterten die Richtlinien der EU die Rückgabe ohne Angabe von Gründen.

Auch Haustürgeschäfte, die einstmals richtig teuer und lästig waren, wurden von der Europäischen Union unterbunden. Durch die Verbesserung von Kreditrichtlinien sollen die Rechte bei Verbraucherkrediten weiter gestärkt werden.

Allergiker in der EU können beim Einkaufen allergene Inhaltsstoffe auf dem Etikett erkennen. Durch die Kennzeichnungspflicht müssen Stoffe, wie beispielsweise Nüsse, sichtbar gemacht werden.

Reisen ohne Grenzen innerhalb der EU

Durch den Zusammenschluss der Staaten erleichterte sich das Reisen für EU-Bürger. Gerade Ältere können sich noch an die kilometerlangen Staus vor Grenzen im Sommerurlaub erinnern. Auch bei Flugreisen fallen lange Schlangen an den Einreiseschaltern weg. Mit der Einführung der gemeinsamen Währung müssen Urlauber auch nicht mehr in Landeswährungen tauschen, die oftmals teuren Wechselgebühren können sich Reisende nun ebenfalls sparen.

Gerade Flugreisen wurden mit dem Zusammenschluss vereinfacht, da die Europäische Union die Grenzen für Airline-Betreiber in den freien Markt öffnete. Das war die Geburtsstunde der Billig-Fluglinien.

EU-Bürger, die im Urlaub erkranken, können ihre Krankenversicherung auch im Urlaubsland nutzen, ohne hohe Kosten für die Behandlung bezahlen zu müssen.

Die Europäische Union fördert länderübergreifende Bildung und Forschung

Durch die Bildungsrichtlinien und Niederlassungsfreiheit der Europäischen Union können Studenten leichter an einer anderen europäischen Hochschulen studieren. Auch Schulpartnerschaften werden durch die EU gefördert und Sprachkompetenzen durch Schüleraustausch gestärkt. Zusätzlich schafft die Staatengemeinschaft eine Basis für länderübergreifende Forschungen. Forschungseinrichtungen können ohne große bürokratische Hürden Zusammenarbeiten anstreben und verwirklichen. Dafür bietet die EU finanzielle Hilfsmittel, die über Brüssel an die Forscher verteilt werden.

Kulturelle Vielfalt durch die Europäische Union

Als Teil des europäischen Gedankens, setzt sich die EU für regionale Kulturgüter ein. Ein Fonds für Filmförderung unterstützt gerade kleinere Produktionen, die sonst ohne große Studios unmöglich wären. Diese Gelder erhalten neben Filmproduktionen auch Museen, Musikproduktionen oder Kulturveranstaltungen. Damit soll kulturelle und sprachliche Vielfalt in Europa erhalten und gefördert werden. (arg)