Der Mann mit dem blonden Haarschopf gehört zu den Gewinnern des EU-Referendums. Nach dem Rücktritt David Camerons wird der ehemalige Bürgermeister von London Spekulationen zufolge der nächste britische Premierminister.

Boris kam, sah und siegte. Das Votum der Briten für einen Austritt aus der EU geht zu einem nicht unerheblichen Teil wohl auch auf das Konto des ehemaligen Bürgermeisters von London. Dabei ist es noch nicht lange her, dass sich Boris Johnson entschied, für einen Austritt Großbritanniens aus der EU zu werben. Dieser Schritt könnte sein Schritt zum Posten des Premiers gewesen sein.

So reagieren Stars aus aller Welt auf Ausgang des Referendums.

An einem Sonntag im Februar trat er mit gesenktem Kopf vor die Kameras vor seinem Haus im Norden Londons. Johnson war damals noch Bürgermeister der britischen Hauptstadt. Er stammelte etwas von schwerem Herzen und dass er nichts gegen Premierminister David Cameron und die Regierung unternehmen wolle.

Aber er habe, dem Volk zuliebe, keine andere Wahl. Seinen konservativen Parteifreund Cameron soll er erst wenige Minuten vorher per SMS über den Schritt informiert haben.

Das Gegenteil von Cameron

Der Mann mit dem stets verstrubbelten blonden Haarschopf ist nicht irgendjemand. Immer wieder wurde er in Umfragen zum beliebtesten Politiker Großbritanniens gekürt. Wäre er noch einmal angetreten, er hätte wohl kaum Schwierigkeiten gehabt, die Bürgermeisterwahl in London für sich zu entscheiden. Doch Boris Johnson, so glauben viele, strebt nach Höherem. Dass er sein Gewicht in die Waagschale der Brexit-Befürworter warf, dürfte wohl kaum ohne Hintergedanken geschehen sein.

Großbritannien und Nordirland haben am Donnerstag, 23. Juni, über ihre Mitgliedschaft in der Europäischen Union abgestimmt. Die EU-Gegner sind als Sieger aus dem Referendum hervorgegangen. Alle Informationen und aktuellen Entwicklungen der Abstimmung im Live-Ticker.

Johnson gehört wie Cameron zum Establishment, beide gingen auf das Eliteinternat Eton. Anders als der stets gepflegt auftretende Premier versteht es Johnson aber, den einfachen Mann anzusprechen. Er schneidet Grimassen auf Fotos, kleckert unbeholfen mit Speiseeis, stolpert, stürzt und pöbelt.

Auf dem Höhepunkt der Affäre um den deutschen Fernseh-Satiriker Jan Böhmermann schrieb er ein Schmähgedicht über einen "jungen Kerl aus Ankara" und gewann damit einen zweifelhaften Wettbewerb für das "beleidigendste Gedicht über Präsident Erdogan".

Als US-Präsident Barack Obama in London für einen Verbleib Großbritanniens in der EU warb, spekulierte Johnson in einem Zeitungsartikel über dessen kenianische Wurzeln und eine womöglich daraus resultierende Abneigung gegen Winston Churchill und das britische Kolonialreich. Größter Ausrutscher Johnsons aus deutscher Sicht war seine Behauptung, die EU wolle einen Superstaat errichten - wie einst Napoleon und Hitler.

Der Gewinner des Brexits

Doch all das scheint ihm nicht zu schaden. Im Gegenteil, Umfragen zufolge schenken die Briten Johnson bisher sehr viel mehr Glauben als dem Premier Cameron, der am Donnerstag denn auch die Konsequenzen aus dem Brexit-Votum zog und zurücktrat. Johnson gilt nun als der wahrscheinlichste Nachfolger.