Es gibt keine Religion, die es im toleranten New York nicht gibt. Und gerade diese Stadt wurde zum Ziel des islamistischen Terrors. Im Kulturen-Mix der USA werden Muslime seither anders beäugt als andere Gläubige.

New York (dpa) - Spätestens beim Anblick fünfjähriger verschleierter Mädchen wird klar, warum die Gegend um die Atlantic Avenue in Brooklyn «Little Gaza» heißt. Manche nennen diesen Teil New Yorks auch « », denn hier haben sich Tausende muslimische Familien angesiedelt. Hier finden sie ihren Fleischer, ihren Supermarkt und auch ihre Moschee. Ähnliches gibt es bei anderen kulturellen und nationalen Gruppen auch - und doch ist es bei den Muslimen anders. Das Verhältnis mit den Amerikanern ist angespannt. Aber offenbar nicht so sehr, wie viele glauben.

Etwa 600.000 der 2,5 Millionen Muslime der USA leben in New York. Gerade einmal 69 Prozent der in den USA ansässigen Muslime fühlen sich einer Gallup-Studie zufolge eng mit dem Land, in dem sie leben, verbunden. Und fast jeder zweite Amerikaner (48 Prozent) glaubt laut einer Umfrage des PEW-Instituts, die Beziehung zwischen dem Westen und den Muslimen sei schlecht.

Das klingt zunächst einmal alarmierend. Doch beim zweiten Hinsehen relativieren sich diese Zahlen: Das PEW-Institut ermittelte in den meisten europäischen Ländern einen viel höheren Wert - in Deutschland halten zum Beispiel 61 Prozent der Befragten das Verhältnis zwischen Westen und Muslimen für schlecht.

Und doch sind da Störgeräusche - und die sind etwa am Park Place in New York zu hören. Dort soll ein muslimisches Gemeindezentrum mit einer Moschee entstehen. Gleich neben dem Ground Zero, wo vor zehn Jahren nach einem Terroranschlag fast 3000 Menschen in den Trümmern des World Trade Centers starben. Das 13-stöckige Gemeindezentrum soll mindestens 100 Millionen Dollar (rund 70 Millionen Euro) kosten. Wo das Geld herkommt, weiß niemand so genau. Es komme allein von den Gläubigen in den USA, beteuerte Imam Feisal Abdul Rauf. Später zitierte ihn eine Zeitung damit, dass sich auch «muslimische und arabische Nationen» beteiligen sollten.

Gegner nennen die «Megamoschee» ein «Denkmal für den Terrorismus» oder «eine Zitadelle des Islamismus». Befürworter sind nicht weniger emotional und werfen Kritikern Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vor. Die Angehörigen der Terroropfer sind teils moderater: «Es ist einfach eine Frage des Taktgefühls», sagte Sally Regenhard, deren Sohn als Feuerwehrmann im zusammenstürzenden World Trade Center starb. «Es ist schon so schwer genug, da hinzugehen.»

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hatte sich immer wieder für die Moschee stark gemacht und sie als Symbol für New Yorks Toleranz bezeichnet. Die New Yorker scheinen tatsächlich gelassener zu sein als der Durchschnittsamerikaner: Landesweit sind einer CNN-Umfrage zufolge 70 Prozent der Amerikaner gegen die Moschee - in New York sind es nur gut 50 Prozent.

Muslime seien Amerikaner wie alle anderen auch, sagt Soziologe Muntasir Sattar. «Sie arbeiten, zahlen Steuern, sind im Wohltätigkeitsverein und haben die gleichen Freuden und Sorgen wie jeder andere auch.» Es gebe aber durchaus heftige Kontroversen zwischen den Muslimen - etwa bei der Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe. «Aber gibt es diese Kontroverse bei anderen Amerikanern nicht auch?», fragt der Wissenschaftler von der New Yorker Columbia-Universität.

Sattar, selbst in Arabien geboren, sieht mehr Misstrauen gegenüber Muslimen seit dem 11. September 2001. Es gebe aber auch mehr Aktivitäten, um genau dem entgegenzuwirken - etwa Projekte christlicher Kirchen. «Ein Gutes hat das alles», sagt der Soziologe. «Die Leute arbeiten härter daran, sich zu verstehen und leben nicht mehr so nebeneinander her.»