In etwas mehr als drei Monaten wird in den USA gewählt - und die Attacken werden schärfer. Herausforderer Joe Biden hat Präsident Donald Trump nun vorgeworfen, der erste Rassist im Weißen Haus zu sein.

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Der Ton im Rennen um die Präsidentschaftswahlen in den USA verschärft sich. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden bezeichnete Donald Trump als den ersten Rassisten, der es in das Amt geschafft habe.

Bei einem Treffen mit Beschäftigten des Gesundheitswesens wurde Biden gefragt, ob er besorgt darüber sei, dass Trump das Coronavirus wiederholt als "China-Virus" bezeichnet habe. Er antwortete, dass es "absolut widerlich" sei, wie Trump "mit Menschen umgeht, basierend auf der Farbe ihrer Haut, ihrer nationalen Herkunft, woher sie kommen". Er fügte hinzu: "Kein amtierender Präsident hat dies jemals getan. Niemals, niemals, niemals. Kein republikanischer Präsident, kein demokratischer Präsident. Es gab schon immer Rassisten, die versucht haben, zum Präsidenten gewählt zu werden. Er ist der erste, der es geschafft hat."

"Eine Beleidigung der Intelligenz der schwarzen Wähler"

Die leitende Beraterin der Trump-Kampagne, Katrina Pierson, nannte Bidens Kommentare "eine Beleidigung der Intelligenz der schwarzen Wähler" angesichts einer früheren, einmaligen Zusammenarbeit des Senators mit Regierungsmitgliedern, die eine Trennung von Bevölkerungsgruppen aus religiösen, ethnischen oder sozialen Gründen vorantreiben wollten. Sie sagte, dass Trump alle Menschen liebe und hart daran arbeite, alle Amerikaner zu stärken.

Doch nicht nur Trump wird Rassismus vorgeworfen. Auch ehemalige Präsidenten sehen sich mit Vorwürfen konfrontiert. Im Zuge der Anti-Rassismus-Demonstrationen nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd versuchten Protestierende eine Statue des umstrittenen Ex-Präsidenten Andrew Jackson zu Fall zu bringen. Kritiker meinen, auch Denkmäler der Gründungsväter der USA, George Washington und Thomas Jefferson, gehörten entfernt; alle waren im 18. bzw. 19. Jahrhundert Sklavenhalter. Biden selbst war im Mai mit einer fragwürdigen Äußerung über Afroamerikaner in die Kritik geraten, er hatte seine Bemerkung im Anschluss bedauert.

Trump gerät im US-Wahlkampf immer weiter unter Druck. Laut aktuellen Umfragen liegt der amtierende Präsident deutlich hinter seinem Herausforderer Biden. Viele Menschen machen vor allem Trump für die Situation im Land verantwortlich. Kein anderes Land ist so sehr von der Corona-Pandemie betroffen wie die USA. Mehr als vier Millionen Menschen haben sich bereits mit dem Virus infiziert. Fast 150.000 sind an den Folgen der Lungenkrankheit gestorben.

Zuletzt verschärfte er zunehmend den Konflikt mit China. Unter anderem ordneten die USA die Schließung des chinesischen Konsulats in Houston an. Außenminister Mike Pompeo warf China zudem vor, geistiges Eigentum von US-Firmen zu stehlen. Die kommunistische Partei sei eine Bedrohung. Ähnlich klingt die Rhetorik von Trump.  © DER SPIEGEL

Teaserbild: © Alex Wong/Getty Images