• Der nordrhein-westfälische Abgeordnete Bijan Djir-Sarai soll FDP-Generalsekretär werden.
  • Der 45-Jährige will die Partei diverser und weiblicher aufstellen.
  • Djir-Sarai setzt in der Ampel-Koalition auf einen respektvollen Umgang. Doch mit seiner Nominierung betont Parteichef Christian Lindner auch die Eigenständigkeit der FDP: Djir-Sarai pflegt enge Kontakte zur CDU.
Ein Porträt

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Fragen zu seiner Herkunft beantwortet Bijan Djir-Sarai gerne mit einem Scherz. "Sie merken es an meinem Namen und meinem Akzent: Ich komme aus Nordrhein-Westfalen", sagte der 45-Jährige, als er in dieser Woche vor die Presse trat.

Der 45-Jährige weiß natürlich, dass sich manche fragen, in welchem Land er seine Wurzeln hat. Doch er ist auch selbstbewusst genug, sich nicht auf seinen Migrationshintergrund reduzieren zu lassen.

Bijan Djir-Sarai: "Freund und Kollege" von Christian Lindner

Bijan Djir-Sarai soll neuer Generalsekretär der FDP werden. Parteichef und Bundesfinanzminister Christian Lindner hat seinen "Freund und Kollegen" für die Nachfolge von Volker Wissing vorgeschlagen, der als Bundesverkehrsminister ins Kabinett der Ampel-Koalition gewechselt ist. Es ist eine interessante Wahl, mit der die FDP unterschiedliche Signale sendet.

Der neue Generalsekretär bringt Abwechslung in die liberale Führungsriege, die bisher von westdeutschen Männern dominiert wird. Ein westdeutscher Mann ist Djir-Sarai zwar auch. Doch mit seiner iranischen Herkunft verkörpert er zudem das Aufstiegsversprechen, das sich die FDP so gerne auf die Fahnen schreibt.

Als er elf Jahre alt war, schickten seine Eltern ihn vom Iran zu seinem Onkel ins rheinische Grevenbroich, wo er Abitur machte. Danach studierte er Betriebswirtschaftslehre und promovierte. Sein Doktortitel wurde Djir-Sarai 2012 jedoch wieder aberkannt, weil er in seiner Promotion Textpassagen ohne Quellenangaben übernommen hatte.

Es ist ein Fehler, der Djir-Sarai sichtbar zu schaffen macht – und den er irgendwann mit einer neuen Promotion ausbügeln will. Auch wenn ihm dafür in den kommenden Jahren wohl kaum die Zeit bleibt.

Mehr Frauen sollen in die Führungsriege

In der FDP ist das Amt des Generalsekretärs ein Posten mit Potenzial. Niemand Geringeres als Christian Lindner und zuvor auch Guido Westerwelle nutzten es als Sprungbrett zum Parteivorsitz. Dirk Niebel und nun auch Volker Wissing wechselten vom Posten ins Bundeskabinett.

Auch Djir-Sarai gilt als gut vernetzt und ehrgeizig. Als Christian Lindner ihm das Angebot für das Amt des Generalsekretärs machte, hat er seiner eigenen Aussage zufolge nicht gezögert, Ja zu sagen.

Bijan Djir-Sarai war bisher außenpolitischer Sprecher, hat sich aber auch für Toleranz und Vielfalt in der Gesellschaft eingesetzt. Auf mehr Diversität setzt er auch in der eigenen Partei. Bei seiner Vorstellung erzählte er, dass ihn das Buch "Die Freiheit ist weiblich" von der Journalistin Golineh Atai über Frauen im Iran tief beeindruckt habe.

"Ich möchte als Generalsekretär meinen Beitrag leisten, dass auch in der FDP mehr Frauen in den nächsten Jahren in Führungspositionen sind", kündigte er an. Gleichzeitig will er die Partei attraktiver machen für Menschen, die wie er ausländische Wurzeln haben.

Mann mit Sympathien für die CDU

Eine liberale Version der Grünen schwebt dem Rheinländer dabei aber nicht vor. Eher im Gegenteil will Lindner mit Djir-Sarais Berufung die Eigenständigkeit der Partei betonen. "Es geht darum, die FDP als Teil einer Regierung erkennbar zu machen. Zu zeigen, dass die FDP eine eigenständige politische Kraft der Mitte ist, die nicht exklusiv nur mit diesen oder jenen Parteien zusammenarbeitet, sondern in alle Richtungen anschlussfähig ist", sagte der Parteichef.

Volker Wissing galt mit seiner Erfahrung aus der rot-grün-gelben Koalition in Rheinland-Pfalz als ein Architekt der Ampel-Koalition auf Bundesebene. Sein designierter Nachfolger ist durchaus ein Mann mit Sympathien für Schwarz-Gelb. Daraus machte er auch in der Pressekonferenz kein Geheimnis.

Er habe immer "eine hohe Affinität" zur CDU gehabt, sagte Djir-Sarai. "Ich beobachte die Entwicklung in der CDU sehr intensiv und wünsche den Kolleginnen und Kollegen dort auch viel Erfolg. Ich glaube, es ist gut für unser Land, wenn die CDU eine starke Partei bleibt." Jetzt gebe es im Bund mit der Ampel zwar eine andere Konstellation. In Nordrhein-Westfalen regiere die FDP mit der CDU allerdings sehr erfolgreich.

Bijan Djir-Sarai: "Ich finde Respekt außerordentlich wichtig"

Bringt Djir-Sarai also Streitpotenzial mit in die Koalition mit SPD und Grünen? Das würde wohl seinem Naturell widersprechen. Als Mann der leisen Töne will er zwar ungern bezeichnet werden. Er sagt aber auch: "Ich bin ein großer Freund des respektvollen Umgangs miteinander. Ich finde Respekt gegenüber dem politischen Mitbewerber, Respekt gegenüber dem Koalitionspartner, gegenüber der Opposition, vor allem gegenüber den Wählerinnen und Wählern außerordentlich wichtig."

Djir-Sarais Ton passt zur Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP, die zumindest in ihren ersten Wochen Wert auf höfliche Umgangsformen legen. Auch die stellvertretende Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang sagte im Interview mit unserer Redaktion, dass man nicht mehr Politik wie im Wilden Westen betreiben wolle.

Zum gemeinsamen Erfolg ist die Ampel ohnehin verpflichtet, das weiß auch Djir-Sarai: "Ich glaube, dass wir uns auch als Regierungspartei mit Blick auf das Ende der Wahlperiode so aufstellen müssen, dass die Menschen das Gefühl haben: Diese Partei hat uns gut durch die unterschiedlichsten Krisen geführt. Die sind verantwortungsvoll, und denen kann man weiterhin Vertrauen schenken."

Quellen:

  • FDP-Pressekonferenz mit Christian Lindner und Bijan Djir-Sarai
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