Der in der Corona-Pandemie viel gelobte Krisenmanager Markus Söder muss eine "große Panne" eingestehen: Die Behörden hinken bei der Übermittlung von Testergebnissen gehörig hinterher. An seiner Gesundheitsministerin hält er trotzdem fest.

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Die bayerische Staatsregierung treibt die Aufarbeitung der Panne bei den Corona-Tests von Urlaubsrückkehrern voran. Zehntausende Befunde müssen noch an die Betroffenen übermittelt werden, darunter auch positive.

Dass Ministerpräsident Markus Söder an seiner Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) festhält, stößt bei der Opposition auf Kritik.

"Dass nach einem Skandal dieses Ausmaßes niemand persönliche Konsequenzen zieht, ist ein Armutszeugnis und schadet unserer politischen Kultur nachhaltig. Huml ist nach dem Test-Desaster als Gesundheitsministerin nicht mehr tragbar", erklärte FDP-Landeschef Daniel Föst.

Der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Markus Rinderspacher (SPD), twitterte am Donnerstagabend: "Nun übernimmt ein Verwaltungsbeamter die politische Verantwortung für eine markante Verfehlung, die ihren Ausgangspunkt in der Sorgfaltslosigkeit der Staatsregierung hatte. Das ist Verantwortungskultur à la CSU".

Söder drückte sein Bedauern über die Panne mit Corona-Tests aus

Söder hatte am Donnerstag die Panne eingeräumt und den Fehler bedauert, der nun schnellstmöglich behoben werden solle. Er sprach Huml sein Vertrauen aus, die zweimal ihren Rücktritt angeboten habe. Andreas Zapf wurde hingegen als Leiter des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit abgelöst und ins Ministerium versetzt.

Von der Jungen Union Bayern kam erwartbar Lob: "Es zeugt von Charakter Fehler einzugestehen und sie anschließend auszubügeln", twitterte die CSU-Nachwuchsorganisation. "Bayern hat die richtige Strategie."

44.000 Reiserückkehrer warten auf Testergebnis - darunter sind auch Corona-Positive

Am Mittwoch hatte Huml erklärt, dass 44.000 Reiserückkehrer noch kein Ergebnis ihrer Corona-Tests bekommen hätten, die zum Großteil bei den Ende Juli eingerichteten Stationen an grenznahen Raststätten gemacht worden waren.

Hintergrund für die Verzögerungen ist demnach vor allem, dass der Abgleich von Laboruntersuchung und Formularen händisch abläuft. Zudem war die Nachfrage größer als erwartet.

Unter den noch nicht übermittelten Testergebnissen waren auch Hunderte positive Befunde. Stand Donnerstagnachmittag hatte die Gesundheitsministerin von 908 identifizierten Betroffenen gesprochen, die seit dem Morgen kontaktiert würden. Zudem gebe es auch positive Ergebnisse, die noch nicht zugeordnet werden konnten. Möglicherweise seien darunter auch Dubletten - das müsse geprüft werden. Der Bayerische Rundfunk berichtete sogar von 1.389 positiven Testergebnissen bei insgesamt 107.376 Tests für Reiserückkehrer.

Völlig unklar sind nach wie vor die Fragen, wo die Infizierten im Moment wohnen und wie viele davon schon informiert sind. Ebenfalls konnte am Donnerstag niemand sagen, wo die Erkrankten im Urlaub waren und wo genau sie sich angesteckt haben.

Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland steigt weiter

Die Zahl der bestätigten Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt indes weiter. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bis Donnerstagabend 1.449 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Höher lag der Wert zuletzt am 01. Mai mit 1.639 registrierten Neuinfektionen.

Seit Beginn der Coronakrise haben sich mindestens 221.413 Menschen in Deutschland nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert (Datenstand 14.8., 00:00 Uhr). Seit dem Vortag wurden 14 neue Todesfälle gemeldet.

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Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben nun bei 9.225. Bis Freitagmorgen hatten 200.200 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Der bisherige Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen. Die Zahl war nach den immer noch über 1.000 liegenden Werten im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie wieder. Experten sind besorgt, dass es zu einem starken Anstieg der Fallzahlen kommen könnte, der die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Ansteckungsketten an Grenzen bringt.

Reproduktionszahl liegt bei 0,91

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 13.8., 00:00 Uhr, in Deutschland bei 0,91. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 13.8., 00:00 Uhr, bei 1,06. Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Die R-Werte liegen nach RKI-Angaben seit Mitte Juli 2020 wieder bei 1 beziehungsweise leicht darüber. "Dies hängt mit einer größeren Anzahl kleiner Ausbrüche, aber auch mit den bundesweiten Fallzahlen zusammen, die seit den Lockerungen der Maßnahmen sowie durch zunehmende Fälle unter Einreisenden in den letzten Wochen stetig gestiegen sind", hieß es. (dpa/ank)

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