Großbritannien hat sich für den Brexit entschieden. Billy könnte von dieser Tatsache schon bald persönlich betroffen sein - und das, obwohl er aus Kapstadt kommt und in Deutschland lebt.

Fabian Teichmann
Eine Reportage
von Fabian Teichmann, Redakteur Social Media

Billy trägt Flipflops und eine kurze Hose. Den obersten Knopf seines Hemdes hat er offen gelassen. Die Sonne brennt an diesem schicksalhaften Tag auf seinen Laden. Es hat deutlich über 30 Grad in München. In Erinnerung wird Billy dieses Datum aber aus anderen Gründen bleiben.

Wegen Brexit: "Sehr traurig und sehr irritiert"

"Ich war völlig schockiert und bin es immer mehr, je länger ich darüber nachdenke und je mehr ich mit Kunden rede, die in meinen Laden kommen. Ich bin sehr traurig und sehr irritiert", sagt er und seine dunklen Augen sagen dasselbe.

Mit dieser Gemütslage ist der Ladenbesitzer nicht alleine. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete das Ergebnis des Referendums als "Einschnitt für Europa". Andere Reaktionen und diverse Pressestimmen machen deutlich, dass viele Menschen überrascht sind, dass der Brexit nun tatsächlich Realität wird.

Billy zeigt sich dagegen keinesfalls überrascht: "Es hätte nie so weit kommen dürfen. Die britische Regierung hat sich völlig verkalkuliert." Nach der letzten Wahl hätte sie sich über die Gefahren im Klaren sein müssen. Immerhin hätten über eine Million Menschen die UKIP gewählt. Billy wirkt nun verärgert.

Brexit könnte Zukunft von Billys Laden beeinflussen

Sein Geschäft "British Allsorts" betreibt Billy seit zwei Jahren. Ursprünglich kommt er aus Kapstadt in Südafrika. Von klein auf prägte ihn das Vereinigte Königreich: "Na klar, sie waren ja immerhin unsere Kolonialmacht."

Heute verkauft er Waren aus Großbritannien. "Wir haben hier zwei Biersorten aus den USA. Alles andere kommt direkt von der Insel", erzählt er stolz.

Wieder auf den Brexit angesprochen, verschwindet jeglicher Stolz aus der Stimme des Mannes. Die Zukunft seines Ladens könnte seiner Meinung nach unter der Entscheidung des britischen Volkes leiden.

Kurzfristig sieht er zwar noch keine Auswirkungen, weil er davon ausgeht, dass sich die Verhandlungen noch länger hinziehen werden. In absehbarer Zeit könne er sich aber vorstellen, dass "die freie Bewegung von Menschen - sowohl in die eine als auch in die andere Richtung - schwieriger wird. Und das betrifft natürlich mich und das Geschäft, weil all meine Hauptkunden - also Briten, die hier in Deutschland leben - damit zu kämpfen haben."

Billys Kunden sind "teilweise den Tränen nahe"

"Meine Kunden sind fassungslos, teilweise den Tränen nahe. Die ganze Geschichte ist einfach nur traurig", sagt Billy. Man bekommt das Gefühl nicht los, dass der Brexit dem Ergrauungsprozess seiner Haarpracht nicht gerade zuträglich ist.

Billys Prognose für die Zukunft der Briten fällt düster aus: "Es wird noch eine Zeit lang dauern, bis wir die Konsequenzen erkennen können. Erst mal müssen es die Briten verdauen, dass ihr Land den Bach runtergehen wird. Das ist meine Meinung."