Wieder keine Brexit-Alternative: Reaktionen auf erneut gescheiterte Abstimmungen

Das britische Unterhaus schafft es wieder nicht, sich auf eine Alternative zum vereinbarten Brexit-Abkommen zwischen der EU und London zu einigen. Die Reaktionen fallen teilweise vernichtend aus. Bleibt jetzt nur noch Theresa Mays Deal übrig?

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock war nach den erneuten Ablehnungen im Unterhaus einigermaßen genervt. "Können wir jetzt bitte alle für den Deal stimmen und den Brexit durchführen?", twitterte er.
Auch der britische Bildungsminister Damian Hinds hält den Brexit-Vertrag der Premierministerin weiterhin für die beste Lösung.
"Das von der Regierung ausgehandelte Abkommen ist am ausgewogensten, und ich hoffe und erwarte, dass wir dort am Ende landen werden", sagt Hinds bei der BBC. "Es ist immer noch die mit Abstand beste Option."
Brexit-Minister Stephen Barclay zieht Bilanz: "Das Haus hat stets ausgeschlossen, ohne Deal auszuscheiden, genauso wie es ausgeschlossen hat, die EU überhaupt nicht zu verlassen."
Für Barclay ist daher die einzige Option, "einen Weg zu finden, der Großbritannien erlaubt, mit einem Deal zu gehen."
Der Brexit-Beauftragte des Europaparlaments, Guy Verhofstadt sieht das Ende der Fahnenstange fast erreicht. Er twitterte: "Am Mittwoch hat Großbritannien die letzte Chance, die Blockade zu durchbrechen oder in den Abgrund zu blicken."
Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hält einen britischen EU-Austritt ohne Deal für wahrscheinlicher: "Die jüngsten Ereignisse, vor allem die gestrige Abstimmung im britischen Parlament, nähern uns in gefährlicher Weise einem Brexit ohne Abkommen an."
Der Abgeordnete Nick Boles, der einen der Alternativvorschläge eingebracht hatte, trat als Reaktion auf die Abstimmungen umgehend aus der regierenden Konservativen Partei aus.
"Ich habe alles gegeben, um einen Kompromiss zu finden, um unser Land aus der EU zu bringen und trotzdem unsere wirtschaftliche Stärke und unseren politischen Zusammenhalt zu bewahren. [...] Ich habe versagt", sagte Boles mit brüchiger Stimme.
Michel Barnier, der Chefunterhändler der EU in Sachen Brexit, warb erneut für das zwischen Brüssel und London vereinbarte Austrittsabkommen: "Lassen Sie uns nicht vergessen, dass wir schon ein Abkommen haben, wir haben schon eine Vereinbarung und sie wurde von Theresa May und der britischen Regierung und dem Europäischen Rat und dem Europäischen Parlament am 25. November beschlossen, vor vier Monaten."
"Falls das Vereinigte Königreich die EU nach wie vor auf geregelte Weise verlassen möchte, ist diese Vereinbarung, ist dieser Vertrag der einzige und wird der einzige bleiben", bekräftigte Barnier.
Oppositionschef Jeremy Corbyn bezeichnete den Ausgang der Abstimmungen als "enttäuschend". Der Labour-Chef betonte aber, Mays Austrittsabkommen sei noch deutlicher gescheitert. Das Unterhaus hatte den Austrittsvertrag dreimal abgelehnt. Die Premierministerin könnte den Vertrag ein viertes Mal zur Abstimmung vorlegen.
Corbyn forderte dagegen eine dritte Runde von Probeabstimmungen zu alternativen Brexit-Plänen. Das könnte am Mittwoch geschehen.
Der SPD-Europapolitiker Jens Geier sprach von einer "inzwischen lächerlichen Selbstblockade im britischen Parlament" und forderte: "Einer Verlängerung der EU-Mitgliedschaft über den 12. April hinaus kann die Europäische Union nur mit der gleichzeitigen Ansage eines zweiten Referendums stattgeben."